Die Diplomarbeit:
Mit dem
Fahrrad für den Umweltschutz.
Beispiele,
Analyse und Auswertung von Umweltradtouren.
Drei
Fallbeispiele aus dem Jahre 2002.
ist von Dietmar Backes (Nürtingen). Er hat die 160 Seiten umfassende Arbeit (zzgl. Anlagen) 2002 an der FH Nürtingen, Fachbereich Landschaftsarchitektur, Umwelt- und Stadtplanung (LUS) verfasst.
Sie ist bei Dietmar Backes bestellbar:
Tel.: 07022/ 35260
Im Folgendem ist ein kleiner Einblick in die Arbeit zu lesen:
Wir haben schon Etliches gemacht, aber ich kann auch nicht direkt sagen, dass wir nun was bewirkt haben. [...] Plakate kleben, na gut, Presseinformationen und sowas. Aber mir würde es auch gut gefallen, wenn wir eben so eine Aktion wie „Bäume pflanzen“ oder sowas machen. Wo man gleich was sieht, dass man was Positives gemacht hat.[1]
Die Fragen „was bringt´s?” oder „was hat es gebracht?“ stellen sich Menschen aus der Umweltbewegung immer wieder. Vor allem wenn sie viel Kraft und Aufwand in Aktionen oder Projekte investiert haben. Selten sind die Fragen leicht zu beantworten; meistens kann man über Erfolge nur spekulieren oder sich welche ausmalen. Die vorliegende Arbeit will versuchen die Fragen in Bezug auf die Aktionsform Umweltradtour zu beantworten. Diese Aktionsform zielt darauf ab, dass eine Gruppe von Menschen per Fahrrad mit Forderungen, Problemen, Ängsten o.ä. direkt auf die Bevölkerung zugeht und Überzeugungsversuche startet. Für die TeilnehmerInnen einer Tour besteht zugleich die Möglichkeit konkrete Objekte oder Projekte zu einem bestimmten Thema vor Ort in Erfahrung zu bringen.
Allgemein sind Initiativen und Projekte der Umweltbewegung vielseitig und mit unterschiedlichen Zielen verbunden. In der Regel streben die Akteure an, bestehende Verhältnisse zu verändern, sei es im politischen, allgemein gesellschaftlichen oder im persönlichen Bereich.
In manchen Fällen kann eine
Erfolgskontrolle verhältnismäßig einfach sein, beispielsweise bei Projekten des
Naturschutzes mit dem Ziel der Erhaltung einer bestimmten Tier- oder
Pflanzenart in einem bestimmten Gebiet. Die Populationsdichte wird über Jahre
hinweg beobachtet und die Ergebnisse in Zusammenhang mit den durchgeführten
Maßnahmen zur Erhaltung der Art gebracht. Werden jedoch Lebensraumkomplexe von
Tieren, Pflanzen, Pilzen und Bakterien betrachtet, lassen sich eindeutige
Schlüsse über erfolgreiche Maßnahmen anhand weniger Zahlen nicht ziehen.
Ähnliche Probleme treten auf, wenn es darum geht, etwas im menschlichen
Bewusstsein oder politisch zu verändern. RUCHT verweist auf eine Vielzahl von
Einflussfaktoren, die in einer Auswertung berücksichtigt werden müssten. Es
entstehen „undurchsichtige Wirkungsketten“, die eine Kausalanalyse nahezu
unmöglich machen (RUCHT 1996a, S. 15 ff.). Die InitiatorInnen der Aktionen und
Projekte verzichten daher meistens auf eine detaillierte Erfolgskontrolle. Bei
der Auswahl von Aktionsformen und Projektarten greifen sie hauptsächlich auf
eigene Erfahrungen oder auf solche von anderen zurück. Als Ergänzung der
Erfahrungswerte möchte ich trotz der Schwierigkeiten versuchen, die Aktionsform
Umweltradtour hinsichtlich erzielter Erfolge oder Misserfolge genauer zu
analysieren. Die Auseinandersetzung mit dem Thema ergab folgende Fragestellungen:
1) Wann und wie sind „Umweltradtouren“ entstanden? Was ist darunter zu verstehen? Welchen eigenen Charakter besitzen sie im Vergleich zu verwandten Aktionsformen?
2) Was sagen empirische Forschungen zu möglichen Erfolgsaussichten von Umweltradtouren?
3) Inwieweit können die Veranstalter- und die TeilnehmerInnen einer Umweltradtour mit ihren Anliegen die Bevölkerung erreichen bzw. wie reagieren die angesprochenen Menschen?
4) Gibt es noch weitere Ziele der Akteure (z.B. Bildung, Austausch mit anderen UmweltschützerInnen) und inwiefern lassen sie sich realisieren?
5) Sind die angesprochenen Menschen eher dazu bereit sich für Natur- und Umweltschutz zu engagieren, wenn sie in dieser Form dazu angeregt werden?
6) In welcher Weise können Umweltradtouren in Bezug auf landespflegerische Themen interessant sein?
Antworten auf Frage 1) finden sich in der Literatur über Straßenprotest, über soziale Bewegungen und aus Dokumenten vergangener Umweltradtouren. Die Frage 2) möchte ich mit Hilfe einschlägiger Literatur hinsichtlich der unterschiedlichen Ziele einer Umweltradtour behandeln. Zur Beantwortung der Fragen 3) und 4) begleitete ich im Mai, Juli, August und Anfang September 2002 (insgesamt knapp fünf Wochen) drei Umweltradtouren zu unterschiedlichen Themen und befragte PassantInnen und TeilnehmerInnen. Zusätzlich kommen Erfahrungen früherer Radtouren ins Gespräch, die chronologisch aufgelistet sind. Am schwierigsten stellt sich die Beantwortung der Frage 5) dar. Sie ist im Zusammenhang mit der „Fahrradkarawane 2002“ entstanden. Dabei handelt es sich um eine der untersuchten Radtouren, bei der Jugendliche andere Jugendliche zum Engagement im Umweltschutz mobilisieren wollten. Eine einmalige Befragung bei PassantInnen liefert zur Beantwortung dieser Frage jedoch nur unzureichende Hinweise, weshalb konkrete Aussagen nur ansatzweise möglich sind. Zur Beantwortung der letzten Frage werden die Ergebnisse der obengenannten Untersuchungen mit einbezogen. Themen wie die Identifikation mit Landschaft, Naturerleben oder Landnutzungs-Konflikte spielen dabei eine Rolle.
An der Planung und Umsetzung der Fahrradkarawane war ich selbst beteiligt, wodurch ich mir einen guten Einblick in eine solche Veranstaltung verschaffen und weitere Beobachtungen machen konnte. So bietet die Arbeit am Ende eine Entscheidungshilfe für Umweltverbände oder andere Gruppen, die nicht genau wissen, ob es erfolgversprechend ist, Arbeitskraft, Zeit und finanzielle Mittel in die Aktionsform Umweltradtour zu investieren. Ist erst einmal die Entscheidung zugunsten einer Umweltradtour gefallen, können aus den Untersuchungen abgeleitete Vorschläge zur Steigerung der Erfolgschancen zum Gelingen der Veranstaltung beitragen.