Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(la) Die Energiewerke Nord verkauften kürzlich 235 noch nutzbare Brennelemente aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Lubmin bei Greifswald nach Ungarn. Der symbolische Preis für die Lieferung beträgt eine Mark plus Transpotkosten. Ungarn hat sich dafür verpflichtet, die später abgebrannten Brennelemente nicht nach Deutschland, sondern nach Rußland zu schicken.
Das spannende an der Geschichte ist aber der geplante Transport: Bereits im Januar soll es über den direkten weg die Schiene nach Ungar gehen. Daß heißt, daß der Castor (der Transportbehälter) über Berlin und Dresden, über die Fernbahngleise, geschickt werden wird. Natürlich keine Warnung an die Bevölkerung, kein Wort über die Gefahren, natürlich ist alles sicher. Grund der Geschichte: Deutschland will sich aus der Endlagerungsfrage herauskaufen. Wirtschaft und Politik sind sich über den Atomstrom einig: Jeder Zweck heiligt die Mittel und umgekehrt.
In ähnlicher Weise geschieht dies im Moment auch in anderen Ländern. Halb zerfallene Atomkraftwerke z.B. vom Tschernobyl-Typ laufen in vielen osteuropäischen Ländern. Atomtransporte gehen über die Köpfe von Demonstranten hinweg, Havarien werden heruntergespielt, es wird fleißig geforscht und gebastelt, Brennstoffe verschwinden einfach und die Plutoniumaffären in Deutschland sind sicher nicht die einzigen...
Japan scheint mit einer Havarie in einem Schnellen Brüter gerade noch an einem GAU vorbeigeschliddert zu sein. Aber das ist ja noch lange kein Grund zur Besorgnis, so lange mensch irgendwo mit Geld machen oder sparen kann, ist alles erlaubt. Die kleinen Nebensächlichkeiten, wie zum Beispiel die noch überall ungeklärte Endlagerung, können dabei wohl getrost unter den Tisch fallen lassen werden. Eine unvollständige und vertuschende Berichtserstattung der Behörden und BetreiberInnen ist dabei nicht gerade hilfreich.
Mehr zum Thema im Artikel Leck im Atomkraftwerk: Japan probt den Ernstfall: Still verharren.
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