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Wohngifte

Das versteckte Übel im Haus

(wp/be)In den meisten Räumen im Wohn- und Arbeitsbereich ist die Luft innen schlechter als die Außenluft. Obwohl die Außenluft auch nicht mehr das ist, was sie einmal war. Das hat natürlich Folgen für die BewohnerInnen und alle anderen NutzerInnen dieser Räume: Die Gesundheit meldet sich. So gibt es zum Beispiel ein Leiden, das nennt sich SBS, ausgeschrieben „Sick Building Syndrom“: Bin ich im Gebäude, geht’s mir schlecht, bin ich draußen, geht’s mir wieder gut. Für unsere – stark an Häuser gebundene – Lebensweise recht ungünstig. Aufgrund der fersten Bauweise ist es auch relativ schwierig, zu sanieren.

Eine Wohnung ist nunmal mehr als „nur“ ein Dach über dem Kopf. Ganz konkret auf die heutige Bausituation bezogen: Die Wände sind aus Stahlbeton, außen mit Kunststoffschaum isoliert, innen mit lösemittelhaltiger Farbe bestrichen, Kunststofftapen, Styropor-Isolierungen „runden“ das Bild ab. Der Boden ist mit PVC-Belägen und Synthetikteppichen ausgelegt, die Wohnungen sind zum großen Teil mit Möbeln aus formaldehydhaltigen Spanplatten eingerichtet. Hinzu kommen die diversen stromverbrauchenden Geräte. Hieraus ergeben sich verschiedene Gefahrenquellen für die Gesundheit, die zu zahlreichen Symptomen führen können.

Die mangelnde Atmungsaktivität der Wände verursacht eine Anreicherung von verbrauchter Luft, Feuchtigkeit und gegebenenfalls von Giftstoffen in der Wohnung. Sie bringt allerdings meist nochnichteinmal vernüftige Wärmedämmung mit sich, denn zwischen Atmungsaktivität, also Gas- und Feuchtigkeitsaustausch zwischen innen und außen, und Isolierung besteht nicht immer ein direkter Zusammenhang. Wenn nicht regelmäßig über die Fenster stoßgelüftet wird, kann das neben einer unangenehmen Raumatmospäre durchaus auch zu Befall mit „Ungeziefer“ und Pilzen führen, die häufig mit weiteren Giften bekämpft wird.

Die Atmung der Wände wird insbesondere durch die Dämmung mit Kunststoffschaum oder durch Glaswolle mit Alufolie eingeschränkt, wie sie heute fast überall üblich ist. Auch Beton hat nur eine sehr geringe Atmungsaktivität, aber denkbar schlechte Isolationseigenschaften.

Der Baustoff Lehm dagegen wirkt sich sehr positiv auf die Raumluft aus (siehe Artikel in dieser Ausgabe), denn er hat eine luftreinigende und feuchtigkeitsregulierende Wirkung. Es gibt zahlreiche Baustoffe, auch solche, die als Recycling-Produkte entstehen und wertvolles Material vor der Müllkippe retten. Sie scheinen jedoch im Moment noch teurer beziehungsweise unbequemer. Das liegt zum einen daran, daß die Herstellungswege nicht so ausgebaut sind, wie zum Beispiel die für Beton, zum anderen sicherlich auch an der starken Lobby für die konventionellen Baustoffe. Für das Wohnklima geeignete Dämmstoffe sind zum Beispiel Altpapierflocken, Holzspäne, Schafwolle und Kork.

Hinzu kommt der Einsatz von zahlreichen Mittelchen, sei es zum Schutz oder zur Verschönerung der Wohnung. Immer noch werden in Innenräumen gesundheitlich bedenkliche Holzschutzmittel verwendet. Dabei sind sie hier größtenteils völlig überflüssig, wenn das Holz durch konstruktive Maßnahmen trockengehalten wird. Tragende Bauteile können so zum Beispiel mit Borsalz imprägniert werden, das zumindest nicht ausgast, wie zahlreiche andere Lösungsmittel. Hinzu kommt, daß oftmals präventiv gearbeitet wird, was ja im Prinzip nicht schlecht ist. Wenn jedoch Schädlinge bekämpft werden, die es fast gar nicht mehr gibt, so ist dies nicht nur überflüssig, sondern stellt eine weitere Belastung dar. Lösemittelhaltige Farben gasen auch noch bis zu drei Monaten nach dem Streichen Lösemittel aus. Fast alle Farben, die im Moment auf dem Markt sind, basieren allerdings auf solchen Lösungsmitteln. Außerdem enthalten sie oft noch ein Anti-Pilz-Mittel. Eine Alternative hierzu sind Kaseinfarben aus Kalk, Quark und Wasser, die zumindest in alternativen Läden ein sehr breites Angebot umfassen, also in vielen Kombinationen zu erhalten sind. Die Pigmente sind meist auch aus Naturmaterialien hergestellt, so daß fast alle Giftfaktoren wegfallen.

Auch der sogenannte Elektrosmog kann Ursache von Befindlichkeitsstörungen sein. Als Elektrosmog bezeichnet man elektrische und magnetische Wechselfelder, elektromagnetische Wellen in großem Umfang, wie sie durchaus an elektrischen Geräten vorkommen. Die Menge an elektrischen Geräten, die sich in unseren Haushalten befindet, addiert sicher die Wirkungen. Aber schon so einfache Maßnahmen, wie Geräte richtig auszuschalten, können hier Besserung bewirken, ebenso wie der sinnvolle Einsatz.

Spätestens wenn Ihr an den Symptomen des SBS leidet, solltet ihr Eure Wohnung mal unter die Lupe nehmen und Euch vielleicht beraten lassen. Hierzu zählen Kopfschmerzen, Übelkeit, Gleichgewichtsstörungen in Zusammenhang mit dem Wechsel von Gebäude und Außenluft.

Dazu könnt Ihr Euch an das Zentrum für Baubiologie und Ökologie wenden (Telefon: 782 06 87) oder an das zuständige Gesundheitsamt.


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