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Lehmbau

Leben im Lehm

Vielleicht hast du schon mal einen Klumpen Lehm auf einem Feld gefunden, dich gefreut und angefangen etwas herumzukneten? Aus diesem Stoff lassen sich immerhin vielstöckige Häuser bauen, was sich ja nicht auf den ersten Blick vermuten läßt. Lehm ist wohl der Ökobaustoff schlechthin, in ihm stecken zahlreiche Potentiale, von guter Verarbeitung bis zahlreichem Vorkommen über gute Wohn- und Baueigenschaften. Im Grunde genommen nur eine Wiederentdeckung der Vergangenheit, denn auch früher schon war Lehm ein vielgenutzter Baustoff, in manchen Zeiten gar der einzige Grundbaustoff, der nur durch Holz und Steine ergänzt wurde.

Da er fast überall – zumindest in unseren Breiten – im Boden ganz nah an der Oberfläche zu finden ist, entfallen in der Regel weite Transporte und aufwendiger Abbau. Die Qualität des Lehmes ist im allgemeinen ausreichen, um damit zu bauen, wenn mensch in genügend stabilisiert. Im Idealfall kann mensch mit dem Kelleraushub gleich das ganze Haus bauen.

Der Lehm muß auch nicht energieintensiv gebrannt werden, wie manche andere Grundbaustoffe. Mensch kann ihn gleich so nehemn. Aufwendige Brenn-, Schmelz-, Walzvorgänge und riesige Werke sind nicht von Nöten. Mensch schon also das Klima, die Straßen und die Landschaft. Es müssen ja weder kilometergroße Tagebaue noch Schächte mit entsprechendem Betrieb über der Erde angelegt werden.

Gleichzeitig beeinflußt Lehm als Baustoff das Wohnklima positiv, indem er die Luftfeuchte reguliert und Giftstoffe bindet. Die zahlreichen Feinstrukturen können überflüssiges Wasser binden und bei Trockenheit wieder abgeben. Gifte nimmt er mit der Luftfeuchtigkeit auf. Gibt er das Wasser wieder an die Luft ab, bleiben die Giftstoffe im Lehm zurück.

Es gibt verschiedene Lehmbautechniken. Allen zielen darauf ab, den Lehm durch Füllung zu stabilisieren und gleichzeitig in Form zu bekommen. Bei der Stampflehmbauweise wird der matschige Lehm in eine Holzverschalung festgestampft. Das geht am besten mit den Füßen, indem mensch in die Verschalung klettert. So können, wenn mensch nicht selbst bauen kann oder will zusätzlich Arbeitsplätze geschaffen werden. Bei der Fachwerkbauweise wird zunächst ein Holzgerüst gebaut, die Zwischenräume werden mit Weidengeflecht gefüllt, auf das der Lehm gestrichen wird. Schließlich gibt es noch den Bau mit getrockneten Lehmziegeln. Längeres Trocknen ist allerding unabdingbar, bevor mit dem Hausbau weitergemacht werden kann. So kann am Lehmbau nur bis zum Sommer, am besten im Frühjahr gearbeitet werden.

Natürlich muß bei den Lehmbauten darauf geachtet werden, daß die Wände keinem Prasselregen ausgesetzt sind, denn die Wasserlöslichkeit geht beim Trocknen an der Luft nicht verloren. Außerdem brauchen Lehmwände eine Wärmedämmung. Ökologische Möglichkeiten sind z.B. Dämmungen aus Altpapier, das mit Borsalz imprägniert wurde oder Schafwollfließ oder Hanffließ. Auch Kirschkerne, die mensch aus Schnapsbrennereien oder Kompottherstellern bekommen kann, hinter eine Wandverschalung gekippt, haben gute Dämmeigenschaften.

Das schöne beim Lehmbau ist: Wenn auf schwere Maschinen verzichtet wird, kann das auch ziemlichen Spaß machen und ist nicht schwer. Mit einem Bißchen Übung, Musik und netten Mithelfern ist ein Bau schnell gemacht. Bei der Stampflehmbauweise können auch Kinder mitmachen.

Manche Projekte, zum Beispiel Biobauernhöfe, die sich erweitern wollen, bieten auch die Möglichkeit, beim Lehmbau und anderen Bauvorhaben mitzuarbeiten, indem sie Bauwochen anbieten, meist sogar mit freier Kost und Unterkunft.

Ein Verzeichnis der Brandenburger Biohöfe, die „bio direkt“, gibt es beim BUND, Crellestraße 35, 10827 Berlin. Anfragen lohnt sich.


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