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Verkehrsgünstiges Bauen

Gut zu Fuß...

(wp/be) ... oder zu Fahrrad sollte mensch in einer ökologisch geplanten Siedlung sein. Die Pendlerin aus dem voll ökologischem Niedrigenergiehaus mit Kompost und anderen umweltschützenden Annehmlichkeiten am Stadtrand, die immer mit dem Auto in die Stadt zur Arbeit und zum Bioladen fährt, verbraucht nämlich unter Umständen viel mehr Energie als einer, der in einem ungedämmten Altbau wohnt, aber mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt. Aber nicht nur energetische Gesichtpunkte sprechen für eine Veränderung.

Denn: Verkehr beeinflußt die Wohnqualität in hohem Maße. Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Freizeit müssen verkehrsmäßig gewährleistet sein – nur daheim sitzen schlägt auch aufs Gemüt. Andererseits verursacht insbesondere der Autoverkehr – heute Mobilitätsmittel Nummer eins – Luftverschmutzung, Lärm und verbraucht Fläche. Mit allen möglichen Folgen für Mensch und Umwelt. Da ist zum einen die massenhafte Bodenversieglung, das „Abschneiden“ von Lebensräumen, die Luftbelastung, die es Tieren und Pflanzen immer schwerer macht, zu überleben. Grundlegende Veränderungen sind hier zu erwarten und bereits zu beobachten. Auch der Mensch reagiert ganz extrem auf die Belastungen durch den Verkehr. Man hat festgestellt, daß schlafende Menschen schon bei ca. 24 dB, also der Lautstärke von leisem Gespräch, mit verstärkter Ausschüttung von Streßhormonen reagieren. Die Belastung der Atemwege durch die Abgase ist schon seit langen nachgewiesen. Insbesondere ältere Menschen und Kinder haben darunter zu leiden.

Bei der Bauplanung läßt sich hier schon viel machen: Wenn Wohnen, Arbeitsplatz, Einkaufsmöglichkeiten sowie Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten nah beieinander liegen, so wird Verkehr von vornherein vermieden. Das verlangt natürlich einige neue Ideen, aber das Einbeziehen der Anwohnerinnen und Anwohner könnte diese durchaus bringen, denn sie kennen ihren Kietz und seine „Macken“. Gute Anbindung des Wohngebietes an öffentliche Verkehrsmittel mit vernünftigen Taktzeiten, dazu vernünftige Fahrradwege und -ständer und schöne Fußwege machen die Nutzung von Verkehrsmitteln, die lebensfreundlicher sind als das Auto, attraktiver. Eine begrenzte Zahl von Parkplätzen den Flächenverbrauch in vernünftigen Maßen halten – trotzdem können über Carsharing und Fahrdienste auch andere Wege erschlossen werden.

Dafür kann dann mehr Platz z.B. für Wiesen, Parks, kleine Wälder und Kletterbäume verwendet werden. Die Luft wird besser, wir werden weniger krank und wir sparen uns schonmal den Weg zum Arzt und zur Apotheke.

Doch noch sieht die Bau- und Verkehrswegeplanung noch anders aus. Hinzu kommen die zahlreichen Bauprojekte rund um Berlin, zum Beispiel für die Abgeordneten des Bundestages, die bald (?) in Berlin wohnen sollen. Dort wird frei auf der grünen Wiese gebaut, fast alle diese Siedlungen sind von Berlin aus nur mit dem Auto zu erreichen. Im Höchstfall verkehrt zwei mal täglich ein Bus in die randgelegenen Kreisstädte wie Bernau und Strausberg. Ungünstigste Voraussetzungen also. Aber vielleicht haben ja die BewohnerInnen ein paar gute Ideen und setzen diese auch um.

Doch ein paar kleine Ansätze gibt es schon. Im Süden Berlins, nahe dem ehemaligen Grenzstreifen, liegt die sogenannte Geisterstadt. Ehemaliges Truppenübungsgebiet, das heute nicht mehr genutzt wird. Hier soll eine ökologische Siedlung, die „Autofreie Stadt“ entstehen. Doch es ist noch viel zu tun, zumal die zukünftige Siedlung in einem der am ungünstigsten zu erreichenden Teil Berlins liegt. Die Vorbereitungen sollen jedoch schon auf heißen Touren laufen. Das läßt hoffen, verlangt jedoch großes Engagement – von Seiten der Verwaltung, der Erbauer und der AnwohnerInnen.


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