Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(wp/be) Gemeinschaftlich wohnen was soll daran ökologisch oder gesund sein? Und warum überhaupt glücklich? Werden nicht die Menschen im Gegenteil viel schneller krank, weil sich in Wohngemeinschaften Krankheitskeime viel besser übertragen? Dann rennt mensch wieder in die Apotheke, kauft viel Chemie von Schmering & co um wieder gesund zu werden nein, ist doch total unökologisch. Und außerdem machen doch die so viel Müll und Chaos. Und Krach haben sie doch auch ständig. Und morgens ist das Klo immer besetzt. Und überhaupt, wozu denn auf einem Haufen hocken, wenn mensch keine Beziehung hat? Alles doch nicht öko, gesund erst recht nicht, von Glück ganz zu schweigen. Logisch?
Ob Wohngemeinschafts-Leben gesünder sein kann, muß jedeR vielleicht erst für sich erleben. Zum Beispiel: Ich bin krank (nicht von der Wohngemeinschaft (WG!) und liege im Bett. Und mein Mitbewohner bringt mir einen kalten Erdbeershake. Dann werden vor lauter Freude meine Abwehrkräfte so stark angekurbelt, daß ich ganz schnell wieder gesund werde. Nein, echt, alles schon vorgekommen. Oder wir wechseln uns ab mit dem Essen machen und ernähren uns dadurch gesünder und ökologischer, denn es gibt öfter mal eine anständige Mahlzeit und nicht immer nur das hastig geschmierte Brot, weil mensch allein ja eh keinen Hunger hat. Es gibt mehr frisches Gemüse, weniger Fertigkram und energieverschwenderische Tiefkühlkost, abwechslungsreicher. Das ist natürlich auch in einer Familie möglich, aber funktioniert es wirklich immer, daß mensch sich abwechselnd kümmert und außerdem, irgendwann wächst sicherlich bei jedem und auch bei jeder der Gedanke nach einem eigenen Reich und den eigenen vier Wänden....
Zurück zum gesunden Leben. Wir sind in einer FoodCoop. Die ist ein Zusammenschluß von Menschen, die Ihre Lebensmittel direkt bei Biobauern der Umgebung gemeinsam bestellen. Dadurch bekommen wir die Bioprodukte wesentlich günstiger und brauchen weniger in Supermärkten einkaufen. Obendrein unterstützen wir noch Biobauern und -bäuerinnen der Region, die es meist nicht sehr einfach haben, sich auf dem hart umkämpften Lebensmittelmarkt durchtzusetzen. Mensch kann natürlich auch alleine wohnen und einer FoodCoop beitreten, in fast allen Bezirken gibt es mindestens eine davon. Aber Mehrpersonenhaushalte haben eine große Arbeitsersparnis, denn mensch kann sich abwechseln mit einholen und FoodCoopdienst, Heizen und allen anderen erdenklichen Aufgaben.
Aber das ist natürlich nicht alles. Haushaltsgeräte können gemeinsam benutzt werden. Es ist schon ein Unterschied, ob für fünf Personen fünf Waschmaschinen oder eine hergestellt werden müssen. Die vorhandenen Geräte könnnen besser ausgelastet werden und sparen auch dadurch oft Energie und wie Waschmaschienen zum Beispiel Wasser. Das Gleiche gilt natürlich auch für Kühlschränke und ähnliches, sowie für die Energie, die aufgewendet werden muß. Viele Personen geben natürlich auch viel Wärme ab. Aber Spaß beiseite. Viel Wohnraum wird gespart und damit Baufläche, Baustoff und (Heiz-) Energie. Auch wenn jeder und jede ein Zimmer hat, durch die gemeinsame Nutzung der weiteren Räume kommt einiges zusammen.
Wichtig ist natürlich auch das Miteinander. Meist ist es ja auch der ausschlaggebende Punkt, wenn ein paar Menschen beschließen, daß sie gern zusammen wohnen möchten. In der WG kann ich lernen, auf andere Rücksicht zu nehmen, mensch kann Arbeitsteilung und die Bewältigung von Problemen kennen- und schätzenlernen. Viele Wohngemeinschaften probieren sogar alternative Wirtschaftsformen, zum Beispiel die gemeinsame Kasse aus. Nicht zu unterschätzen ist aber auch, mit anderen Spaß zu haben, gleichberechtigt zu entscheiden. Für viele Menschen ist das Zusammenleben mit anderen, die nicht aus der eigenen Familie kommen, oft das erste Mal Selbstständigkeit. Rücksicht und Achtung zu lernen und handzuhaben auch das ist umweltfreundlich. Wenn wir mehr Rücksicht auf die Menschen und die Natur nähmen, die von der Umweltzerstörung direkt betroffen sind, dann wäre die Zerstörung sicher noch nicht so weit fortgeschritten.
Wenn wir mehr Spaß zusammen hätten, bräuchten wir vielleicht weniger fernsehen, wären ausgeglichener und gesünder. Die Wohngemeinschaft könnte sich also durchaus, vielleicht auch in viel größerem Rahmen und in anderen Formen zu einer Lebensform entwickeln, die Grundlagen für zukünftige Gesellschaftsformen legt. Kommune, gemeinsame Wohngebiete, Häuser, die ihren BewohnerInnen gemeinsam gehören zum großen Teil noch Träume von Morgen, aber in kleinen Schritten schon verwirklicht. Außerdem: Wenn alle gleichberechtigt entscheiden dürften, dann wären die bundesdeutschen Atomkraftwerke laut Statistik schon stillgelegt.
Also: Learning bei doing. Und so ganz nebenbei: Zusammen wohnen spart auch Mietkosten.
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