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Viel Bau – nix Öko

Berlin verbaut seine Zukunft – und unsere gleich mit

(wp) Der Klimagipfel mit vielen Versprechungen und Verpflichtungen auf dem Papier auf der einen und der Bau von CO2-Schleudern auf der anderen Seite – spiegelt die Entwicklung Berlin nur die allgemeine Schizophrenie unserer Gesellschaft wieder?

Ob Autostraßengroßprojekte, wie der Tiergartentunnel, Aufhebung des PVC-Verbotes im öffentlichen Bau, mangelnde Unterstützung im Solarbereich oder mangelhafte Gebäudeisolierung beim Neubau in der Friedrichstraße. Die zahlreichen Bauprojekte in Berlin sind – trotz Aussicht auf eine drohende Klimakatastrophe mit Ostseestränden in Berlin – vorsintflutliches Bauen in der neuen alten Hauptstadt mit Hochkonjunktur pur.

Auch wenn Berlin vielleicht zur Zeit Bauhauptstadt ist, so führen dabei ökologische Kriterien ein Schattendasein. Dabei lohnt sich aber vorsorgendes Planen in Bezug auf Gesundheit und Ökologie auch finanziell. Das zeigen die aufwendigen Sanierungsmaßnahmen, die bei Asbestverwendung jetzt an den jeweils betroffenen Gebäuden vorgenommen werden müssen. So werden im Falle einer Öko-/Energiesteuer auch die Sünden in bezug auf Wärmedämmung und Heiztechnik bei den jetzt im Bau befindlichen Gebäuden bald zu einem finanziellen Problem werden. Doch momentane wirtschaftliche Interessen gehen vor, Verträge und Zeitdruck lassen ökologische und Zukunftsüberlegungen eher hinten hinuter fallen.

Einer ökologischen Wende im Baubereich stehen Widerstände von verschiedenen Seiten entgegen. Besonders die mangelnde Aufgeschlossenheit der Verwaltungen macht es Baufrauen und Bauherren, die ökologisch wegweisend bauen wollen, schwer. Solaranlagen oder auch eine Ausrichtung des Gebäudes nach der Sonne zur passiven Sonnenenergienutzung passen dann angeblich nicht mehr »ins Ortsbild«, d.h. zu gut deutsch verschandelten die Landschaft. Das kann für das Bauamt Grund sein, die Baugenehmigung zu versagen. Einzig das Auto kann sich seinen Weg sogar durch den Tiergarten bahnen, ohne auch nur im geringsten das Stadtbild zu verändern – zumindest nach „öffentlicher“ Logik.

Aber auch die meisten ArchitektInnen und StadtplanerInnen werden ihrer Verantwortung für die Zukunft und für das Leben auf der Erde nicht gerecht. Vorurteile gegen die funktionalen Rahmenbedingungen in der Architektur, die sich aus ökologischen Ansprüchen ergeben und mangelndes Wissen und Bewußtsein um die ökologischen Möglichkeiten und Gefahren beim Bauen hemmen hier die Entwicklung hin zu einem ökologischen Baustil. Zumal Förderungen und Architekturwettbewerbe, in denen die meisten Entwürfe entstehen, ganz andere Vorgaben und Themen haben. Öko-Bauen ist noch eher exotisch.

Allgemein läßt die Wahl der Baustoffe zu wünschen übrig. Aluminium und Stahl sind sehr energieaufwendige also klimaschädigende Baustoffe. Die ökologischen Probleme bei der Herstellung, wie Regenwaldabholzung zum Erzabbau, gesundheitlich gefährliche bis lebensbedrohliche Bedingungen für ArbeiterInnen und AnwohnerInnen von Stahl- und Aluminiumwerken, tragen zum größten Teil die sog. Entwicklungländer, aus denen die Rohstoffe kommen. Ebenso trägt die Verwendung von Tropenholz zur Vernichtung der tropischen Wälder und damit zum Klimawandel und zum Artensterben bei, und bedroht außerdem die Menschen, deren Lebensraum dieser Wald noch ist. PVC-Bodenbeläge und Polyurethanschaum gasen giftige Stoffe aus. Besonders giftige Stoffe werden im Brandfall frei, hier auch bei Polystyrolschäumen („Styropor“). Auch FCKWhaltige Dämmstoffe dürfen immer noch verwendet werden.

Wer darauf hofft, daß in Berlin endlich bei öffentlichen Bauvorhaben eine Vorbildfunktion wahrgenommen wird, wurde neulich wieder schwer enttäuscht: Das frisch erlassene Verbot (durch SPD-Bausenator Nagel) der Verwendung von Aluminium und PVC bei öffentlichen Gebäuden wurde wieder gekippt, während die SPD wohl geschlafen hatte.


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