Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(gy) Bernau am Rande Berlins gelegen, mit der S- Bahn erreichbar, sehenswerte Innenstadt, in der Natur gelegen. Wegen dieser Pluspunkte bemüht sich die Stadt um die Anerkennung als Kurstadt. Leider gibt es da ein Problem, das dem ganzen im Wege steht ein Schichtpreßstoffwerk, in dem die Verbrennung von Sondermüll geplant ist.
Sanatorien und Kliniken erfreuen sich in den neuen Bundesländern größter Beliebtheit. Erholsames Klima, mitten in der Natur gelegen, bringen sie der Kommune Arbeitsplätze, locken Investoren und Touristen beziehungsweise Kurgäste an, um die örtliche Wirtschaft anzukurbeln. So bemüht sich auch Bernau, im Nordosten von Berlin gelegen, um die Anerkennung als Kurstadt. Leider gibt es da einen Dorn im Auge der Planer, der nicht allen bekannt ist. Es handelt sich hier um das Schichtpreßstoffwerk Bernau.
Was viele nicht wissen, ist, daß beispielsweise in der Siedlung Bernau Nibelungen so hohe Bodenbelastungen vorliegen, daß hier von der Stadt keine Baugenehmigungen erteilt werden. Auch wurden die Bürger nicht über die Folgen des Verzehrs von Obst und Gemüse informiert, was in dieser Region angebaut wurde.
So sieht die heutige Lage aus. Geschichte ist, daß sich die Firma ISOCOND 1961 in Berlin Weißensee gründete und ihre Produktion nach Bernau auslagerte. 1969 kam die Lackiererei hinzu, ab 1969 wurden auch Leiterplatten produziert und ab 1988 kam eine Abfallverbrennungsanlage hinzu. Seit 1990 fand hier die Testentsorgung von Trabant-Karossen statt. In den Sechziger Jahren wurde die Umgebung des Werkes durch Dioxin und Lösungsmittel verschmutzt. Durch die Verbrennungsanlage kamen weitere Schadstoffe dazu. Ebenfalls wurde hier Asbest offen verarbeitet (1978 60 Tonnen). Jede Menge Schadestoffe also, die ja nicht etwa von heute auf morgen verschwinden, sondern das Gelände wahrscheinlich noch auf Jahre hin belastet, eventuell sogar die umliegenden Gebiete.
Vor der Wende hatte Bernau die gleiche Luftschadstufe wie Bitterfeld, auch starben hier mehr Säuglinge als anderswo. An zwei Produktionsstandorten kam es 1988 zu Störfällen , bei einem mußte sogar die Produktion unterbrochen werden. An einem anderen Standort brauchte man zum Betreten eine Erlaubnis der zuständigen Behörden, da aus dem Werk entstandene Schlacke sehr giftig war. Die Abfälle des Werks wurden auf die Deponien Schwanebeck bei Berlin und Bernau-Ogadeberg gefahren.
Zur Zeit laufen hier Testversuche zur thermischen Zersetzung von Elektronik-Schrott. Dieser soll aus der gesamten Bundesrepublik hierher kommen und in einem Umfang von 15. 000 Tonnen pro Jahr bearbeitet werden.
Die Verantwortlichen in Stadt, Kreis und Land versuchen, so wenig wie möglich von diesen Plänen an die Öffentlichkeit dringen zu lassen, um die Anerkennung von Bernau als Kurstadt nicht zu gefährden. Eine Sanierung der vorliegenden Belastung ist allerdings auch nicht in Sicht.
Zunächst einmal solle man den Beginn der Verbrennung abwarten, um zu sehen, ob die Filter gut arbeiten oder nicht. Erst wenn es Fakten schwarz auf weiß gäbe, soll öffentlich darüber diskutiert werden, wenn es nach den Verantwortlichen ginge.
Dem zum Trotz versuchen betroffene Bürger das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen und breiten Protest zu organisieren.
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