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Dritter Jugendumweltkongreß in Freiburg:

Mit Schlafsack und Kaffeetasse zum „JUKß“

(es) Freiburg, Hauptbahnhof. Es ist sieben Uhr morgens am 27. Dezember 1995. Ein D-Zug aus Berlin rollt ein. Unter den Aussteigenden sind mehrere Leute mit großem Rucksack, die so aussehen, als ob sie zum Zelten hier sind. Aber mitten im Winter?! Die Ankommenden sind Teilnehmer des diesjährigen Jugendumweltkongreß (JUKß), der in den nächsten sieben Tagen hier in Freiburg stattfinden soll. Eigentlich stand in dem vorher zugeschickten Unterlagen etwas von „Empfangskommitee am Bahnhof“. Ein solcher Stand ist aber weit und breit nicht zu sehen. Es ist wohl noch zu früh... Also müssen die etwas müde dreinschauenden Jugendlichen sich selbst zu den für den Kongreß genutzten Schulen durchfragen. Dort angekommen ist aber auch keiner so richig da bzw. wach. Sollte das in der gleichen Art und Weise den ganzen Jugendumweltkongreß so weitergehen?

Natürlich nicht! Das konnte man allein schon an der Anzahl der Teilnehmer erkennen. Zwar waren es drei Wochen vor Beginn des Kongresses nur etwas mehr als 200 Leute die sich angemeldet hatten, doch stieg danach die Zahl sprunghaft an. Selbst auf dem Kongreß kamen in den ersten Tagen dauernd unangemeldete Leute an, die sich wohl spontan entschlossen hatten. „Mit insgesamt über 1200 Teilnehmern ist dies der größte Kongreß nach Göttingen und Neu Brandenburg“ meint ein erschöpfter Thomas Pettinger, der auf dem Kongreß die Pressearbeit koordiniert.

Und wirklich: Die drei Schulen, in denen der JUKß stattfindet, platzen wirklich aus allen Nähten. Räume, die ursprünglich ausschließlich für Arbeitskreise gedacht waren, müssen als Schlafräume kurzfristig freigegeben werden. In den zwei großen Turnhallen ist jeder Millimeter für Schlafplätze genutzt und die Halle nahe der Essensausgabe ist ein einziges Meer von Menschen, wenn es etwas zu futtern gibt. Die Suche nach einem Plätzchen für sich alleine war in diesen Tagen ein absurder Gedanke...

Der Kongreß selber füllte sich aber noch mit vielen anderen Dingen: So wurde in den sechs jeweils halbtägigen Arbeitskreisphasen das Thema „Nachhaltigkeit“ in allen seinen Facetten auseinandergenommen. Dazwischen gab es außer Essen die Möglichkeit, am Kongreßchor und -orchester teilzunehmen, sich mit seiner Bezugsgruppe zu treffen oder auch nur gemütlich im Öko-Cafè zu sitzen und sich mit neuen Bekanntschaften auszutauschen. Das Abendprogramm gestaltete sich zusätzlich ausgesprochen bunt, so daß man erst spät in der Frühe seinen Schlafplatz aufsuchte. Neben der alltäglichen Disco gab es Liveauftritte von internationalen Musikgruppen und Kabarettisten, verschiedene Spiel- und Dokumentarfilme und Treffen zu verschiedenen inhaltlichen Themen, wie Müll und Umweltzeitungen.

Für die verschiedene Geschmäcker in Sachen Schlafgewohnheiten gab es ebenso Spät- wie auch FrühschläferInnen-Hallen und auch Frischluftschlafräume, die sich bei einer Anzahl von über 20 Schläfern in einem Klassenraum als sehr vernünftig herausstellten. Somit gab es auch hier selten Konflikte.

Natürlich gab es auch Höhepunkt auf dem JUKß: Zu diesen zählten auf alle Fälle die obligatorische Demonstration in der Innenstadt und die Silvesterfete, die ein Großteil der Teilnehmer in einem Jugendhaus mit großer Halle feierten. Bei der Demonstration wurden verschiedene Umweltprobleme für Freiburg angesprochen. So besetzte man beispielsweise stundenlang eine der Hauptverkehrsstraßen in Freiburg, um gegen den geplanten Ausbau dieser Straße zu demonstrieren. Auch verbildlichtete man durch ein Spiel, wieviel Platz sechzig Menschen einnehmen, wenn sie alle ein eigenes Auto benutzen und wieviel Platz ein Bus verbraucht, in dem sie ebenfalls transportiert werden können.

Zur Silvesterfete konnte jeder Teilnehmer selber etwas beitragen, indem er auf einer freien Bühne seine Kunststücke zum besten gab. Neben den Darbietungen von Kongreßchor und -orchester wurde jongliert, gesungen und sogar gebauchtanzt. Um Mitternacht wurde dann Walzer getanzt und es herrschte eine bombige Stimmung. Danach spielten dann noch verschiedene Improvisationsbands, so daß die Stimmung auch für die ersten Neujahrsstunden nicht abflaute, bevor man gegen vier Uhr mit einem Extrabus wieder ins Kongreßzentrum fuhr.

Zu erleben gab es auf einen solchen JUKß genug und es wurden sicher viele Ereignisse in diesem Bericht vergessen. Sicher ist auf alle Fälle, daß unsere Freunde, die am 27. Dezember morgens um sieben alleine auf dem Bahnhof standen, nicht viel wacher waren, als sie am 1. Januar abends um zehn wieder in den Nachtzug einstiegen. Dafür waren sie aber um viele wunderschöne Erlebnisse reicher geworden...


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