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Umweltschutz praktisch:

Kompost auf’m Balkon

(gr) Wie ärgerlich ist es doch immer wieder, im vollen Mülleimer Küchenabfälle buntgemischt mit Plastikmüll zu sehen. Wie leicht könnte dieser Müllberg schrumpfen, hätte man einen Komposthaufen für die organischen Küchenabfälle. Diese machen immerhin 40 Prozent des Hausmülls aus. Ein Komposthaufen in der Wohnung? Das ist möglich. Und zwar mit einer Wurmkiste und einer Handvoll speziellen „Regenwürmern“.

Fünf Kisten hat „Wurmvater“ Starck in seiner engen Schöneberger Wohnung übereinander gestapelt. Er züchtet darin Kompostwürmer, enge Verwandte unserer einheimischen Regenwürmer. Zu seinen Kunden gehören umweltbewußte Haushalte, Biolehrer und Hobbygärtner. Sie alle halten sich eine Wurmkiste auf dem Balkon, im Keller, im Klassenzimmer oder auch in der Wohnung. Was hat man von so einer Wurmkiste? Sie hat zwei große Vorteile. Erstens verringert sie das Müllaufkommen auf natürliche Weise und zweitens produziert sie hochwertige Blumenerde. So kann man mit wenig Aufwand kompostieren, auch, wenn man keinen Garten hat. Wenig Aufwand, weil die Wurmkiste keine Pflege braucht, sondern ein kleiner natürlicher Kreislauf für sich ist. Das Material für die Kiste ist leicht zu beschaffen und Küchenabfälle fallen sowieso an. Die Würmer fressen alles an organischen Abfällen, sogar gespritzte Orangenschalen, Sägespäne und Zeitungen. Der Abbau der Abfälle erfolgt schrittweise. In einem Zwei-Personen-Haushalt dauert es ca. ein Jahr, bis man die erste Blumenerde „ernten“ kann. Bei mehr Personen und mehr Abfällen geht es entsprechend schneller bzw. mehr Kompost entsteht.

Wie macht man’s?

Du brauchst dazu eine 32-Liter-Kiste aus Holz oder Kunststoff (Abmaße z.B. 40x40x20cm) mit oder ohne Deckel. Du kannst sie in Spielzeugläden kaufen oder selbst eine bauen. In den Boden der Kiste bohrst Du vier bleistiftdicke Löcher – für die Belüftung. Die Kiste stellst Du auf eine dicke Lage Zeitungen – auch für die Belüftung. Danach füllst Du 2/3 der Kiste mit zerknülltem Zeitungspapier, das Du vorher mehrere Tage eingeweicht hast. Dahinein setzt Du nun 500 Kompostwürmer und kannst sofort beginnen, die Küchenabfälle zu verfüttern. Über die Abfallschicht legst Du noch eine Lage Wellpappe und eine Plastikfolie (große Plastiktüte), um die Kiste vorm Austrocknen zu schützen. Wer will, kann noch einen Deckel drauf machen. Nun brauchst Du nichts mehr zu tun, als die Würmer ab und zu zu „füttern“, und darauf zu achten, daß die Kiste an einem Ort mit 5-25°C steht.

Sonst noch Fragen?

Stinkt das denn nicht? Nein, tut es nicht, ich konnte mich selbst davon überzeugen. Das liegt daran, daß alles schön locker liegt und bei so niedriger Füllhöhe der Sauerstoff noch überall hinkommt und die Abfälle nicht faulen können. Zu stinken begänne es erst bei einer Komposthöhe von zwei Metern.

Kriechen die Würmer nicht aus den Löchern im Boden heraus? Nein, denn Würmer sind nicht „dumm“. Sie bleiben da, wo es Futter gibt und schön feucht ist. Bei normaler Luftfeuchtigkeit vertrocknen sie.

Weitere Infos und Kompostwürmer (500 Stk. für 50 DM) gibt es bei Hans-Gerhard Starck, Rosenheimerstr. 27, 10781 Berlin, Tel. 213 71 42.


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