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Lopino:

Lupinen statt Fleisch auf den Tisch

(gr/be) Früher waren Lupinen ein minderwertiges Nahrungsmittel für arme Leute. Dann lange Zeit Gründünger und Viehfutter. Heute wird daraus seit Neuestem ein hochwertiger Fleischersatz gewonnen, der an Tofu (Sojabohnenquark) erinnert – auch ähnlich hergestellt wird, aber doppelt soviel Eiweiß enthält.

Lopino heißt das neue Produkt, das seit letztem Jahr dem beliebten Tofu in den Bioläden Konkurrenz macht. Gewonnen wird es aus der bei uns heimischen Süßlupine. Genauso wie die Sojabohne gehört die Lupine, die es auch in anderen, bitteren Formen gibt, zu den Leguminosen. Das sind Pflanzen, die mit Hilfe von Bakterien Luftstickstoff binden können. Aufgrund dieser guten Stickstoffbindungsfähigkeit können solche Pflanzen viele Eiweiße bilden.

Und schon aufgrund der Tatsache, daß die Lupine heimisch ist, hat das neue Nahrungsmittel ein großes Plus. Während die Sojabohnen für den Tofu aus Übersee herangeschafft werden, wächst die Lupine direkt bei uns. Das ist ökologisch sinnvoll, nicht nur, weil lange Transportwege vermieden werden. Auch müssen so keine Regenwälder in Mitleidenschaft gezogen werden, um Soja-Plantagen Platz zu machen. Die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern kann den natürlichen Gegebenheiten angepaßt werden. So schafft man es ja vielleicht auch, die jeweiligen einheimischen Landwirtschaften durch sein Verhalten zu stärken.

Die Lupinen, aus denen Lopino gemacht werden, wachsen laut Herstellerangabe kontrolliert biologisch, Chemie hat also nichts zu suchen. Probleme bereitet allerdings die lange Vegetationsperiode der Lupine, aber eifrige Tüftler sind schon am Werk, um neue Sorten zu finden. Hoffentlich bleibt auch dieser Weg „sauber“ – und die hochgelobte Gentechnik bleibt aus dem Spiel. Auch andere Fragen des Anbaus sind noch ungeklärt – müssen Lupinen in so großem Umfang angebaut werden, daß auch das nicht mehr ökologisch zu vertreten ist, hat Lopino auf dem koventionellen Markt überhaupt eine Chance, finden sich genügend Anbauer und VerarbeiterInnen?

Ein weiteres Plus von „Lopino“ sind seine hochwertigen Inhaltsstoffe. Deswegen wurde es auf der Messe BioFach ’95 zum „Produkt des Jahres“ gewählt. Neben zahlreichen gut verwertbaren Eiweißen enthält es zahlreiche, für den Menschen essentielle (als solche, die mit der Nahrung aufgenommen werden müssen) Aminosäure und Mineralstoffe. Lopino ist ein rein pflanzliches Lebensmittel und kann so wie Tofu als Fleischersatz verwendet werden. Es enthält sogar doppelt so viel Eiweiß wie Tofu. Außerdem ist es reich an ungesättigten Fettsäuren, Mineralstoffen, dem wichtigen blutbildenden Vitamin B12. Damit ist die Süßlupine eine der wenigen Pflanzen, die dieses Vitamin bilden, welches sonst nur bei Tieren vorkommt.

Mit der Vollwertigkeit ist es allerdings bei Lopino nicht so weit her – um an das Produkt zu gelangen müssen zahlreiche Verarbeitungsschritte, wenn auch weniger als beim Tofu , beschritten werden. Das zerstört natürlich einige der Inhaltsstoffe. Dazu wird aus den Früchten der Lupine zuerst ein Brei bereitet, die sogenannte Milch, unter Umständen gefiltert, und dann das Ganze etwas stehengelassen, was zu einer festen Konsistenz führt.

Über den Geschmack von Lopino gibt es geteilte Meinungen. Am besten man macht sich selbst ein Bild davon. Lopino wird als Roh-Block, als „Milch“, Räucherware und mariniert in Bioläden angeboten.


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