Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(es) Neue Fremdworte beleben die Umweltbewegung. Da ist von Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit oder Sustainibility die Rede. Worte ohne viel Ihnhalt oder Vorreiter einer tiefgreifenden ökologischen Revolution? Jedenfalls sind die diese Begriffe so in Mode geraten, daß sie von jedem Politiker oder Manager in die Diskussion eingeworfen werden und der BUND zusammen mit MISEREOR eine Studie mit dem Titel Zukunftsfähiges Deutschland in Auftrag gibt. Leider wird dabei viel zu oft Unterschiedliches mit dem gleichen Wort gemeint...
Um mit den Begrifflichkeiten anzufangen: Der Begriff Nachhaltigkeit kommt ursprünglich aus der Wald- und Forstwirtschaft. Eine nachhaltige Pflege bedeutet hier, daß nur so viel Holz eingeschlagen wird, wie nachwächst. In Anlehnung daran wurde der Begriff Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development) erstmalig 1987 in einem von der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland veröffentlichten UNO-Bericht verwendet. In diesem Bericht versteht man darunter eine dauerhafte Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.
Um dieses Ziel zu erreichen, soll unter anderen die Effizienz an Material und Energie enorm gesteigert werden. Auf nicht unbedingt Notwendiges soll verzichtet werden (Suffizienz). Um allen Menschen gleiche Voraussetzungen zu geben, wird dabei zumeist von einem Umweltraum geredet, der einer Person oder Gruppe zugewiesen wird. Unter Umweltraum versteht man dabei die Menge an Ressourcen, die die Gruppe oder Person verbrauchen kann, um eine nachhaltige oder zukunftfähige Entwicklung nicht zu beeinträchtigen.
Der Kern der Strategie, die sich hinter dem Wort Nachhaltigkeit hier verbirgt, ist nichts Revolutionäres. Die einzelnen Ziele wurden eigentlich schon alle einmal irgendwo gesagt. Neu ist hier vielmehr die Betrachtungsweise: Wurden bisher eher einzelne Teilprobleme angegangen und hinterfragt, so versucht man nun die Umweltprobleme an der Wurzel zu packen und Grundlegendes zu verändern. Dabei sollen soziale Aspekte ebenso miteinbezogen werden wie kulturelle. Es wird sozusagen ein ganzheitlicher Ansatz angestrebt.
Die von BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) und MISEREOR in Auftrag gegebene Studie Zukunftsfähiges Deutschland Ein Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung hat sich zur Aufgabe gemacht, eine Marschroute für die beschriebenen Ziele in bezug auf Deutschland zu erarbeiten. Neben grauen Zahlen, die die notwendigen Ressourcen-Einsparungen in Prozenten errechnen, entwickelt die Studie acht Leitbilder für ein ökologisches Verhalten, welches die angestrebten Ziele realisierbar erscheinen läßt.
Sicher ist diese Studie nicht die neue Öko-Bibel. Auch hier müssen die einzelnen Kriterien und Szenarien für ein zukunftsfähiges Leben noch diskutiert werden, und man muß sich klar darüber werden, mit welchen Strategien man den Wandel erreichen kann. Daß etwas geändert werden muß, darüber sind sich alle einig. Wenn man also von Zukunftsfähigkeit spricht, ist das sicher nichts Neues, dafür aber ein Ansatz, ökologische und gesellschaftliche Probleme in den Griff zu bekommen.
Mehr zu dem Thema im Artikel Zukunftsfähiges Deutschland: Wege für ein Morgen suchen und finden.
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