Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(jf/sr) Golden glänzt der Schnee in der Wintersonne. Selbst die Wipfel der Bäume sind in das weiche Weiß gehüllt. Und eine unglaubliche Stille erstreckt sich über den Hängen. So oder ähnlich sah es in den Gebirgen früher aus, aber seit die Menschen das Bedürfnis bekommen haben, aus ihrer grauen Stadt auszubrechen, die im Winter nun mal nur bräunliches Material bietet, hat sich einiges geändert. Wenn der Stadtmensch verreist, möchte er etwas erleben. Aktivurlaub und Action sind angesagt. Was die Berge dazu sagen, fragt niemand.
Eine einsame Hütte in den Bergen reicht ihm nicht, er möchte auch im Urlaub Action haben. Diesen Wunsch erfüllen ihm profitorientierte Geschäftemacher mit einem breiten Angebot an Wintersportarten. Allen voran das Skifahren. Doch wenn der Sportler die Pisten herunterrast, bedenkt er meist gar nicht, welche Umweltschäden dieser Sport mit sich führt. Beim Bau der Pisten werden Flüsse umgeleitet, Felsen gesprengt und Bäume mitsamt ihren Wurzeln, die ja eine Gefahr für die Sportler darstellen könnten, herausgerissen. Die Pistenraupen und die Skifahrer reißen außerdem die empfindliche Humusdecke auf.
Auch eine dicke Schneedecke kann grün überwinternde Pflanzen nicht schützen, wie man vielleicht annehmen könnte. Durch das Gewicht von Pistenraupen und die Beanspruchung vom Skifahren wird die Schneedecke nämlich so stark verdichtet, daß diese Pflanzen nicht mehr atmen können. Fäulnis und Absterben der Pflanzen sind die Folgen. Mit dem Absterben der Pflanzen kommt noch eine Erhöhung der Gefahr für Bodenerosion hinzu, die schon durch das Herausreißen der Bäume mitsamt Wurzeln gegeben ist.
Wiederbegrünungsversuche bleiben größtenteils erfolglos, da die Gräser, die in diesen Höhen wachsen, nicht so einfach nachzuzüchten sind, da sie sich über einen langen Zeitraum an die kurzen Wachstumsperioden anpassen mußten. Außerdem wachsen die meisten Pflanzen sehr langsam, mit anderen Worten, bis eine einmal zerstörte Fläche wieder bewachsen ist, dauert es viele Jahre.
Dazu kommt, daß die eh schon kurze Wachstumsperiode durch den Einsatz von Schneekanonen noch stärker verkürzt wird. So ist es den Betreibern der Skipisten nämlich möglich, nicht nur im Winter, sondern auch im Herbst und Frühling die Möglichkeit zum Skifahren zu bieten.
Doch Verkürzung der Vegetationsperioden ist nicht der einzige Schaden, den der künstliche Schnee anrichtet. Um den Schnee zu verfestigen, wird oft Schneezement verwendet. Dieser Schneezement besteht aus Stickstoffdüngemittel, das Gewässer und Grundwasser belastet.
Doch obwohl die Betreiber der Skipisten dies alles wissen (oder doch zumindest wissen sollten), werden die Skipisten weiter ausgebaut, die Saison weiter verlängert und die technischen Möglichkeiten verbessert. Sportartikelbranchen erweitern ihre Angebote und machen noch mehr Werbung für den Sport im Weißen, und so steigt auch die Zahl der Skifahrer.
Die Orte, die in Skigebieten liegen, steigen auf Tourismus um, das heißt neue Parkplätze, Zufahrtsstraßen, Hotels, sanitäre Einrichtungen. Mit anderen Worten: das Landbild wird sich immer mehr dem der Stadt anpassen, aus dem der Städter ja gerade fliehen wollte.
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