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Zukunftsfähiges Deutschland

Wege für ein Morgen suchen und finden

(sk) Viele Menschen spüren es: Unser Lebensstil und unsere Wirtschaftsweise sind nicht zukunftsfähig. Wir verbrauchen und verschmutzen unsere Lebensgrundlagen, als hätten wir noch ein paar Erdkugeln in der Schublade. Und übertragbar auf den armen Teil der Welt ist unser Wohlstandsmodell schon gar nicht. Was muß sich ändern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft? Welche konkreten Schritte kann jede und jeder Einzelne gehen?

Um diesen Fragen nachzugehen, haben der BUND und die katholische Entwicklungshilfeorganisation Misereor eine Studie in Auftrag gegeben. Das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie hat jetzt auf 453 Seiten das Ergebnis vorgelegt: „Zukunftsfähiges Deutschland – ein Beitrag zur global-nachhaltigen Entwicklung“ heißt das Werk.

Bei ihrer Suche nach einem Lebensstil, der das Überleben auf der Erde ermöglicht, haben die Wissenschaftler ein paar Grundlagen vorausgesetzt. Zum ersten: Der Verbrauch des „Umweltraums“ soll international gerecht erfolgen: Die Menschen in Nord und Süd haben die gleichen Rechte, Material und Energie zu verbrauchen. Zweitens: Von einer erneuerbaren Ressource darf nicht mehr genutzt werden, als sich in gleicher Zeit regeneriert. Nummer Drei: Es dürfen nur so viele Stoffe in die Umwelt entlassen werden, wie dort aufgenommen werden können. Und viertens: Die Umsätze von Energie und Stoffen müssen auf ein risikoarmes Niveau abgesenkt werden.

Nach diesen Regeln hat das Wuppertal-Institut ermittelt, welche Ziele ein zukunftsfähiges Deutschland erfüllen muß. Bis zum Jahr 2005 sollten 80-90 Prozent weniger Energie verbraucht werden, weniger Material genutzt werden, weniger Fläche versiegelt und belastet werden, sowie weniger Schadstoffe in Boden, Luft und Wasser geschickt werden. Die bessere Ausnutzung der vorhandenen Technik (Effizienzrevolution) allein kann solche Einsparungen wohl nicht bewirken. Dazu gehört auch ein anderer Lebensstil: Wie der aussieht, kann und will die Studie nicht vorschreiben. Sie gibt allerdings in acht Leitbildern Hinweise darauf, wohin der Weg zum zukunftsfähigen Leben führen könnte.

Zum Beispiel zu einem neuen Maß für Zeit und Raum, das nicht ein möglichst weites Fortkommen in möglichst kurzer Zeit zum Ziel hat. Damit die eigene Zeiteinteilung nicht vom Stau auf der Straße abhängt, damit es auch noch intakte Natur und lebenswerte Städte gibt, schlägt die Studie Entschleunigung des Lebensrhythmus vor. Ein Mix aus Verkehrsvermeidung, dem Verzicht auf immer neue Trassen für den Verkehr, einer Flächenbahn mit dichtem Schienennetz und die Nutzung moderner Kommunikationstechnik soll dafür sorgen, daß man mit weniger zurückgelegten Kilometern mehr erreichen kann.

Zur Wiederbelebung von Land und Landwirtschaft, die das Land wieder zum attraktiven Lebensraum macht, schlägt die Studie vor: Durch die Landbau- und Waldbauwende wird die Natur außerhalb der Städte wieder attraktiver: Aus Holzackern wird wieder naturnaher Wald, aus Agrarfabriken werden wieder Bauernhöfe, die im ökologischen Kreislauf produzieren. Die Böden und Pflanzen werden nicht mehr chemisch gedüngt und mit Pestiziden besprüht. Solche wiederbelebten Landstriche werden auch wieder attraktiv für Gastronomie und Tourismus. Wenn sich dann doch wieder Handwerk, Läden, Kindergärten und Schulen in der Fläche bilden, wird der Raum außerhalb der Städte wieder ein Raum, in dem Leben und Arbeiten möglich ist.

Die anderen Leitbilder zeigen Perspektiven zur vernünftigen Wirtschaftsweise, zur Infrastruktur, zur Stadt als Lebensraum, zum Konsum und zur internationalen Gerechtigkeit.

In verschiedenen Szenarien untersuchte das Wuppertal-Institut dann, ob die Reduktionssziele erreichbar sind. Dabei lieferte Zukunftsfähiges Deutschland keine fertigen Rezepte, die als Bedienungsanleitung für den ökologischen Umbau angenommen werden könne. Aber die Richtung, die jetzt eingeschlagen werden sollte, um nicht weiter in die Klimakatastrophe zu rasen, wird gewiesen. Der ökologische Umbau in den Bereichen Energie, Industrie, Verkehr, Land- sowie Forstwirtschaft. Auch der Umbau der Marktwirtschaft, z.B. durch ökologische Steuerreform gehört dazu.

Die Kurzfassung kann gegen fünf Mark in Briefmarken beim BUNDladen, Siebenmorgenweg 10, 53229 Bonn bestellt werden. Das dicke Taschenbuch gibt es im Buchladen. Es heißt „Zukunftsfähiges Deutschland“, ist bei Birkhäuser erschienen.


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