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Zeitbomben auf die Äcker?

Genkartoffeln und andere Mutanten

(mw) Bei den geplanten Brandenburger Genkartoffelversuchen geht es nicht um „große Kartoffeln“, sondern vor allem um ein großes Geschäft. Die Chemiekonzerne sitzen schon in den Startlöchern, um die Landwirtschaft weiter zu industrialisieren. Das geht leider auf Kosten von VerbraucherInnen, Bauern und der Umwelt.

Die neuen Kartoffelsorten sollen resistent gegen Antibiotika sein, damit Schädlingsbekämpfungsmittel besser eingesetzt werden können. Des weiteren wurden mit Hilfe der Gentechnik Kartoffeln mit veränderter Stärkezusammensetzung entwickelt. Diese neuen Stärkezusammensetzungen will das Max-Planck-Institut auf die bessere industrielle Verwertbarkeit hin untersuchen. So sollen unter anderem Faserstoffe für die Textilindustrie aus der Stärke gewonnen werden. Auch die Einsatzmöglichkeiten in der Lebensmittelindustrie sollen erbessert werden.

Die Folgen der Freisetzung genetisch veränderter Pflanzen, also nicht nur von Kartoffeln, sind über kurz oder lang verheerend. Die Landschaft wird durch das Verdrängen alter Kultursorten weiter verödet und vereinheitlicht. Bauern werden durch Patentabgaben für die neuen Sorten weiter in die Abhängigkeit großer Konzerne geraten. Gerade für das Land Brandenburg, wo viele Landwirte durch Bioanbau einen Ausweg suchen, ist das eine bedrohliche Perspektive.

Die möglichen direkten Folgen der Kartoffelversuche stellen ebenfalls eine Gefahr dar. So kann die unbeabsichtigte Weitergabe der manipulierten Gene an andere Pflanzen und Organismen in der Umgebung nicht ausgeschlossen werden. Dies kann weitreichende Folgen für das Ökosystem haben. Ende letzten Jahres hatte ein Freilandversuch mit Viren tödliche Folgen: Unvorhergesehenerweise verbreitete er sich über die australische Versuchsinsel hinaus und löste ein großes Kaninchensterben aus. Trotz aufwendiger Forschung ist die Natur also noch für Überraschungen gut. Dies mußte auch das Kölner Max-Planck-Institut zugeben, als manipulierte Petunien im Freilandversuch doch normalweiß anstatt wie vorgesehen lachsrot wurden.

Die VerbraucherInnen haben von den neuen Eigenschaften durch die Gentechnik nichts. Im Gegenteil: Gentechnisch veränderte Lebensmittel können möglicherweise Nebenwirkungen haben, wenn sich unbemerkt noch andere Eigenschaften der Pflanze verändern. Und auch, wenn alles abgeht wie vorgesehen – Anti-Matsch-Gene aus Erdbeeren zum Beispiel bewirken, daß AllergikerInnen durch genmanipulierten von starken Beschwerden geplagt werden. Generell kann aus Veränderungen von Erbgut eine Zunahme von Allergien folgen. Wenn es nach dem Willen der Europäischen Union geht, dann sollen die VerbraucherInnen nicht einmal die Möglichkeit haben, sich bewußt für gentechnikfreie Lebensmittel zu entscheiden: Das Europaparlament gab im März seinen Widerstand gegen den ungekennzeichneten Verkauf dieser Lebensmittel weitgehend auf.

Um den Brandenburgischen Freilandversuch zu verhindern, organisieren betroffene AnwohnerInnen, die Grüne Liga, der BUND und der Bioanbauverband Gäa gemeinsam den Protest dagegen. Knapp 1200 Einwendungen wurden bis zum Einwendungsschluß an die Behörden übergeben. Einwendungen gegen eine weitere Versuchsreihe können allerdings weiterhin bis zum 26. April gesammelt werden.

Um den Protest weiter zu organisieren, wollen die Umweltgruppen Bauern und VerbraucherInnen aus Berlin-Brandenburg über die Versuche und die möglichen Folgen aufklären. „Die Rechnung, daß es in den neuen Bundesländern weniger Widerstand gibt, darf nicht aufgehen“, so Erika Kügler von der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft von Bündnis 90/Die Grünen. In Westdeutschland stoßen Freisetzungsversuche auf breiten Widerstand: Einige wurden mit Platzbesetzungen verhindert, andere wurden durch Sabotageaktionen zerstört oder konnten nur unter großem Polizeischutz durchgesetzt werden.

Wer sich über die Genversuche informieren und Einwendungen sammeln will, wendet sich an die:

Grüne Liga Brandenburg, Hegelallee 6-10, 14467 Potsdam, 0331/289 34 40


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