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Aus- und Fortbildung für Frauen

So stark werden wie die Sonne

(ms/be) Larissa aus Kasachstan steht bis zu den Knien in deutschem Schrott. Sie sucht nach Kupfer- und Messingteilen, um im Werkunterricht bei GÜNES Kerzenständer zu löten. Bei der Schlepperei helfen ihr unter anderem Beatrice aus Ghana, Zeynep aus der Türkei, Anna aus Italien, Shirin aus Syrien und Sarah aus Berlin. Heute ist Donnerstag, und neben der Produktion von Kerzenständern steht die Herstellung von Tischen an.

Hartmut, der Werkstattleiter, hat schon einen Auftrag für Larissa: Sie soll die für die Cafeteria schon fertiggestellten Tische lackieren. Jeden Arbeitsabschnitt, also das Aussägen der Löcher für die Beine, das Zusammenschweißen der Eisenbeine, das Flexen der zu dicht geratenen Schweißnähte, Anbohren der Beine an die Holzplatte und Einrichten bewerkstelligen die Frauen in Gruppenarbeit. In der Mittagspause werden Larissa und die andern von der türkischen Köchin mit kulinarischen Leckereien verwöhnt. Im letzten Block gibt dann Ariane Deutschunterricht für Fortgeschrittene, an anderen Tagen stehen Mathe, Physik oder der Computerkurs im Chip auf dem Stundenplan. Larissa freut sich besonders auf Lydias Selbstverteidigungskurs am Freitag. Dort kann sie sich so richtig austoben.

Larissa ist Teilnehmerin am Grundausbildungslehrgang im handwerklich-technischen Bereich mit Schwerpunkt Solartechnik bei GÜNES. „Ich träume von einem Beruf, der mit Ökobau oder Solartechnik zu tun hat. Im nächsten Monat beginne ich mein Praktikum im Ökobau bei Atlantis (Gesellschaft für Umwelttechnik und Berufsperspektiven). Bei Atlantis überlege ich mir dann, in welchem Bereich ich eine Ausbildung beginne“, sagt Larissa. Doch es ist schwierig, Ausbildungsplätze für die TeilnehmerInnen zu finden, wie Larissa sich das wünscht. Denn bisher gibt es keinen Ausbildungsberuf „Umwelttechnik“. Und nur mit höherem Schulabschluß, den die meisten Frauen hier nicht haben, gibt es die Möglichkeit, an Fachhochschule oder Universität das Fach Umwelttechnik zu studieren. Also müssen die Frauen nach dem Lehrgang zunächst eine Ausbildung zur Gas-/Wasserinstallateurin, zur Tischlerin oder im Elektro-/Metallbereich machen und sich später im umwelttechnischen Bereich fortbilden. Doch auf diesem Wege haben es die Frauen immer noch schwer: GÜNES wollte selbst Frauen als Lehrkräfte einstellen und fand für den Umwelttechnikunterricht und für den Werkstattbereich vor allem Männer.

Sevim, die Geschäftsführerin von GÜNES, berichtet, wie problematisch es war, das Projekt überhaupt auf die Beine zu stellen. In ihrem Erstprojekt AKARSU (türkisch: fließendes Wasser), dem 1983 gegründeten Gesundheits- und Bildungszentrum für immigrierte Frauen, hatte Sevim immer wieder mit Frauen zu tun, die unter umweltbedingten Erkrankungen litten. Als sie Anfang 1993 zusammen mit sieben Frauen den Verein GÜNES e.V. (türkisch: die Sonne) gründete, um ImmigrantInnen umwelttechnisches Verständnis und den Zugang zu umwelttechnischen Berufen zu vermitteln, hatte sie mit Vorurteilen zu kämpfen. Ausländerinnen wurde grundsätzliches fehlendes Interesse an handwerklich-technischen Berufen unterstellt, es wurde kein Bedarf an einem solchen Lehrgang erkannt. Doch diese Zweifel hat die Praxis besiegt. Im August wird das Projekt zwei Jahre alt, mittlererweile gibt es zwei Parallelkurse, vor kurzem konnte sogar die Werkstatt vergrößert und ein Schweißgerät sowie eine Kreissäge angeschafft werden. Am 1. September beginnt der dritte Lehrgang. Teilnehmen kann jede Frau, die einen Hauptschulabschluß hat und gut Deutsch spricht, die sich beruflich verbessern möchte oder sich in solartechnischen Themen fortbilden will.

Interessierte können sich direkt informieren bei GÜNES e.V.

Telefon 611 50 02, Montag bis Freitag 9-15 Uhr.


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