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Weg von der Massenproduktion

Mit Rücksicht auf Mensch und Umwelt

(vw) In ganz Indien sind die Auswirkungen der Gerbereien auf Menschen und Umwelt bekannt. Aber um Regierung und Industrie, die teilweise eng verflochten sind und oft von Korruption geprägt werden, zu wirklichen Reaktionen zu bringen, wird es noch viel mehr politischen Druckes bedürfen.

Eine einfache Lösung bietet sich ohnehin nicht: Die Alternative, zu pflanzlichen Gerbmethoden zurückzukehren, dauert viel länger als die Chromgerbung (bis zu zwei Jahre statt wenige Tage und Wochen). Außerdem bleibt das Problem des hohen Wasserverbrauchs; die Herstellungsmengen bringen Probleme ähnlich denen bei großen Güllemengen für den Boden.

Eine weitere Möglichkeit bietet der Bau von Kläranlagen. In Italien, dem weltweit größten lederproduzierenden und -verarbeitenden Land, lohnt die Lederproduktion trotz teurer Kläranlagen. Etwa 85 Prozent der Abwässer werden dort gereinigt. Für Entwicklungsländer sind diese Anlagen meist zu teuer: Know-How und Technologie müssen im westlichen Ausland gegen Devisen gekauft werden. Außerdem ist der Weltmarktpreis für italienisches Leder mehr als doppelt so hoch wie für Leder beispielsweise aus Indien; hier wäre das Problem ungleicher Einnahmen zu lösen. Absurderweise wird der Nutzen der wenigen Kläranlagen großer Gerbereien bislang zunichte gemacht, indem die belasteten Klärschlämme in die Flüsse oder auf freies Feld „entsorgt“ werden. Das Problem des hohen Wasserverbrauchs bleibt hier, da ein geschlossener Kreislauf nicht zu erwarten ist.

Insgesamt ist die Massenproduktion an sich problematisch, auch bei pflanzlicher Gerbung oder mit Kläranlage. Für die indische Wirtschaft könnte die stärkere Verlagerung auf die Weiterverarbeitung von Leder – ein arbeitsintensiver Bereich – lohnend sein.

Das Verhalten der VerbraucherInnen in den reichen Ländern des Nordens – viele Menschen im Süden können sich Lederwaren ohnehin nicht leisten – macht viel aus: kaufe ich kurzlebige Modeartikel, oder berücksichtige ich die besondere Qualität von Leder als langlebiges Produkt (bei guter Verarbeitung) und kaufe und behandle Lederwaren entsprechend (gerade auch Schuhe: „die“ deutsche Frau kauft jährlich 7 Paar Schuhe, „der“ deutsche Mann 3 Paar; dann gibt’s noch die Lederpolster im Auto, Sofas und Sessel, Klamotten und Taschen...). Der Verzicht auf Lederwaren ist daher nicht die ideale Lösung, zumal die Produktionsbedingungen von Textilstoffen nicht unbedingt besser sind.

Weiteres Infomaterial: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW), Hedemannstr. 14, 10969 Berlin.


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