Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(bi) Ende Januar stürmte die Armee den Präsidentenpalast in der nigerianischen Hauptstadt Niamey, verhaftete die Regierung und rief den Ausnahmezustand aus. Die Intoleranz und der Klientelismus der unfähigen politischen Klasse geißelten das arbeitende Volk so der Generalstabschef Mainassara das gewaltsame Ausschalten der gewählten Regierung. Auch der Staatsrundfunk wurde besetzt und alle politischen Parteien verboten.
Das nigerianische Volk befreite sich erst 1991 aus eigener Kraft von einer jahrzehntelangen Militärdiktatur und setzte nach einem langwierigen Prozeß freie Wahlen durch. Der Wahlausgang erzeugte politische Spannungen. Bei den Präsidentschaftswahlen 1993 siegte Mahamane Ousmane von der Sozialdemokratischen Konvention, die aus dem Widerstand gegen die Diktatur hervorgegangen war. 1995 bei den Parlamentswahlen gewann Hama Amadou von der Nationalbewegung für die Entwicklungsgesellschaft, der früheren Einheitspartei.
Das Machtgeplänkel von Präsident und Premierminister erschwerte den Demokratisierungsprozeß und lähmte das Land. So ernannten sie zum Beispiel rivalisierende Führungen für die Staatsbetriebe. Ein weiterer Konfliktherd des Landes, der Streit mit dem Nomadenvolk der Tuareg, die um die Anerkennung ihrer ethnischen Identität kämpfen, entflammte im November erneut. Das im April geschlossene Abkommen mit den Tuareg-Rebellen brach zusammen; eine ihrer Einheiten war von Soldaten angegriffen worden.
Das Land besteht hauptsächlich aus Wüste und hat nach UNO-Angaben den niedrigsten Lebensstandard der Welt. Der traditionelle Agrarstaat lebt hauptsächlich vom Export des für Industriestaaten interessanten Urans. Hier gab es auch Konflikte zwischen den Rohstoffausbeutern und den Landbesitzern sowie bei den Exporterlösen.
Die Demokratie war jung und Niger militärerprobt. So wurde der Putsch nicht nur negativ bewertet. Allerdings sollten die Militärs nicht zu lange bleiben, hieß es. Wie lange, das wird sich zeigen. Denn es ist zu befürchten, daß das Land wieder in den Zustand vor 1991 zurückfällt. Der Militärputsch ist ein Rückschlag für die Demokratiebewegung im gesamten Afrika. Hungernde Menschen, Diktaturen, Korruption, Anarchie: Afrika, das politische Chaosland. Dabei prägen westliche Interessen die politische Situation in Entwicklungsländern entscheidend: Nicht umsonst haben konservative Staatsmächte in Afrika oft erstaunlich gute Beziehungen zu ehemaligen Kolonialmächten. Südafrika hat seit Ende der Apartheid unter Nelson Mandela einen verheißungsvollen Weg zu Stabilität und Frieden beschritten. Auch Niger war so ein Hoffnungsträger.
Das Entwicklungshilfe-Geberland Deutschland unterstützte den demokratischen Weg Nigers. Abzuwarten bleibt, ob es diese Einstellung den neuen Machthabern gegenüber vertritt.
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