Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(es) Die Jugend- und Freizeiteinrichtungen in Berlin sind zwar nicht die einzigen, die für das Haushaltsloch des Senats herhalten müssen, dafür aber die mit am schlimmsten Betroffenen. Jugendliche, die dort früher einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen konnten, stehen jetzt buchstäblich auf der Straße. So stellen die Politiker an dieser Stelle einmal wieder die Kurzlebigkeit ihrer Politik unter Beweis und zeigen keine große Verantwortung für die Zukunft.
Silvia leitet schon seit mehreren Jahren den Töpferkurs im Haus der Jugend in Zehlendorf. Die Kinder, die dort hinkommen, stammen aus der näheren Umgebung. Dort gibt es zwar viele gutverdienende Familien, es kommen aber auch immer wieder Eltern mit ihren Kindern, für die eine hohe Kursgebühr nicht unbedingt zu bezahlen wäre. Die Kinder sind hier aus völlig unterschiedlichen Interessen: Viele kommen hierhin, weil sie hier auch ihre Freunde treffen und Spaß am Töpfern haben. Manche werden von ihren Eltern mehr oder weniger dorthin geschleift; entweder weil diese nicht die Zeit haben, sich um die Kinder zu kümmern oder weil sie diese für ausgesprochen begabt halten oder beschäftigen müssen..
Nachdem im Januar dieses Jahres wieder mal die Meldung kam, daß gespart werden müsse, wurde den Jungendfreizeiteinrichtungen ersteinmal vollkommen der Hahn zugedreht: Alle Honorarkräfte, die zum einen die billigsten Arbeitskräfte in den Einrichtungen sind, zum anderen aber auch einen Großteil der Arbeit in den Einrichtungen leisten, wurden quasi von einem Tag auf den andern gestrichen. Die Kurse mußten vorerst unbefristet aussetzen. Kompliziert wurde es vor allem für die Kräfte, die vom Honorar einen Großteil ihres Lebensunterhaltes bestreiten. Die Folge war, daß sich die Beroffenen mobilisierten und durch Aktionen versuchten, auf sich aufmerksam zu machen. Anscheinend hatten sie Erfolg: Mitte März flossen dann wieder ein Teil der Gelder und zum Beispiel der oben erwähnte Töpferkurs kann erstmal weitergehen.
Allerdings haben mehrere Einrichtungen denn plötzlichen Stop der Haushaltsmittel auch nicht überlebt sie haben die Tore bis heute nicht wieder öffnen können. Da haben die Sparmaßnahmen also auch mal durchschlagenden Erfolg gehabt...
Hinzu kommt, daß das unregelmäßige Stattfinden der Kurse mittlerweile auch die jungen Leute vergrault. Sie versuchen, sich andere Beschäftigungen zu organisieren. Das eigentliche Schlimme an diesem Fakt ist, daß wenn die Nachfrage für die Kurse ausbleibt, die Berechtigung eines reichhaltigen Angebotes von den Entscheidungsträgern mit dem Blick aus der Ferne nicht mehr eingesehen wird. Die Folge ist ein Teufelskreis, der zu einem Abbau des Angebotes nur noch weiter beiträgt.
Aber nicht nur die Kinder haben unter diesen für einen normalen Bürger nicht durchschaubaren Sparmaßnahmen zu leiden. Viele Erzieher können es sich nicht leisten, alle paar Monate einen Verdienstausfall zu haben. Die Folge: Das qualifizierte Personal sucht sich eine andere Stelle, die einen sicheren Unterhalt bietet und die Kurse lassen in ihrer Qualität nach. Auch schießt der Senat sich ein Eigentor, indem er durch seinen offensiven Personalabbau den Anstieg der Arbeitslosenzahlen nur noch unterstützt.
Wie nun der Senat sich die Freizeit eines Jugendlichen im heutigen Berlin vorstellt, dürfte nicht so leicht zu ergründen sein. Vielleicht spinnt er sich eine Zukunftsvision von spielenden Kindern im Tiergartentunnel man weiß es nicht. Festzustellen bleibt, daß hier an der falschen Stelle gespart wurde, was die zuständigen Personen durch die relativ schnelle Rücknahme der Haushaltssperre wohl auch gemerkt haben. Da kann man nur hoffen...
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