Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(es) Gleich nach der Schule in einer Behörde arbeiten das mag kaum der Traum eines heutigen Teenagers sein. Zu stark prägen sich die unangenehmen Pflichtbesuche in das Gedächtnis ein. Doch der 21jährigen Malika macht der Job Spaß. Nachdem sie 1994 ihr Abitur gemacht hatte und sich vorher schon in ein paar anderen Berufen versucht hatte, macht sie nun ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Umweltamt Wilmersdorf. Wir besuchten sie und wollten wissen, was ihr an diesem Job so viel Freude macht...
Juckreiz: Du machst ein Freiwilliges Ökologisches Jahr was ist das?
Malika: Naja, das ist ein Jahr, in dem du in ökologischen Bereichen mitarbeitest, um dort zu helfen, um mitzukriegen, wie das da läuft und was man alles tun kann, um die Natur zu schützen. Das ist ganz schön umfassend.
Juckreiz: Wie bist dazu gekommen, so etwas zu machen?
Malika: Ich habe ein Praktikum beim Groß- und Außenhandel gemacht und habe eine Adresse von so etwas ähnlichem wie ein Ökologisches Jahr bekommen. Dort haben sie mir gesagt, daß sie besetzt sind, ich es aber doch bei der Stiftung Naturschutz probieren solle, wo sie dann meinten: Wenn ich eine Bewerbung schreiben würde, könne ich noch reinkommen. Und dann war ich auch schon da...
Juckreiz: Was Du hier machst, sind das nur konkrete Tätigkeiten im Umweltschutz? Oder tust Du noch etwas anderes?
Malika: Naja, Bewerbungen schreiben und meinen Zwischenbericht machen... Ansonsten hat das alles was mit Ökologie zu tun.
Juckreiz: Und zu welchen Themen arbeitest Du?
Malika: Bodenschutz, Altlastenverdachtsflächen sind das.
Juckreiz: Und was heißt das? Das hört sich ja fast nach Fremdwörtern an.
Malika: Also, das erste Gebot ist halt, daß man den Boden schützt. Wir arbeiten die Grundstücke in Wilmersdorf auf, indem wir uns die Akten alle aus den Aktenkammern holen und herausfinden, ob irgendetwas Schädliches da war. Zum Beispiel, ob da 1920 eine Tankstelle war oder irgend etwas anderes: eine Garage, KFZ-Werkstatt, Chemische Reinigung; alles, was man so denkt...
Juckreiz: Was macht Ihr dann, wenn da beispielsweise eine Chemiefabrik stand?
Malika: Wenn da eine stand und jetzt dort ein Haus steht, kannst Du eigentlich gar nichts machen. Dann wird in die Akte geschrieben, daß wir uns bei Umbau oder bei Abriß den Boden angucken. Wir können ja nicht das Haus irgendwie zur Seite stellen und da mal schnell an den Boden ran. Wenn man an den Boden rankommt, dann machen wir Untersuchungen und unsere Chefin Frau Dr. Smeta weiß auch schon ganz genau, wie so ein Boden aussehen muß. Du machst auch richtige Riechproben: Manchmal riecht das wirklich ext rem nach irgendwelchen Lösungsmitteln.
Juckreiz: Meinst Du, daß das FÖJ für das Umweltamt eher eine billige Arbeitskraft ist oder gewinnst Du auch so manche neue Erkenntnis?
Malika: Ohne böswillig zu sein: Ich denke schon, daß es eine billige Arbeitskraft ist. Aber es ist in jedem Fall auch etwas Wichtiges, was man hier macht. Meine Chefin wühlt genauso in den Akten herum und recherchiert irgendetwas. Und ich darf auch mitgehen, wobei sie mir dann alles zeigt und erklärt. Man lernt auch vieles kennen, wo man vorher nicht gedacht hätte, daß so etwas hier gemacht wird.
Juckreiz: Um auf das FÖJ zu kommen: Ist das nur die Arbeit in einer Institution, die mit Umwelt zu tun hat, oder steht da noch mehr dahinter?
Malika: Natürlich lernst Du beim FÖJ auch ganz, ganz viele nette Leute kennen, mit denen man zum Beispiel auch ganz tolle Seminare macht.
Juckreiz: Und was für Seminare macht man da?
Malika: Wir haben ein Einführungsseminar gehabt, auf dem wir auch selbst bestimmt haben, was wir auf den folgenden Seminaren machen wollen. Da haben wir Schwerpunkte beispielsweise auf Verkehr und Heilpflanzen gesetzt. Um das zu erarbeiten, haben wir eine Zukunftswerkstatt gemacht.
Juckreiz: Wird durch die Arbeit auch die Ökologie mit dem eigenen Lebensstil verbunden?
Malika: Ja, auf jeden Fall! Man schaut viel genauer, was man denn so macht. Zum Beispiel, was ich esse... Das kommt, weil wir auf den Seminaren immer im Ökoladen einkaufen. Man wird auf jeden Fall umweltbewußter.
Juckreiz: Hat Dir das FÖJ auch persönliche Einsichten aufgezeigt?
Malika: Ja, auf jeden Fall Bedenkzeit. Wenn man nicht genau weiß, was man machen will... Und, ob man überhaupt in diese Richtung geht.
Juckreiz: Was willst Du danach machen?
Malika: Ich bin mir noch nicht schlüssig. Ich habe mich als Hotelfachfrau beworben und bin auch indirekt angenommen. Ich möchte gerne ins Ausland. Dann würde ich nach der Ausbildung ganz schnell weg sein...
Juckreiz: Also nicht etwas im Umweltschutz?
Malika: Das heißt konkret, ich tue das FÖJ ja auch für mich. Was ich dann insgesamt mache, das kann sich natürlich auch noch ändern. Ob ich vielleicht doch Biologie studiere, was ich wirklich gerne machen würde. Aber finanziell geht das im Moment nicht so.
Juckreiz: Könnte am FÖJ irgendetwas anders sein?
Malika: Ich würde sagen, daß die ausgesuchten Stellen wirklich für eine Eignung überprüft werden sollten. Man sollte sicherstellen, ob eine gute Betreuung vorhanden ist. Wenn dort nichts ist und man sitzt den ganzen Tag nur rum, dann ist das nicht so der Sinn der Sache.
Juckreiz: Und an wen würdest Du solch eine Stelle im Umweltamt weiterempfehlen?
Malika: An wen, das ist schwierig. Ich würde sie auf jeden Fall weiterempfehlen. Jemand, der vielleicht nicht so für Gartenarbeit ist...
Infos zum FÖJ gibt es bei der Stiftung Naturschutz Berlin, Potsdamer Str. 68, 10785 Berlin.
Zurück zur Regionalausgabe Südwest
Zurück zum Inhalt von Juckreiz 16