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10 Jahre Tschernobyl

Sonnige Zeiten brechen endlich an

(kl) Menschen haben einen kleinen Fleck auf dieser Erde lebensfeindlich gemacht. Wo? In der Ukraine: Am 26. April jährt sich der Tag des Reaktorunfalls zum zehnten Mal. Eine unverändert starrköpfige Atompolitik, das Festhalten an der Kernenergie, dem Risiko weiterer „Unfälle“ zum Trotz, scheint das Fazit von Politik und Wirtschaft zu sein. Nachhaltige Energiequellen wie Sonne, Wind und Wasser werden in diesem Land kaum gefördert, und wenn, dann nur mit großen Hürden, so daß es scheint, daß die erhoffte Energiewende ein Traum bleiben wird.

„Stillegung aller Atomanlagen – Energiewende jetzt“, zwei Forderungen, mit denen die Tschernobylaktivitäten in diesem Jahr eine Umkehr aus der Atompolitik erreichen wollen. Die nur für 1996 existierende Kampagne „Sonnige Zeiten – Gemeinsam zur Ökologischen Energiewende“ ist eine dieser vielen Aktivitäten. Ihr Hauptanliegen liegt speziell in der Förderung schon bestehender Initiativen alternativer Technologien und in der Erschließung neuer Perspektiven.

Denn Atomenergiegewinnung als eine ausreichend erforschte, erprobte und daher zuverlässige Technologie zu bezeichnen, ist angesichts von Tschernobyl und ständigen Unfällen auch in angeblich hochmodernen Atomkraftwerken der Industrieländer makaber. Hinzu kommt die Frage, ob es bei einer derart riskanten Technik Sinn macht, immer neu zu investieren, um die jeweils gerade zuletzt entdeckten Fehler zu beseitigen. Die Problematik von Verstrahlung und Landverbrauch bei der Urangewinnung, von Transport, Wiederaufbereitung und (End-) Lagerung ist zu lösen. Hierbei drängt sich eine Schlußfolgerung immer wieder auf: Menschen machen Fehler, auch deren Technologien, und Fehler man sich im Falle der Kernenergie nicht erlauben.

Zehn Jahre nach Tschernobyl hätte bereits das Solarzeitalter eingeleitet sein können, und zwar im großen Stil. Alternative Techniken sind technisch so weit ausgereift und erprobt, daß mit intensiver Förderung, Forschung und Nutzung eine vollständige Umstellung auf nachhaltige Energiequellen keine Zukunftsmusik mehr ist.

Um der Sonnenwende besonders politisch zum Durchbruch zu verhelfen, will Sonnige Zeiten die Notwendigkeit und Realisierbarkeit durch Aufklärungsarbeit und konkrete Projekte versinnbildlichen. Überverbandlich und überpartei- lich ruft die Kampagne bundesweit Menschen in diesem Land dazu auf, Aktionen, Demos, Solarwalks, Radtouren und was sonst noch so alles möglich ist im Angedenken an Tschernobyl und für die Änderung der hiesigen Energiepolitik zu veranstalten. Freie Projektteams vor Ort organisieren hierbei die Veranstaltungen; bundesweiten Informationsaustausch und die Koor- dinationsarbeit untereinander übernehmen drei Kon- taktbüros. Teil der Kampagne ist die Förderung von möglichst vielen So- larprojekten, die von dem jeweiligen Projektteam durch Spenden unterstützt werden. Spenden werden insbesondere durch „Solarwalks, sogenannte „sponsored walks“ gesammelt. Desweiteren werden auch z.B. Solarfeste mit Solarmilchshakes und Solarkochern veranstaltet. Viele kleine Projekte, die die vielfältige Anwendbarkeit der alternativen Energien verdeutlichen.

Die Auftaktveranstaltung zur Kampagne findet am 26. April in Berlin mit einer Demo und einem ersten Solarwalk statt. Zwei Radtouren nach Berlin, eine beginnt in Tschernobyl, die andere in München, werden ebenfalls am 26. hinzustoßen. Ende April wird zudem noch eine Postkartenaktion an alle Lokalbehörden mit den Forderungen der Kampagne gestartet. Ein Großteil der Aktivitäten findet jedoch in der bundesweiten Aktionswoche, der “SonnenWende”, vom 15. bis 23. Juni statt. Weitere Solarwalks, -feste, Infostände und -veranstaltungen sind für diesen Zeitraum geplant. In den Sommerferien soll es Ferienlager und ein Treffen aller Sonnige Zeiten-Projektteams geben.

Und am Ende des Jahres 1996 wird auf das Jahr der Energiewende zurückgeblickt? Hoffen wir, daß der Wunsch in Erfüllung geht. Für alle Beteiligten der Kampagne haben die „Sonnigen Zeiten“ jedenfalls angefangen, denn sie beginnt wie so oft bei jedem oder jeder Einzelnen. Sind erst einmal das Bewußtsein und der Wille geweckt, wurde der wichtigste Grundstein gelegt.

Sonnige Zeiten in Berlin


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