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Mit „BISS“ gegen den Ringschluß

Berlin – Hauptstadt der Tunnel?

(ap) Der Tiergartentunnel ist längst nicht das einzige baumtötende Projekt Berlins. Schon länger ist auch der Weiterbau der Bundesautobahn A100 von Tempelhof nach Neukölln unterirdisch geplant. Obwohl noch keine endgültige Baugenehmigung vorlag, wurde schon ab Januar fleißig gebaut.

Aber fangen wir mal von vorne an. Schon Mitte der siebziger Jahre war der Weiterbau der A100 geplant, damals noch oberirdisch. So mußte der Städtische Friedhof Tempelhof der damaligen Trasse weichen. Zahllose Gräber wurden umgebettet, sämtliche Bäume gefällt. Eine ganze Siedlung stand kurz vor dem Abriß. 1979 erreichten dann die Anwohner der Siedlung, die die Gründer der heutigen Bürgerinitiative Stadtring Süd (BISS) sind, den Baustop der Autobahn. Seitdem stand der angefangene Brückenrohbau da. Damaliger Kostenpunkt: 16 Millionen DM.

Nach dem Mauerfall begann jedoch die Planung erneut. Diesmal werden gleich zwei Friedhöfe von einem 2,3 Kilometer langen Tunnel unterhöhlt: von der Tempelhofer Gottlieb-Dunkel-Straße bis fast zur Buschkrugallee in Neukölln. Dem Gericht, das über die Klage der BISS und einiger Anwohner entscheiden sollte, wurde der offizielle Baubeginn vorenthalten. Ebenso wurden interessierte Anwohner (bewußt?) falsch informiert. So war es möglich, daß ungehindert rund 80 alte, gesunde Bäume gefällt werden konnten. Viele alte Häuser – vor 1875 erbaut – stehen vor dem Abriß. Die betroffenen Kleingartenkolonien sind schon längst geräumt.

Was ist nun Sinn und Zweck dieser Autobahn? Das Hauptargument des Senats ist der in ferner Zukunft geplante Schluß des Autobahnringes. Der Senat gibt aber offen zu, daß für das fehlende Stück in Lichtenberg und im Prenzlauer Berg vorläufig gar kein Geld zur Verfügung steht.

Für Tempelhof und Neukölln wird eine Entlastung ihrer Straßen erwartet, die durch das steigende Verkehrsaufkommen sonst restlos überfüllt sein werden. Offizielle Schätzungen prognostizieren aber trotz der Autobahn zeitweilig einen Anstieg des Verkehrs auf über das Doppelte. Zudem ist die Buschkrugallee dem Verkehrsstrom der vierspurigen Autobahn nicht gewachsen.

Bei der Planung selbst verglich man lediglich die Quadratmeteranzahl der öffentlichen Grünflächen vor und nach dem Bau. Das Kronenvolumen der alten Friedhofsbäume und seine größere ökologische Bedeutung im Vergleich zu dem später wachsenden Buschwerk wurde ignoriert. Die Schrebergärten fanden auch keine Beachtung, da sie nicht Teil der öffentlichen Begrünung sind. Dadurch wird leider der Eindruck vermittelt, der Bau bedeutet einen Gewinn für Berlins Grünflächen.

Trotz der zweifelhaften Logik der Befürworter dieses Projektes entschied am 28. Februar diesen Jahres das Bundesverwaltungsgericht für den Autobahnbau. Es handele sich dabei um eine „vordringliche Baumaßnahme“ auf der Grundlage des Fernstraßenausbaugesetzes. Im Vordergrund stehe der Ringschluß, der dem Allgemeinwohl diene. Leider wurde auch die Ersatztrassenführung entlang des S-Bahn-Ringes – ein Alternativvorschlag der BISS – abgelehnt. Diese Streckenführung hätte zwar die Kosten erhöht, wäre aber wesentlich entlastender für Verkehr und Umwelt gewesen. Doch trotz dieser Enttäuschung bleibt die BISS weiterhin aktiv, denn irgendwann wird ja mit der Planung für den endgültigen Ringschluß begonnen.

Interesse? Die BISS trifft sich jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat im Bauernhof in der Wederstraße 50, 12347 Berlin, Telefon: 626 14 47.


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