Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(tb) Die Bundeswasserstraßenverwaltung strebt danach, die Havel auszubauen, Das Ganze wird Projekt 17 genannt. Konkret bedeutet dies, daß der vorhandene Wasserweg von Berlin nach Hannover zur Großschiffahrtstraße ausgebaut werden soll. Für dieses Projekt ist es notwendig, die Gesamtstrecke durchgängig auf 4 Meter zu vertiefen und auf nahezu 60 Meter zu verbreitern.
Die noch vorhandenen naturnahen Streckenabschnitte (Paretz-Brandenburg) müssen begradigt werden. Die Überschwemmungszonen der Havel, die zahlreiche bedrohte Tierarten beherbergen, sowie das bedeutende Vogelschutzgebiet bei Ketzin werden durch diese massiven Eingriffe zerstört. Aber auch im Berliner Stadtgebiet werden die wenigen vorhandenen Röhrichtbestände, die für Tierwelt und Wasserreinigung von immenser Bedeutung sind, verloren gehen. Ferner müssen entlang der Gewässerstrecke zahlreiche Brücken abgerissen und neu gebaut werden. Die Baukosten sollen nach derzeitigen Kalkulationen vier Milliarden DM betragen.
Nun gut, kann man sich denken, das ist zwar alles nicht ganz optimal für Flora und Fauna an und in der Havel, aber eine Verlagerung der Gütertransporte von der Straße auf das Wasser wäre doch ein nicht zu verachtender Fortschritt. Leider wird dem nicht so sein, denn Brandenburgs Wasserstraßen sind derzeit nur zu 30% ausgelastet und könnten daher auch ohne Ausbau die dreifache Menge an Gütern transportieren.
Viele Binnenschiffer müssen um ihre Existenz bangen -sie brauchen keine tiefere Havel, sondern mehr Aufträge.
Lediglich die privaten Großredeereien werden Vonn dem Ausbau profitieren. Sie werden selbständigen Binnenschiffern ihre Existenz nehmen und in Konkurrenz zur Deutschen Bahn treten. Diese an sich durchaus positive Konkurrenzsituation hat jedoch folgenden Haken: Die Bahn muß 90% ihrer Schienen und Anlagen selber bezahlen, wohingegen das Projekt 17 zu 90% vom Steuerzahler finanziert wird.
Es ist in Zeiten, in denen jedermann von Energieeinsparungen spricht, fatal, die Binnenschiffahrt mit derartigen Mammutprojekten zu unterstützen. Untersuchungen haben nämlich ergeben, daß Schiffe bei gleicher Transportleistung anderthalb Mal soviel Energie verbrauchen wie die elektrifizierte Eisenbahn.
Auch Spandau ist durch das Projekt betroffen, ob der Havelausbau jedoch für nasse Füße in Ufernähe sorgen wird ist wissenschaftlich noch umstritten.
Ich werde bei anfangs wohlwollender Analyse des Projekts 17 das Gefühl nicht los, daß im Endeffekt viele Taler für nichts den Bach runtergehen. Statt progressiv in die Zukunft zu investieren, werden wider besseren Wissens Mammutprojekte inszeniert.
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