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Verbrauch

Wieviel Wasser braucht der Mensch?

(bi) Zum Zähneputzen, Kochen, Baden, Abwaschen, Klospülen, Gemüse waschen, Duschen, Trinken, für den Hausputz, für die Wärmflasche, für die Waschmaschine – wir brauchen Wasser. Im Wasser trafen sich seinerzeit jene Nucleotidbausteine, die sich zu so wunderbaren Erscheinungsformen wie dem Schmetterling oder Helmut Kohl weiterentwickelt haben, und alle Organismen heute sind direkt oder indirekt auf Wasser angewiesen.

Mensch sollte meinen, daß dies zu einem besonderen Bewußtsein dem kostbaren Gut gegenüber führt. Wir wissen aber alle, daß dem nicht so ist. In den sogenannten Industrieländern wird uns Wasser so gut wie immer und überall in unbegrenzten Mengen zur Verfügung gestellt. Bei so leichtem Zugang fällt das Sparen schwer, zumal wir uns alle an einen mehr oder weniger exzessiven Wasserverbrauch gewöhnt haben. Es wird eben schnell noch mal „was abgespült“ oder „runtergespült“ oder „laufengelassen“. In der Bundesrepublik Deutschland werden derzeit für die Fertigstellung eines Autos 100.000 Liter Wasser benötigt, und der Wasserbedarf nimmt weltweit zu. Lag der jährliche globale Wasserverbrauch pro Kopf 1950 noch bei rund 1.000 Kubikkilometern, so waren es 1990 bereits 4.000 Kubikkilometer. Das heißt, er hat sich in einem Zeitraum vervierfacht, in dem sich die Weltbevölkerung in etwa verdoppelte..

Ein Mensch in Deutschland verbraucht circa 145 Liter Wasser am Tag. Interessant ist dabei, daß nur drei Liter zum Trinken und Kochen verwendet werden. Noch interessanter ist, daß ein Mensch in Indien mit 55 Litern am Tag auskommen muß, und in manchen Regionen der Welt, besonders auf dem Land, gibt es nur 30 Liter pro Person. Nur sechzig Prozent der Weltbevölkerung sind dauerhaft ausreichend mit Wasser versorgt.

Wassermangel und unzureichende Trinkwasserqualitäten führen zu Krankheiten und Infektionen. 80 Prozent der Erkrankungen in der Dritten Welt sind darauf zurückzuführen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Zu der Wasservergeudung kommt die zunehmende Wasserverschmutzung. Jährlich gerät etwa ein Tausendstel der weltweit geförderten Erdölmenge ins Meer. Das sind 500 Millionen Tonnen Rohöl, ein Gramm pro 100 Quadratmeter Meeresoberfläche. In Lateinamerika sind nach einer Studie der WHO zwei Drittel der Flüsse so stark mit industriellen Abwässern verschmutzt, daß ihr Wasser weder zum Trinken noch zum Bewässern der Felder geeignet ist. Die Gewässer zwischen Shanghai und Korea sind so stark mit hochgiftigen Schwermetallen und Ölrückständen belastet, daß der Verzehr von Meerestieren lebensgefährlich ist. Fisch ist aber gerade in vielen Entwicklungsländern die Hauptproteinquelle. 60 Prozent der Bevölkerung in der Dritten Welt beziehen 40 Prozent ihres tierischen Proteins aus dem Meer (Worldwatch-Institute).

Das Mittelmeer ist laut WWF das meistverschmutzte Meer der Erde. 85 Prozent aller Fäkalien- und Industrieabwässer ergießen sich noch immer ungeklärt in die ehemals blauen Fluten. Auch in die Nordsee fließen nach Schätzungen jedes Jahr mehr als 200.000 Tonnen Öl- und Giftstoffe, eingespült aus Flüssen, saurem Regen und Chemietankern auf hoher See.

Es ist wieder einmal erstaunlich, wie mörderisch arrogant sich der Mensch verhält. Wir tun so, als ob wir eine Wahl hätten, dabei steht uns das Wasser bis zum Hals.


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