Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(gr/be) Über alles Mögliche wird zur Zeit geredet in der sogenannten Standortdebatte. Über Arbeitsplätze, Renten, Lohnnebenkosten, Steuern... aber nicht über Umweltschutz. Wenn Umweltschutz am Rande doch eine Rolle spielt, dann aber nur die eines Hemmschuhs. Aber könnte das Stiefkind Umweltschutz der Standortdebatte neue Perspektiven eröffnen?
Warum arbeiten wir überhaupt? Wir arbeiten, um unsere Existenz zu sichern. Genauso wie es die Aufgabe der Wirtschaft ist, die Existenz der Gesellschaft zu sichern. Das Paradoxe ist jedoch: viele Arbeitsplätze arbeiten heute daran mit, die Natur als Grundlage der Wirtschaft zu zerstören.
Werfen wir einen Blick auf die Standortdebatte. Es werden Arbeitsplätze gefordert, und das ist ja auch berechtigt. Aber in der Debatte, wie sie heute geführt wird, geht es vor allem um die Zahl der Arbeitsplätze. Es fragt niemand, was für Arbeitsplätze das sein sollen. An dieser Stelle bringt der Aspekt Umweltschutz eine neue Perspektive in die Standortdebatte: Neue Qualität statt bloßem Quantitätsdenken oder auch: Strukturwandel statt Wirtschaftswachstumsgläubigkeit.
In der Standortdebatte von heute setzt man vor allem auf Wirtschaftswachstum. Sie wird auch von vielen als Rezept gegen die Arbeitslosigkeit angesehen. Diese Leute gehen aber davon aus, daß Arbeitslosigkeit ein Problem ist, das durch zu wenig Wirtschaftswachstum entsteht. Um Arbeitslosigkeit zu beseitigen, muß also das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden. Dazu muß man die Unternehmen so weit wie möglich entlasten, damit sie weiterproduzieren wie bisher, nicht ihren Standort wechseln und keine Arbeitsplät ze abbauen. Aus diesem Blickwinkel wird natürlich klar, daß Umweltschutz oder gar eine Ökosteuer als Hemmschuhe betrachtet werden.
Aber ist die Arbeitslosigkeit wirklich ein konjunkturelles Problem? Oder nicht vielmehr ein strukturelles Problem, ein Problem, dessen Ursache die energieintensive statt arbeitsintensive Struktur unserer Wirtschaft ist. Energieintensiv statt arbeitsintensiv bedeutet, daß auf vielen "Arbeitsplätzen" Maschinen statt Menschen arbeiten. Da kann es vorkommen, daß trotz Wirtschaftswachstum die Zahl der Arbeitsplätze sinkt. Dieses Phänomen heißt auch "jobloses Wachstum".
Eine energieintensive Wirtschaftsstruktur ist also weder ökologisch noch arbeitsmarktpolitisch sinnvoll. Sinnvoll wäre es dagegen, das Thema "Ökosteuer" in der Standortdebatte zu diskutieren. Eine Ökosteuer, die ja vor allem eine Energiesteuer ist, könnte solch einen Strukturwandel von energieintensiv zu arbeitsintensiv bewirken und damit wirklich Arbeitsplätze schaffen. Eine weitere Folge wäre die Senkung des Energieverbrauchs. Die so geschaffenen Arbeitsplätze arbeiten nicht an der Zerstörung ihrer eigenen Existenz mit.
Natürlich würden bei solch einem tiefgreifenden Strukturwandel ersteinmal eine Menge Arbeitsplätze vor allem in energieintensieven Branchen verloren gehen.
Auf der anderen Seite würden aber auch in den durch die Steuer begünstigten neu entstehenden Umweltbranchen viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden und zwar qualitativ hochwertige.
Es zählt nicht nur der Arbeitsplatz als Stelle an sich, sondern wichtig ist auch, ob diese Arbeit gesamtgesellschaftlich Sinn hat.
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