Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(sc) Begleitet von starken Protesten ist der zweite Castor in dem offiziell "Zwischenlager" genannten ehemaligen Salzstock in Gorleben eingelagert worden. Ein riesiges Polizei- und Bundesgrenzschutz-Aufgebot war aufgestellt worden, um gewährleisten zu können, daß die heiße Fracht überhaupt in Gorleben ankommt.
Ziel der zahlreichen Demonstrationen, Straßenbesetzungen, Schienendemontagen und Blockaden war es, den Transport so teuer wie möglich werden zu lassen, damit diese Form, den Atommüll zu "entsorgen", finanziell und damit politisch untragbar wird.
In der aktuellen Diskussion um Atomenergie spielen die Abfälle nur eine nebensächliche Rolle. Im Mittelpunkt stehen meist Fragen wie die technische Sicherheit von Atomkraftwerken, der CO2-Ausstoß und die Kosten der Energieherstellung im Vergleich zu anderen Erzeugungsmöglichkeiten. Aber bei all dem wird nicht miteinbezogen, wieviel Geld allein benötigt wird, um die Abfälle zu entsorgen.
Die abgebrannten Kernbrennstäbe sind hochradioaktiv und damit so gefährlich, daß sie noch viele tausend Jahre so gelagert werden müssen, daß kein lebender Organismus mit ihnen in Berührung kommen kann. Um das sicherstellen zu können, wird ein Endlager gebraucht, das verschiedenen Anforderungen genügen muß. Es darf bei einem Flugzeugabsturz nicht beschädigt werden, es muß wetterfest und erdbebensicher sein, es darf keinen Zugang zum Grundwasser haben oder sonstige Verbindungen nach außen - und das alles für mindestens 25.000 Jahre, so lange beträgt nämlich die Halbwertzeit von Plutonium. Bis jetzt gibt es weltweit auf Grund dieser weitreichenden Bedingungen noch kein Endlager. An verschiedenen Orten wird dazu geforscht - die Kosten dafür trägt der Staat und somit wir alle -, unter anderem eben auch in Gorleben.
Die Frage, was aus dem Atommüll werden soll, wurde von den AtomstrombefürworterInnen lange Zeit völlig außer Acht gelassen. Im Vordergrund steht, erst einmal relativ billig Strom herzustellen - "Nach uns die Sintflut" oder "Das wird sich schon irgendwie regeln lassen" sind wohl die Leitmotive derer, die sich über alle Bedenken und Probleme hinwegsetzen. Wie so oft werden auch hier die Folgekosten und die (teilweise noch nicht) absehbaren Folgeschäden nicht miteinbezogen: Wer bezahlt, wenn durch verseuchtes Grundwasser Menschen zu Schaden kommen? Was passiert, wenn kein geeignetes Endlager gefunden werden kann - irgendwo muß der Müll ja hin?
Und gegen dieses "Irgendwohin" sind die Leute im Landkreis Lüchow-Dannenberg auf die Straße gegangen. Dabei geht es den DemonstrantInnen nicht nur darum, daß der Castor nicht ins Wendland kommt. Sie setzen sich vielmehr für einen Ausstieg aus der Atomenergie ein. Diese Forderung läßt sich an Hand des Endlager-Problems recht anschaulich begründen. Und wenn die zuständigen Leute diese Probleme nicht wahrnehmen können (oder wollen), müssen sie eben darauf hingewiesen werden - im Fall Gorleben durch immer höhere Polizei- und BGS-Kosten.
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