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Kann die Wirtschaft gerettet werden?

Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

(es) Bis vor nicht allzulanger Zeit war es für Ökonomen und Ökologen kaum vorstellbar, daß Wirtschaft und Umwelt Hand in Hand gehen könnten. Die einen waren der Meinung, ein zu stark praktizierter Umweltschutz verschlechtere den Wirtschaftsstandort, für die anderen schien der Kapitalismus von vornherein unvereinbar mit Zielen, die der Umwelt dienen. Spätestens seit dem UNO-Erdgipfel von Rio weichen nun die verhärteten Fronten auf. Das Zauberwort "Nachhaltigkeit", welches die Diskussion beherrscht, verspricht ein friedliches Nebeneinander.

Kaum ein Mensch kann heute noch bestreiten, daß sich in unserem bisherigen Wirtschaften etwas ändern muß. Unsere fossilen Rohstoffe werden spätestens Mitte des nächsten Jahrhunderts zur Neige gehen bzw. es wird erheblich mühseliger werden, das "Zeug" ans Tageslicht zu befördern. Bei Dingen, wie dem Ozonloch, wird uns zusätzlich die Langfristigkeit der Schäden bewußt gemacht. Hört man heute mit der Produktion der zerstörerischen Gase auf, dauert es noch mindestens 20 Jahre, bis diese in der Atmosphäre abgebaut sind.

Einerseits müssen wir uns somit demnächst einen Lebensstil zulegen, der zukünftigen Generationen die Möglichkeit gibt, unter denselben Voraussetzungen wie wir zu leben. Hier sollte allen auch Menschen der gleiche Anspruch auf die Nutzung globaler Ressourcen gebilligt werden. Andererseits ist es schwierig, sich deswegen einzuschränken. Wer will schon zurück in die Steinzeit? Genau an dieser Stelle versucht das Prinzip der "Nachhaltigkeit" anzusetzen. Umweltschutz soll hierbei zum Wirtschaftsfaktor gemacht werden. Natürlich beinhaltet solch eine Definition ein Werturteil. Wer also den Begriff der Nachhaltigkeit anders versteht, kommt im Folgenden auch zu anderen Ergebnissen.

Bei den bisher zu diesem Thema erarbeiteten Studien wurde immer die Wirtschaft in das Konzept miteingebunden. Um die hierbei errechneten erforderlichen Einsparungen an natürlichen Ressourcen in die Tat umsetzen zu können, ist zweierlei erforderlich: Es müssen vom Staat verschiedene Vorgaben gemacht werden, um Umweltschutz attraktiv zu machen und die Menschen müssen einsehen, daß die Umwelt ein wichtiges zu schützendes Allgemeingut ist. Ersteres kann durch entsprechende Abgaben bzw. Subventionen oder eine reformierte Steuerpolitik bewirkt werden. Letzteres wird in den Studien als Leitbilder verfaßt.

Der Idealismus, der dabei mitschwingt ist das Problem an der Sache. Die Frage ist, ob sich ein Wertewandel in einer vom Egoismus geprägten Wirtschaft durchsetzen kann. Solange man durch einen Mißbrauch der Umwelt mehr verdienen kann und es der Menschheit noch nicht direkt an den Kragen geht, werden nur wenige zum Umdenken überhaupt bereit sein. Der Stellenwert materieller Errungenschaften ist hierfür in unserer Gesellschaft viel zu hoch. Ein gutes Leben wird in vielen Kreisen immer noch am monatlichen Einkommen gemessen.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Grundsätze der Nachhaltigkeit durch Gesetze durchzusetzen. Das hieße, daß man den zulässigen Energie- und Materialverbrauch auf eine Person herunterrechnen müßte und diese nur diesen sogenannten "Umweltraum" nutzen durfte. So stände einem nur circa ein Liter Benzin pro Tag zur Verfügung oder für eine Flugreise nach Rio müßte man 25 Jahre Treibstoff "sparen". Hiermit würde man zwar die gesetzten Vorgaben einhalten, solch eine Regelung kämen allerdings einer Ökodiktatur gleich.

Also sind bei dem Ansatz der "Nachhaltigkeit" neben unserem Umweltbewußtsein vielmehr technische Innovationen und das Auffinden von Einsparungsmöglichkeiten gefragt. Andere Maßstäbe sind hierbei gefragt, die sich in Schlagwörtern wie "ein rechtes Maß für Zeit und Raum" oder "gut leben statt viel haben" zusammenfassen lassen. Was dabei für die Wirtschaft übrigbleibt, ist sicher nicht mehr der Kapitalismus im heutigen Sinne. Dafür spielen bei der "Nachhaltigkeit" viel zu stark soziale und ökologische Grundsätze eine Rolle.


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