Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(es) Die heutige Vielfalt macht es uns kaum möglich, mit Sicherheit das Produkt mit der größten Umweltfreundlichkeit auszusuchen. Welche Firma brüstet sich nicht mit ihren vermeintlich ökologischen Errungenschaften?! Um hier die realen Gegebenheiten unseres Wirtschaftssystems durchsichtiger zu gestalten, gibt es verschiedene Verfahren, die Produkte oder Produktionsprozesse untersuchen und Wege zu mehr Umweltverträglichkeit entwickeln.
Um die Aussage einer solchen "ökologischen" Prüfung bewerten zu können, muß man wie so oft wissen, welche Teilbereiche der Produktion miteinbezogen wurden, was überhaupt untersucht wurde und letztendlich auch, nach welchen Kriterien geprüft wurde. Allerdings gibt es mittlerweile auch verschiedene Standards, die Prüfungsergebnisse vergleichbar machen. So wird zum Beispiel das "Öko-Audit" nach festgelegten europäischen Normen vergeben. Auch bieten die "Produktlinienanalyse" oder die "Produktbilanz" oder die " Umweltverträglichkeitsprüfung" (UVP) zum Teil brauchbare Ergebnisse.
Eine Methode, um die Umweltauswirkungen eines Produktes zu analysieren, ist die "Produktbilanz". Bei ihr wird versucht, die Umweltauswirkungen quantitativ in möglichst wenigen, oft auch nur einer Kennziffer zu erfassen. Die in sehr unterschiedliche Dimensionen gehenden Folgen eines Produktionsprozesses werden so überschaubar - Alternativenvergleiche zwischen verschiedenen Produktvarianten sind möglich. Bei der Aufstellung einer Produktbilanz werden alle von dem Produkt ausgehenden Emmissionen auf Boden, Luf t und Wasser und der Ressourcen- und Energieverbrauch ermittelt und dann in bezug auf ihre ökologische Knappheit bewertet.
Das Verfahren wirft bei seiner Anwendung zwei zentrale Problembereiche auf: Einerseits ist die korrekte Ermittlung aller Emmissionsdaten unbedingt notwendig, da bestimmte Daten durchschlagenden Einfluß auf das Endergebnis haben können. Andererseits beruht die Einschätzung der ökologischen Knappheit auf Grenzwerten, die festgelegt werden. Somit haben diese Grenzwerte entscheidenden Einfluß auf die zukünftige Material- und Verfahrenswahl.
Oft ist es bei der Einschätzung der Umweltfreundlichkeit eines Produktes wichtig, nicht nur einen Vergleich zu machen, sondern auch nach möglichen Alternativen zu suchen. Hierfür bietet die "Produktlinienanalyse" ein geeignetes Verfahren. Sie fragt nicht nach dem umweltfreundlichsten Produkt, sondern nach der umweltfreundlichsten Art, ein gegebenes Bedürfnis zu stillen. Die Null-Variante, das heißt ein genereller Verzicht, ist dabei immer in die Untersuchung miteinzubeziehen. Eine Produktlinienanalyse kann sich auf das Produkt eines einzelnen Herstellers beziehen oder auf einen repräsentativen Querschnitt aus Produkten verschiedener Hersteller. Das Problem ist, daß es so umfassend ist, so daß es nur auf wenige Produkte anwendbar ist.
Das sogenannte "Öko-Audit" wiederum betrachtet etwas ganz anderes. Hierbei wird nicht die Umweltfreundlichkeit eines Produktes abgefragt, sondern der Produktionsprozeß einer ganzen Firma betrachtet. Ähnlich wie bei der herkömmlichen betriebswirtschaftlichen Kostenrechnung (Controlling) soll von den Unternehmen auf freiwilliger Basis ein Öko-Controlling durchgeführt werden. Dadurch können Schwachstellen - beispielsweise bei der Energieausnutzung - gefunden und beseitigt werden. Nach Abschluß des Verfahrens stehen die Daten zum Vergleich der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Unternehmen erhält bei einer positiven Analyse ein Zertifikat, welches es als Werbemittel benutzen kann. Alle zwei Jahre muß as Prüfverfahren wiederholt werden, um das Audit nicht zu verlieren.
Problematisch beim Öko-Audit ist, daß es jede Firma erwerben kann. So kann eine Firma wie Mercedes sich ebenso dafür bewerben, wie eine Druckerei, die auf Umweltschutzpapier druckt.
Alle diese Verfahren können durchaus mögliche Wege sein, die Wirtschaft ohne große Systemveränderungen ökologischer zu gestalten. Entsprechende Bilanzen könnten Grundlage für die Steuerbewertung im Rahmen einer ökologischen Steuerreform sein. Allerdings gibt es auch genügend Beispiele, bei denen das eine oder andere Verfahren mißbraucht wurde. Ein Berispiel sei hier ein Umweltpreis für Tetra-Pack, wegen einer vermeintlich umweltfreundlichen Produktion von Einweg-Getränkekartons. So können sie sich auch dazu eignen, von tatsächlich großen Umweltrisiken des Unternehmens abzulenken und die jeweiligen Ergebnisse sind somit mit Vorsicht zu genießen.
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