Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(gr/be) Schon immer war das Verhältnis zwischen Natur und Wirtschaft entscheidend für Leben und Überleben einer Gesellschaft. Nicht erst seit dem Zeitalter der Industrialisierung ist dieses Verhältnis von Konflikten zwischen Mensch und Umwelt geprägt. Jedoch heute mehr denn je erscheinen uns Natur und Wirtschaft als zwei unvereinbare Gegensätze. Konsumorientierte Wirtschaft als Gefahr für die Umwelt und Umweltschutz als Gefahr für Wirtschaftsstandort und Arbeitsplätze - sind Ökonomie und Ökologie unvereinbar?
Betrachten wir zu Anfang einmal die Wörter "Ökonomie" und "Ökologie". So scheinbar gegensätzlich , so ähnlich ihr Klang - sie haben die selbe Wurzel "öko"- sie kommt vom griechischem "oikos" und heißt Haushalt. Unsere Umwelt ist bildlich gesprochen also ein Natur-Haushalt und unsere Wirtschaft der große Haushalt der Menschheit. Existenzgrundlage dieses menschengemachten Haushaltes ist dabei der Naturhaushalt. Unsere Wirtschaft ist in den Naturhaushalt eingebettet.
Erstaunlich viele Parallelen existieren zwischen den den beiden. Sie werden in Gang gehalten durch ein inneres System von Kreisläufen. Auf ökologischer Seite sind es Nährstoffkreisläufe, auf ökonomischer Seite Güter- und Geldkreisläufe. Aus dem Biologieunterricht wissen wir, daß der Nährstoffkreislauf von den Produzenten zu den Konsumenten, von dort zu den Destruenten und dann wieder zurück zu den Produzenten fließt. Auch im Güterkreislauf der menschlichen Wirtschaft gibt es Produzenten und Konsumenten. Ein Problem haben wir jedoch mit den Destruenten. Sie haben Recycling- Funktion, d.h. sie schließen den Stoffkreislauf. Angesichts von Müllbergen ist leicht einzusehen, daß unser Güterkreislauf nicht so funktioniert, wie er sollte. Wir stehen aber nicht vor einem grundsätzlichem Problem des Wirtschaftens, denn Müllberge gibt es nicht schon immer. Vielmehr scheinen sie an die konsumorientierte Wirtschaftsform gebunden zu sein.
Kreisläufe gibt es nun aber nicht nur innerhalb jedes einzelnen der beiden Systeme Natur und Wirtschaft, sondern auch zwischen ihnen. Beide stehen nicht unverbunden nebeneinander, sondern haben ständigen Stoffaustausch. Zur Produktion von Gütern werden sämtliche Rohstoffe der Natur entnommen. In veränderter Form werden Stoffe dann wieder an die Umwelt zurückgegeben. Sie nennen wir dann Abgase, Abwasser oder Müll.
Die Folge dieses Stoffaustausches ist natürlich eine gegenseitige Abhängigkeit beider Systeme voneinander. Die Frage ist, ob diese Abhängigkeit gleichverteilt ist. Die menschliche Wirtschaft funktioniert nicht ohne Rohstoffe, während umgekehrt die Natur auch ohne den Menschen leben kann. Zerstört die menschliche Wirtschaft den Naturhaushalt, zerstört sie ihre eigene Existenzgrundlage. Andererseits: die Natur so sehr schonen, daß man ihr am Ende gar nichts entnimmt, bedeutet, daß der Mensch verhungert.
An genau dieser Stelle scheint sich der uralte Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie aufzutun. Um überleben zu können, muß der Mensch Rohstoffe entnehmen, zerstört sie somit also auch ein Stück weit. Die Frage ist aber genau die: Wieweit geht die Zerstörung? Geben und Nehmen zwischen Natur und Wirtschaft muß in einem ausgeglichenen Kreislauf geschehen. "Verantwortungsbewußter Umgang mit Stoffströmen" heißt das auch und bedeutet: Wir können dem Naturhaushalt nicht mehr wegnehmen als in gleicher Zeit nachwächst. Und wir können der Natur nicht hochwertige Rohstoffe entnehmen und ihr dafür "Müll" geben, den sie nicht verwerten kann oder der sogar ihre inneren Kreisläufe stört.
Bewußt muß uns werden, daß das Zusammenleben von Natur und menschlicher Wirtschaft ebenfalls ein Kreislaufprozeß ist, und daß all das, was wir heute geben oder nicht geben irgendwann wieder auf uns zurückfällt.
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