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Alle Jahre wieder

Sommer, Sonne, Sommersmog

(tg) Jeden Sommer kommt es wieder: Das Thema Ozon und Sommersmog. Bisher sind keine entschiedenen Maßnahmen erfolgt, obwohl die Schädlichkeit des Ozons für Mensch und Natur seit langem bekannt und erwiesen ist. Ozon ist bei direktem Kontakt nämlich ein äußerst aggressives Gas. Im Gegensatz dazu ist es in der Atmosphäre äußerst wichtig, da es uns gegen die gefährliche UV-Strahlung der Sonne schützt.

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes SMOG hat mit alldem zunächst nicht besonders viel zu tun: Es kommt aus dem Englischen und setzt sich aus den Worten "Smoke" (Rauch) und "fog" (Nebel) zusammen. Die Londoner benutzten den Begriff für die so berüchtigte dicke Luft im Winter, wenn sich der für die Stadt typische dicke Nebel vor allem mit Ruß und Kohlenwassersstoffen aus den Heizungen der Haushalte und den Industrieabgasen mischte. Inzwischen benutzen wir den Begriff für Luftverschmutzung verschiedenster Art, so auch für die Ozonbelastung im Sommer.

Wie entsteht das bodennahe Ozon? Alles geht damit los, daß das in Deutschland zu mehr als 50% aus Autoabgasen stammende Stickstoffdioxid unter Sonneneinfluß in Stickstoffmonoxid und atomaren Sauerstoff zerlegt wird. Dieser atomare Sauerstoff verbindet sich dann mit anderen, "normalen" Sauerstoffatomen zu Ozon (O3). Da das ganze nur bei starker Sonneneinstrahlung funktioniert, kommen die hohen Ozonbelastungen auch nur im Sommer vor. Sommersmog ist jedoch nicht nur Ozon- Peroxyacetylnitrat, Aldehyde und organische Säuren sind ebenso typisch für die warme Jahreszeit. Sie entstehen vornehmlich aus Kohlenwasserstoffen, und brauchen genauso wie das Ozon die Sonne zum Reagieren. Die Kohlenwasserstoffe, die in Deutschland freigesetzt werden, stammen zu 50% aus dem Autoverkehr, zu 40% jedoch auch aus in Haushalten und der Industrie stark verwendeten Lösungsmitteln.

Wenn die Sonneneinstrahlung am Abend nachläßt, findet erstaunlicherweise die Reaktion des Stickoxids "rückwärts" statt. Das Stickstoffmonoxid reagiert mit dem Ozon zu Stickstoffdioxid und Sauerstoff. Der gleiche Schadstoff, der tagsüber dafür gesorgt hat, daß soviel Ozon entsteht, baut es abends wieder ab! Dies ist auch der Grund dafür, daß die Ozonbelastung abends und in der Nacht in ländlichen Gebieten oftmals viel höher ist als in der Stadt: Am Tage gelangt das Ozon durch Wind aufs Land, wie so oft schläft der Wind abends ein und es ist durch fehlende Abgase auch kein Stickstoffmonoxid da, um das Ozon wieder abzubauen. In den Mittelgebirgen ist das Waldsterben am in den hochliegenden (starke UV-Strahlung), weit von Siedlungen entfernten Gebieten am stärksten ausgeprägt. Ozon ist heute der Hauptverursacher des Waldsterbens. In oftmals weit von stark befahrenen Straßen oder Autobahnen entfernten Gebieten gibt es aufgrund des Ozons beträchtliche Ernteeinbußen. Besonders betroffen ist der Weizen: der Ertrag kann bei sehr starker Belastung um bis zu 33% sinken.

Nicht nur die Natur, auch der Mensch trägt Schäden davon, wenn er mit einer hohen Ozonkonzentration in Berührung kommt. Dies ist in Deutschland inzwischen zum Regelfall geworden. Während der natürliche Gehalt bei unter 20 Mikrogramm (µg) pro Kubikmeter Luft liegt, müssen wir in den Sommermonaten inzwischen regelmäßig mit 180µg und mehr leben. In besonders heißen Sommern waren es auch schon mal 290µg. Jedes Jahr steigen diese Zahlen weiter. Trotzdem wird nichts ernsthaft unternommen, um diese Werte zu reduzieren, beispielsweise durch Fahrverbote. Und das, obwohl ab 100µg Kopfschmerzen und Augenreizungen, ab 160µg Lungenveränderungen und ab 240µg eine beträchtliche Zunahme der Asthmaanfälle auftreten. Bei körperlicher Belastung treten diese Erscheinungen auch schon bei einer geringeren Konzentration auf. Besonders Kinder, Schwangere oder Herz-Kreislauferkrankte leiden unter dem Ozon. Beeinträchtigte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Unwohlsein treten hier noch schneller auf.

Autofahren scheint aber wichtiger zu sein als das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen. Obwohl das Heidelberger Umwelt- und Prognose-Institut ermittelt hat, daß schon tageweise Fahrverbote eine beträchtliche Reduzierung der Ozonbelastung bewirken könnten, hat sich noch keines der Bundesländer zu mehr als zeitweisen Tempolimits und Aufforderungen an die Autofahrer durchringen können. Bundesumweltministerin Merkel bestreitet die Erfolgsaussichten eines Fahrverbotes gänzlich, trotz aller Untersuchungen, die das Heidelberger Institut angestellt hat. Als Alibi wurde 1995 ein Gesetz erlassen, nach dem ab 240µg, die allerdings an mehreren Meßstellen gleichzeitig und über einen längeren Zeitraum hinweg gemessen werden müsssen, Fahrverbote verhängt werden können.Wenn dieses Gesetz schon sechs Jahre früher in Kraft getreten wäre, wären 0,04% (!!) weniger bodennahes Ozon entstanden. Das ist in der Tat beachtlich.


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