Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
Eine Arbeit, die ökologisch sozialverträglich ist - davon gibt es heute noch nicht viele. Wer solch einen Arbeitsplatz sucht, wird ihn auch kaum angeboten bekommen. Mensch kann sich aber selber engagieren und solch einen Arbeitsplatz selbst schaffen. Zum Beispiel zusammen mit anderen gleichgesinnten in einem selbstverwalten Betrieb. Hier die wichtigsten Prinzipien.
1. Identitätsprinzip: Die in einem Betrieb Arbeitenden sind auch seine EigentümerInnen. Lohnarbeit von Nicht-EigentümerInnen soll es nicht geben. Der gute, alte Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital soll also auf betrieblicher Ebene aufgehoben werden.
2. Demokratieprinzip: Alle wichtigen, betrieblichen Entscheidungen sollen (auf einer regelmäßigen Mitgliederversammlung) gleichberechtigt von allen gemeinsam getroffen werden. Jede formale Hierarchie soll verhindert werden. Für die heutigen selbstverwalteten Betriebe ist mit dem Demokratieprinzip meist das Konsensprinzip verbunden. Bei den Entscheidungen soll durch einen entsprechenden Diskussionsprozeß Einstimmigkeit erreicht werden.
3. Genossenschaftliches Förderprinzip: Das Unternehmen soll für seine Mitglieder ausreichende Einnahmen erwirtschaften und gesunde, gesellschaftlich sinnvolle Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.
Neben diesen klassischen Genossenschaftsprinzipien verfolgt der "ideale" selbstverwaltete Betrieb weitere Ziele, die ihn von seinen Vorläufern unterscheiden.
4. Ökologie/Gebrauchswertorientierung: Man könnte auch Bedürfnisorientierung sagen. Die Produktion soll nach den Bedürfnissen ausgerichtet werden. Dabei spielt ökologisches Wirtschaften eine besondere Rolle, aber auch die Förderung sozial Benachteiligter, der "Dritten Welt", regionaler Besonderheiten und sozialer Beziehungen.
5. Kostendeckungsprinzip: oder auch Subsistenzprinzip. Die Erträge aus dem Betrieb sollen den Lebensunterhalt der Betriebe sichern. Es geht nicht darum, die privaten Einkommen zu maximieren.
6. Einheitslohnprinzip: Alle MitarbeiterInnen bekommen unabhängig von ihrer Tätigkeit den gleichen "Lohn" (streng genommen ist es ja kein Lohn). Die "Gleichheit des Lohnes" soll die Gleichheit der Entscheidungsfindung ergänzen.
7. Neutralisiertes Eigentum: Durch (schrittweise) Kapitalneutralisierung soll das Privateigentum an Produktionsmitteln abgeschafft werden, um Gewinn- und Machtinteressen einzelner auszuschalten. Neutraliserung bedeutet konkret, daß es überhaupt keine Eigentumsrechte gibt, weder für Einzelne, noch für alle zusammen. Der Betrieb soll quasi sich selbst gehören, die Belegschaft kann dann treuhänderisch darüber verfügen. Man kann es auch so ausdrücken: Produktionsmittel sind Mittel, um für andere zu produzieren und keine Kosumgegenstände. Deshalb kann es nicht angehen, daß jemand privaten Nutzen daraus zieht, nur weil er das Geld hat, sie zu kaufen. Stattdessen sollen diejenigen Verfügungsrechte über das Privatkapital erhalten, die sie im Sinne der Allgemeinheit produktiv einsetzen, also die Belegschaft (Nutzungseigentum).
8. Ganzheitliche Arbeit: Die Arbeit in selbstverwalteten Betrieben soll ganzheitlich und aus ihrer Entfremdung befreit sein. Sie soll gesellschaftlichen Sinn haben und Selbstverwirklichung ermöglichen. Dabei wird oft handwerklicher Arbeit ein besonders hoher Stellenwert beigemessen. Um diese Ganzheitlichkeit zu erreichen und um Hierarchien konsequent zu vermeiden, sollen alle Formen von Arbeitsteilung aufgehoben werden, durch a) Rotation zwischen Ämtern, zwischen und innerhalb von Arbeitsbereichen, b) durch Aufhebung der Teilung von Kopf- und Handarbeit (bzw. Planung und Ausführung), c)durch Aufhebung geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung.
9. Vorrang der Dezentralität: Um echte Selbstverwaltung möglich zu machen, sollen die meisten selbstverwalteten Betriebe klein bleiben.
Diese Zusammenstellung geht auf die Broschüre "Umweltstandort Deutschland" zurück.
Zurück zum Schwerpunkt Ökonomie und Ökologie
Zurück zum Inhalt von Juckreiz #14