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Tauschringe

Ohne Moos was los!

(nj/be) Im schönen Tiergarten, genauer gesagt, in der Jagowstraße, Moabit ist ein Nachbarschaftsladen im Entstehen. Das Alter der zwölf Gründer geht von 23 bis 65. Bis jetzt ist alles noch ziemlich chaotisch, weil der "harte Kern" alles selber machen und dazu auch noch den alten Laden renovieren muß, in den sie eingezogen sind.

Geplant sind Frauen- und Männergruppe, Food-Coop, Vollwert-Kochen, gegenseitige Kinderbetreuung, Spiele-Abende und alles, was man sich noch so vorstellen kann, was Nachbarn zusammen machen können.

Damit sich auch weniger vom Glück begünstigte Leute mal was Schönes gönnen können bzw. auch aus ökologischen Erwägungen ist ein sogenannter Tauschring nach Kreuzberger Vorbild geplant. Es gibt auch noch in anderen Bezirken Tauschringe beziehungsweise ähnliche Einrichtungen, wie zum. Beispiel die Wilmersdorfer Wertstoffbörse. Tauschring bedeutet, jeder gibt eine Leistung nach seinen Kapazitäten bzw. seinem Können und bekommt dafür etwas.

Frau M. möchte zum Beispiel. ihre Küche kacheln. Dafür paßt sie auf die Kinder von Herrn X auf. Der repariert das Fahrrad von Anna, und die wiederum kachelt Frau M die Küche! Soweit das Prinzip: Fähigkeiten und auch Waren werden miteinander getauscht, ohne daß "normales" Geld eine Rolle spielt. Gerechnet wird in Lebenszeit: 1 Stunde (Kacheln, Aufpassen, Reparieren) hat einen festen Satz; in Kreuzberg wird mit dem Kreuzer gerechnet, woanders gibt es die "Talente". In Tiergarten sind übrigens "Mäuse" geplant. In Kreuzberg ist das System noch perfektioniert, indem Angebote und Gesuche in der Zeitschrift "Straßenkreuzer" annonciert werden.

Ansonsten kann mensch sich auf Tauschbörsen kennenlernen und austauschen. Die Möglichkeiten des Tauschens sind schier unerschöpflich und sehr phantiesieanregend: selbstgemachte Marmelade, Hilfe bei der Steuer, Kleider nähen...

Mit diesem Prinzip wird nicht nur der Konsum vermindert - ein gebrauchter Tisch wird schließlich nicht neu gekauft, und der gebrauchte landet nicht auf dem Müll -, sondern auch eine andere Art zu leben aufgezeigt, die auch hier in der "anonymen Großstadt" möglich ist. Die Leute lernen sich gegenseitig kennen, helfen und bitten einander. Der (Aus-)Tausch zwischen den Menschen im Kiez fördert die Nachbarschaftskontakte. Brachliegende Fähigkeiten werden mobilisiert, wieder aufgefrischt, verfeinert. Die interne Einheit verhindert, daß die Sache zum reinen Geldscheffeln wird, und jeder/jede kann mitmachen, auch ohne viel Kapital zu besitzen.


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