Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(la) Seit dem sich Berlin zur Großstadt entwickelt und die Randdörfer eingemeindet wurden, gibt es die Bestrebungen, in die grünen, ruhigen Außenbezirke. Wer es sich leisten kann, zieht raus aus dem lauten Großstadtmief, weg von den lauten Straßen. Auch in Berlin sind ganz starke Unterschiede zwischen den Stadtbezirken festzustellen der Preis der Wohnlage richtet sich sehr stark auch nach dem Grünanteil in der Umgebung.
Wegen der besonderen politischen Situation Berlins nach dem zweiten Weltkrieg blieb in der näheren Umgebung der Stadt ein großräumiger Landschaftsbereich mit vielfältigen Vegetationstypen erhalten, der über Grünverbindungen klimatisch und ökologisch in die ganze Stadt hineinwirkt.
Spätestens mit der Wende kam für Berlins grünes Umland eine stärkere Beanspruchung. Nicht nur, daß nun noch mehr Menschen ins nahe Umland zur Erholung mit dem Auto fahren, viel mehr bauen sich ein Haus, häufig ohne ortsgerechte Planung und Nutzung von Gegebenheiten.
Gleiches trifft auch für den Bau auf der grünen Wiese zu. In großem Umfang wurden billige Brachflächen gekauft, um darauf große Einkaufszentren, Warenlager, Baumärkte zu errichten. In fast alle Richtungen trifft mensch auf solche riesigen Komplexe, die nicht nur vom Anblick und der Einpassung in die Umgebung ein Graus sind, zumal sie starke Verkehrsströme anziehen.
Für die Firmen, die dort bauen oder sogar ganz ins Umland ziehen, spielt nicht nur der niedrige Investitionspreis eine Rolle, häufig kommt hinzu, daß die Gewerbesteuer in kleinen Gemeinden wesentlich niedriger ist, als in Berlin. Außerdem sind die Auflagen natürlich ganz andere, wenn mensch auf der Wiese baut, als wenn mensch mitten in der besiedelten Stadt baut und eventuell sogar noch mit Altlasten rechnen muß.
Der Grüngürtel wird immer mehr zersiedelt und zu Gunsten eines Speckgürtels verkleinert, zahlreiche Straßenprojekte schneiden tiefe Schneisen und auch die Grünflächen in der Stadt schmelzen zusammen und die noch bis vor wenigen Jahren bestehenden Verbindungen von Grünflächen mit dem Umland werden häufig gekappt. Das hat nicht nur Einflüsse auf die Pflanzen und Tiere, die diese Flächen besiedeln, auch das Stadtklima kann sich deutlich verschlechtern, denn die Grünflächen sorgen für die Luftreinigung und bewirken durch Abkühlung der Stadtluft Zirkulation. Außerdem spielen sie eine große Rolle bei der Grundwasserneubildung und -anreicherung.
Das größte Problem ist, bei den PlanerInnen dieser Stadt ein Umdenken zu erreichen, heißt doch Grünfläche häufig noch nichts anderes als unbebautes Land, es wird nur die potentielle Nutzbarkeit gesehen, nicht aber die ökologische Bedeutung von Grün. Baugrenzen und verstärkte Planung, die Raum spart sind jetzt gefragt.
Beim BUND gibt es die Broschüre Ein Grüngürtel für Berlin, die sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt.
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