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Mitten in der Stadt

Kieze – hier spielt nämlich die Musike!

(la) Prenzlauer Berg, Kollwitzplatz. Es ist Abend, die Sonne lugt noch über die Kastanienbäume, ein lauer Wind fährt Dir durchs Haar. Kinder spielen Hopse und malen mit Kreide auf die Straße. Im Tante-Emma-Laden wird die Auslage umgeräumt, Menschen sitzen im Cafè und genießen die Abendstimmung. An der Ecke steht ein Punkt und unterhält sich mit einer netten alten Dame, im zweiten Stock werden Fenster geputzt. Hier ist der Kiez, die Stadt in der Stadt. Alles ist nett. Verklärte Romantik von Großstadtneurotikern oder Hoffnung für eine Dezentralisierung der Großstadt?

Ohne Frage trifft mensch in fast allen Bezirken auf Gebiete, in denen mensch sich in eine Kleinstadt versetzt fühlt: JedeR kennt jedeN mit allen Vor- und Nachteilen, alles was mensch so zum Leben braucht, findet mensch in nächster Nähe... Klatsch und Tratsch gehören ebenso dazu wie das sich unter die Arme greifen und im Zweifelsfalle gemeinsame Aktionen – zum Beispiel gegen allzuübermütige StadtplanerInnen, die ganze Stadtviertel wegplanen. Dabei ist es egal, ob mensch sich in Neukölln, Prenzlauer Berg oder Reinickendorf, häufig aber dort, wo viele Menschen zusammengewürfelt sind.

Kiez – klein, überschaubar und mit vielen sozialen Strukturen. Hier kennt mensch noch seine NachbarInnen. Die Anonymität der Großstadt scheint aufgehoben. Gerade hier liegen die Chancen. Eines der größten Probleme in der Stadt ist eben doch, daß mensch auf sich selbst gestellt ist. Existieren dagegen soziale Netze, so übernimmt mensch auch viel eher soziale Verantwortung. Das heißt nicht nur Rücksicht nehmen, sondern auch Zusammenarbeit, wenn es um gemeinsame Probleme geht, die zusammen bewältigt werden können.

In der Schweiz gibt es zum Beispiel die „Bürgerzelle“: Menschen aus allen Schichten setzen sich zusammen und planen ihr Stadtviertel, gehen Verkehrslärm und Verdreckung an. Kennt mensch seine NachbarInnen, dann ist es auch einfacher, gemeinsam den Hof zu begrünen oder einen Gemeinschaftskompost anzulegen.

Die Möglichkeiten liegen auf der Hand, aber viele Schritte sind noch zu gehen. In einigen Bezirken, insbesondere die in der Mitte von Berlin, wird es im Moment brenzlig für die Kieze. Die Bezirke unterliegen momentan sehr starken Veränderungen durch die zahlreichen Bauvorhaben, wenn mensch allein mal an des Gebiet rund um das Brandenburger Tor und die Friedrichsstraße denkt. Kaum mehr Platz für die Menschen zum Wohnen, werden sich hier auch keine kleinen, feinverzweigten Strukturen aufbauen können.

An allen Ecken wird gebaut, viele neue Leute ziehen nach Berlin, die Bezirke beginnen, sich zu vermischen, Osten ist nicht mehr gleich Osten, für den Westen gilt ähnliches,

Leider gehen viele Kontakte auch verloren, weil die Probleme, die der oder die Einzelne hat, immer größer werden. Und: Soziale Beziehungen kann mensch nicht vorschreiben, sie müssen wachsen.

Es liegt also an uns selbst, Kontakte zu pflegen und aufzubauen. Klingel doch einfach mal bei Nachbars!


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