Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(es) Was im Ruhrgebiet und Saarland schon längst abgeklärt ist, steht in der Lausitz immer noch auf der Tagesordnung: Die Bedeutung des Kohleabbaus für die Region. Die Vorkommen sind hier noch so ergiebig, daß sie immer noch von wirtschaftlichem Interesse sind. Da es sich im Gegensatz zu den Gebieten in den alten Bundesländern aber um den Tageabbau des Energieträgers handelt, spielen noch ganz andere Dinge eine Rolle. Ganze Landstriche verwandeln sich in Mondlandschaften, Dörfer werden zwangsumgesiedelt, um auch noch das letzte bißchen Kohle aus der Region holen zu können. Hierbei zeigt sich aber immer mehr, daß die Kohleförderung ökologische Probleme mit sich bringt, und die Frage, ob man sich durch diese Politik sinnvolle Perspektiven für die Zukunft schafft, wird immer umstrittener.
Die kleine Gemeinde Horno ist einer der letzten Orte, die im Gebiet des Braunkohletagebaus der Lausitz dem Abbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) immer noch die Stirn bietet. Als vor gut zwei Jahren das Landesverfassungsgericht die Verordnung über die Verbindlichkeit des Braunkohleplanes Tagebau Jänschwalde für nichtig erklärte, sah es erst einmal ganz gut für das Dorf aus. Nun hat die Landesregierung die damals vom Gerichte gegebene Empfehlung befolgt, indem sie ein Gesetz erarbeitet hat, welches die Auflösung der Gemeinde im einzelnen regeln soll. Da der Braunkohlenausschuß des Landes Brandenburg dem zugestimmt hat steht der Verkündung und der damit verbundenen Räumung Hornos nichts mehr im Wege.
Das Ergebnis ist allerdings in keiner Weise befriedigend. Wie soll beispielsweise wie es im ersten Paragraphen des Gesetzes geschrieben steht die Braunkohle gleichzeitig der Sicherung der Rohstoff- und Energieerzeugung dienen, aber auch unter Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und bei schonender Nutzung des Bodens gewonnen werden? Eine unter den derzeitigen wirtschaftlichen Voraussetzungen kaum einzulösende Zielsetzung. Auch soll einerseits durch den Kohleabbau die heimische Energieversorgung vom internationalen Markt unabhängig gemacht werden andererseits müßten 60 Prozent des Lausitzer Braunkohlestroms exportiert werden, wenn sich das Unternehmen rentieren soll.
Desweiteren wird laut Gesetzesentwurf die Inanspruchnahme Hornos und eventuell noch anderer Siedlungen als unvermeidbar angesehen. Es wird also jeder mögliche Konflikt mit den Energiekonzernen, die den größten Gewinn aus dem Kohleabbau abschöpfen, vermieden. Die Hornoer dagegen werden es schon schwer haben, ihr angestammtes Siedlungsgebiet anerkannt zu bekommen: Dazu bedarf es nämlich laut Gesetz unter anderen eines Nachweis ihrer kontinuierlich bis in die Gegenwart gepflegten sprachlichen und kulturellen Tradition.
Andere Lösungen zieht die Landesregierung bisher nicht in Betracht, obwohl es hierfür genügend Gründe für eine Veränderung in der Strukturpolitik der Region geben würde. Über 300.000 Arbeitslose in der Region verbreiten ebensowenig Optimismus, wie das Festhalten an der Behauptung, daß Industrieansiedlung mehr Beschäftigung bedeutet oder der Erhalt von industriellen Kernen auch Erhalt der Beschäftigung bedeutet. Die mittlerweile nur noch 5.000 Mann starke Bergbautruppe kann hier auch keine weiteren Perspektiven eröffnen.
Es ist erstaunlich, daß dem Versuch, durch alternative Energieträger neue Arbeitsplätze zu schaffen, mit fanatischem Eifer begegnet wird. So wurde zuletzt in Spremberg die Errichtung eines Windparks durch Interventionen der IG-Bergbau und der Stromwirtschaft verhindert. Das Unternehmen VENTUS wollte dort für 15 Millionen DM (ohne staatliche Zuschüsse) investieren. Solch eine Technologie, die noch in den Kinderschuhen steckt und somit auch ein gutes Potential an Arbeitsplätzen vermuten läßt, hätte zwar die Bedeutung der Braunkohle für die Lausitz sehr in Frage gestellt, andererseits hätte sie bestimmt auch neue Impulse für Region geliefert.
Auch an anderer Stelle ließe sich vielleiht in Zukunft statt in Megawatt eher in NEGAWatt (der einzusparenden Strommenge) rechnen: Eine ökologische Sanierung der Wohnbauten könnte zum einen den Energieverbrauch der Region senken. Zusätzlich könnte der starke Einbruch der Auftragslage in der Bauwirtschaft mehr als ausgeglichen werden.
Wie so oft sind aber auf politischer Ebene andere Interessen wichtiger als die Entwicklung von sinnvollen Alternativkonzepten für die Struktur einer Region. Das quasi schon verabschiedete Gesetz weist hierbei keinen anderen Weg. So werden auch die letzten Inseln in unserer Brandenburger Mondlandschaft kaputt gemacht werden und die ökologischen Folgen dieses Raubbaus noch verheerender werden. Die Kohle wird in der Lausitz wohl erstmal weiterwachsen.
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