Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(tg) Immer mehr Menschen leben in Städten und ihre Probleme werden immer gravierender. Die Verdichtungsräume nutzen die Ressourcen des Umlandes einseitig aus, sie verbrauchen saubere Luft, sauberes Wasser und Nahrungsmittel und geben dafür Müll zurück. Auch in den Ballungsräumen selbst werden die Schwierigkeiten immer größer: Lärm und Luftverschmutzung; Anonymität und steigende Kriminalität; Armut und Obdachlosigkeit sowie die immer weiter ausartende Zersiedelung in der Peripherie.
Besonders die Anonymität hat für viele Menschen zu Bindungslosigkeit und Einsamkeit geführt. Folge all dieser Punkte ist eine immer weiter abnehmende Lebensqualität, die viele Menschen dazu bewegt, sich weit außerhalb der Zentren, im Grünen anzusiedeln und nur noch zum Arbeiten in die Stadt zu kommen.
Damit geht die wichtige integrative Funktion der Stadt verloren. Hier fließen Kulturen zusammen, werden Innovationen gemacht und andere soziale Netze gepflegt.
Der BUND und Misereor haben in ihrer Studie Zukunftsfähiges Deutschland nun einige Lösungsvorschläge für die Probleme der Verdichtungsräume erarbeitet. Der wichtigste Aspekt ist die räumliche Wiederzusammenführung der Funktionen. Wenn Arbeitsstelle, Schule, Einkaufsläden und Freizeiteinrichtungen näher an der Wohnung wären, gingen die menschlichen Kontakte nicht mehr verloren. Die Gemeinschaft innerhalb einer Siedlung oder eines Viertels wäre stärker ausgeprägt. Dazu gehört natürlich auch, daß die Bürger mehr als zur Zeit an der Planung beteiligt werden.
So könnte viel besser auf die spezifischen Bedürfnisse der Bevölkerung eines bestimmten Viertels eingegangen werden. Die Studie fordert, aus demselben Grund auch die Verwaltung zu dezentralisieren und Stadtteilbüros einzurichten.
Die kurzen Wege hätten auch noch einen anderen Vorteil: Auf den Individualverkehr könnte teilweise verzichtet werden. Die kurzen Strecken können zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt werden. Auch dies würde die Straßen beleben, menschliche Kontakte fördern, die Luftqualität verbessern und den Streßfaktor Lärm abbauen.
Ein weiterer Vorschlag der Studie ist, auch innerhalb der Verdichtungsräume freie Flächen für ökologischen Landbau zu schaffen. So würden die Ausbeutung der ländlichen Gebiete begrenzt und Transportwege gespart. Außerdem würde auch dies der Verbesserung der Luftqualität und einer Verbundenheit der Bürger mit ihrer Region dienen.
Alles dies ist nicht so theoretisch wie es vielleicht klingen mag: Es gibt mehrere Beispiele, wo derartige Projekte gut funktionieren und auch bei der Wirtschaft Anklang finden. Zum Beispiel in Heidelberg. Hier sind in den letzten Jahren sogenannte Bürgerämter in den Stadtteilen eingeführt worden, in denen man alles, was mit Kommunalverwaltung zu tun hat, erledigen kann. Umfragen haben ergeben, daß diese Ämter von 60% seiner Benutzer mit dem Fahrrad oder zu Fuß besucht werden Weiterhin werden in Heidelberg alternative Energiequellen gefördert und es wurde von verschiedenen Organisationen und Verbänden ein Programm entwickelt, mit dem der Gesamtenergieverbrauch bis zum Jahr 2005 um 20 Prozent gesenkt werden soll. In Erlangen existiert inzwischen ein 175 km langes Fahrradwegnetz, welches zum größten Teil unabhängig von Autostraßen ist. Ehemalige Parkplätze wurden zu autofreien Zonen umgewandelt und sind zu attraktiven Aufenthaltsorten geworden. Aus ehemaligen Durchgangsstraßen wurden lebendige Fußgängerzonen. Das Ergebnis ist, daß in der Stadt inzwischen 25 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.
Auch hier zeigt sich wiedereinmal, daß es Konzepte gibt. Fehlt nur noch der Anfang...
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