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Lebensraum Potsdamer Platz?

Häschen in der Grube

(tg) Die größte innerstädtische Baustelle Europas, der Bereich rund um den Potsdamer Platz, war in diesem Sommer Mittelpunkt des Interesses: Im Rahmen der „Schaustelle“ konnte man alles nun einmal von nahem betrachten. Zusätzlich zu den Besichtigungsrundgängen, Busrundfahrten und Führungen wurden 800 Stunden Showprogramm geboten. Ziel dieser kostspieligen acht Wochen war es, das Verständnis für die Unannehmlichkeiten zu wecken. Wie auch in den Ausstellungsräumen der Info-Box kamen kritische Stimmen dabei nicht zu Wort.

Beispielsweise die der vielen Anwohner, die unter dem dauernden Baulärm leiden, der auch nachts kein Ende findet. Sie beklagen zum Beispiel, daß entgegen der Versprechen der Bauunternehmer immer noch keine Schallschutzwände existieren. Auch die Forderung nach einem Nachtbauverbot oder einer angemessenen Entschädigung wurde von den Unternehmern nicht beachtet. Nein, das Geld wurde für etwas anderes gebraucht, beispielsweise für das Showprogramm, welches besonders bei den Anwohnern der angrenzenden Straßen sicherlich enormes Verständnis geweckt hat.

Auch in der Info-Box finden dieses und viele andere eigentlich wichtige Themen keine Beachtung. Unter Einsatz aller technischer Mittel wird demonstriert, wie der Potsdamer Platz einmal aussehen soll und welche Verkehrsprojekte vorgesehen sind: Daimler Benz plant, am Potsdamer Platz ein ganzes Stadtviertel zu errichten. In 19 Gebäuden sollen 340.000 Quadratmeter Fläche für Büros und Wohnungen entstehen. Ähnliche Ideen hat auch Sony für sein aus sieben Gebäuden bestehendes „Sony Center“ einziehen soll. Der Großteil der Fläche in den Komplexen, jeweils etwa 70%, soll Bürofläche werden.

Fragen wie die Annahme der Angebote durch die Bevölkerung kommen nicht vor. Es darf beispielsweise bezweifelt werden, ob die Kultureinrichtungen wirklich städtisches Leben erzeugen und ob sie auch junge Leute anziehen werden, oder ob ihnen ein ähnliches Schicksal wie dem Kulturforum (nicht weit vom Potsdamer Platz) bevorsteht, welches trotz riesiger Investitionen keine Lebendgeburt war. Auch die Diskussion über die doch relativ niedrige Wohnungsquote in den Bauten findet keine Erwähnung mehr. Der Aspekt des Umwelt- und Naturschutzes fällt ebenfalls gänzlich unter den Tisch.

Aus diesem Grund hat der BUND eine „alternative Info-Box“ eröffnet und einen „kritischen Führer durch die Info-Box“ herausgegeben. Hier werden die für die Bauten nötige Eingriffe in Natur und Landschaft dargestellt und die Risiken und möglichen Schäden erklärt, die die Verkehrsprojekte verursachen können. Themen wie die zu erwartende Lärm- und Schadstoffbelastung in der Umgebung des Potsdamer Platzes sowie die Planungen den öffentlichen Nahverkehr betreffend, sind weitere wichtige Themen, die in der „großen“ Info-Box eigentlich nicht fehlen dürften.

Die Infobox ist nur am Wochenende geöffnet. Weitere Informationen beim BUND, Crellestraße 35, 10782 Berlin.


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