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„Produzent“ Stadt

...was vom Tage übrigbleibt

(la) Nicht erst mit dem Mauerbau wurde Berlin zur Insel, allein durch das immer stärkere Anwachsen zur Großstadt und der relativ konstanten Besiedlungsdichte des brandenburgischen Umlandes entwickelte sich ein Gefälle. Von den Lieferbedingungen stand Berlin ganz gut da, das Grundwasser fließt ständig nach, die Lebensmittel werden geliefert, Grün hat mensch auch auf der Großstadtinsel. Doch wohin mit dem Rest? Müll, Abwasser, Abluft, Verkehrsströme. Entsorgungsprobleme gibt es in allen Bereichen. Von den Kosten einmal abgesehen, leidet darunter vor allem das Umland und die, die den Müll „in die Hand gedrückt“ kriegen.

Berlin gibt jährlich mehrere Millionen dafür aus, um den Müll loszuwerden. Zu Mauerzeiten wurden Problemabfälle, aber auch Hausmüll häufig an die DDR verkauft, die Devisen brauchte. Riesendeponien in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zeugen noch heute davon. Heute muß Berlin verstärkt selbst zusehen, wohin mit dem ganzen Müll. Die städtischen Deponien sind randvoll, Brandenburg will aus verständlichen Gründen auch keine Flächen für Deponien zur Verfügung stellen. Deshalb werden verstärkt Müllverbrennungsanlangen – in Berlin – geplant, wie zum Beispiel in der Tempelhofer Gradestraße.

Ähnlich stellt sich die Situation des Abwassers dar. Lange Zeit spielten die Rieselfelder in den Randbezirken eine große Rolle – das vorgeklärte Wasser wurde über Felder gepumpt und sickerte langsam durch den Boden. Dabei wird es ziemlich gut gereinigt, den der Boden hält viel zurück. Aber genau das ist das Problem: die Erde der Rieselfelder ist heute zum großen Teil Sondermüll, sie weist starke Schwermetallbelastungen auf. Wie mensch das beseitigen kann bleibt unklar, ebenso wie der Verbleib der anfallenden Mengen Klärschlamm. Eine Verbrennung wird diskutiert und von einigen Seiten auch favorisiert. An die Konsequenzen für die Luft scheint dabei keineR zu denken.

Die Stadt produziert aber nicht nur Abfälle, sondern auch verstärkt Verkehrsströme: zum einen pendeln viele Menschen aus dem Umland zum Arbeiten, auch innerhalb der Stadt wird viel gefahren, um zu Arbeit, Schule oder Hobby zu gelangen. Eine große Rolle spielt auch der Wochenendverkehr, wenn die erholungsbedürftigen Großstädter in langen Stauschlangen in die Wälder und Wiesen rund um die Stadt fahren, natürlich mit dem Auto.

Die Lage spitzt sich immer mehr zu, was zum einen sehr bedrohlich ist, zum anderen aber vielleicht auch eine Chance, daß sowohl die Verantwortlichen als auch die BewohnerInnen dieser Stadt verantwortungsvoller verbrauchen – also sparen und Alternativen der Entsorgung zu entwickeln. Zahlreiche Konzepte harren jedenfalls ihrer Verwirklichung und konsequenten Umsetzung.


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