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Frauen in der Arbeitswelt

Zwischen Macht haben und machen müssen

(la) Nicht nur nach dem Zweiten Weltkrieg waren es die Trümmerfrauen, die den Schrott und die Zerstörung beseitigten. Die Putzarbeiten, die Ausbildung und Erziehung der Kinder, Dienstleistungen, aber auch schwere Arbeit in Fabriken und an Fließbändern: typische Arbeitsfelder für Frauen. Lange Zeit durften Frauen bestimmte Berufe gar nicht erlangen, geschweige denn studieren. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist in vielen Berufen noch heute ein hochgestecktes Ziel, auch, wenn das nach außen hin nicht so scheinen mag.

Auch wenn viele Frauen heute von sich sagen, einen Beruf zu haben, in dem sie gern arbeiten, heißt daß nicht, daß ihnen damit alle Möglichkeiten offenstanden. In Familie und Schule wird häufig bereits auf die klassische Rollenteilung hingearbeitet. Das die Tochter Tischlerin oder Bauarbeiterin wird, ist nicht vorgesehen und wird mit großem Mißtrauen betrachtet. Hinzu kommt, daß viele Ausbildungsbetriebe, insbesondere im handwerklichen Bereich, Frauen gar nicht erst einstellen, und sei es mit der Begründung, daß es keine Damentoilette gebe. In anderen Branchen werden Frauen dafür um so lieber eingestellt: Einzelhandel, Dienstleistungen, Erziehung. Männer haben es hier schwerer.

Im schulischen Bildungsbereich ist das Geschlechterverhältnis heute ausgeglichen. Früher war höhere Schulbildung zum einen nur betuchteren Herrschaften vorbehalten, zum anderen eine universitäre Ausbildung für Frauen erst gar nicht eingeplant. Heute machen ungefähr gleich viele Mädchen und Jungen das Abitur, auch die Einschreibung an den Universitäten erfolgt noch in diesem Zahlenverhältnis. Aber da hört es schon auf. Gerade an Studienfächern zeigt sich sehr deutlich, daß eine geschlechtspezifische Wahl getroffen wird: In Geisteswissenschaften, wie zum Beispiel Germanistik und Psychologie, ist der Frauenanteil überproportional. Im Gegensatz dazu sind Naturwissenschaften, von Biologie mal abgesehen, und technische Fächer deutlich männlich besetzt. Hier zeigen sich deutlich die Auswirkungen der schulischen Bildung, bei der häufig ähnliche Vorlieben bestehen und auch geprägt werden.

Deutlich ist die Rollenverteilung aber überall in den Führungspositionen. Egal, ob in einer Firma, in Universitäten und Schulen oder in Behörden: Im Chefsessel sitzt ein Mann. Der Frauenanteil liegt häufig unter fünf Prozent, auch, wenn fast alle Beschäftigten oder StudentInnen weiblich sind. Der Weg nach oben ist für Frauen noch steiniger als für Männer, immer wieder berichten Frauen, die in „höheren Etagen“ sitzen, daß sie weit mehr Leistung bringen mußten und müssen, als Männer in vergleichbaren Positionen. Hinzu kommt, daß sich solche Frauen nachsagen lassen, müssen rabiate und gefühllose „Karrierefrauen“ zu sein. Wenn frau jedoch dahin will, wo Männer regieren, so muß sie auch deren Methoden annehmen. Wie oft ist es nicht auch so, daß Männer nur mit Hilfe starker Frauen, die aber keine Ambitionen auf den Chefsessel haben, an die Positionen kommen, von denen aus dann Macht und Meinung steuerbar sind. In fast allen Bereichen, in denen für alle wichtige Entscheidungen getroffen werden, sitzen Männer am längsten Hebel.

Trotzdem Frauen in Berufen unter starker Doppelbelastung stehen, weil sie nicht auf Familie und Hobby verzichten wollen und damit auch noch einen Großteil der Hausarbeit haben, wird dem nur selten Rechnung getragen. Ganz im Gegenteil, es gibt immer wieder auch Stimmen, die sich über die Doppelverdiener beschweren. Ein weiteres Dilemma, in das frau sich begibt, wenn sie einen Beruf ergreift. Aber auch als Hausfrau ist sie auf den “Ernährer” angewiesen und erst recht von ihm abhängig.

Auf der Suche nach Ursachen oder Lösungsansätzen führt wohl kein Weg am gesamtgesellschaftlichen Kontext vorbei. Das mag sich zwar sehr geschwollen anhören, aber Einzellösungen, wie zum Beispiel gezielte Frauenförderungen oder Frauenausbildungsprogramme, können nur eine Seite der Medaille sein. Denn wenn Rollen frühzeitig geprägt werden, sind sie nur schwer wieder aufzubrechen. Aber diese Prägung ist extrem vielseitig. Sie beginnt in Bilderbüchern, in denen Mama in der Küche steht, es nur Klempner und keine Klempnerinnen gibt und in denen die Mädchen ausschließlich mit Puppen spielen.

Auch in der Schule werden Rollen vordefiniert. Mädchen und Jungen haben zwar das gleiche Fächerspektrum, aber vielleicht ist die getrenntgeschlechtliche Erziehung zum Beispiel in den Naturwissenschaften doch eine bessere Lösung. Mädchen, so zeigen Untersuchungen, sind dann viel aufgeschlossener und gehen auch an eher “unweibliche” Fächer wie Technik oder Chemie mit viel mehr Begeisterung und Lernwillen heran.

Natürlich sind solche Wege langwierig und nur mit großen Anstrengungen gangbar, aber notwendig bleiben sie, denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, gleiches gilt für Sabines, Karins und Claudias.


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