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Wem gehört die Stadt?

Top oder Flop – Der Masterplan für Berlin

(tp) Masterplan – Planwerk Innenstadt – Hauptstadtplanung – Alexplanung – Tunnelplanung... Berlin wird geplant, verplant, zerplant. Bereits jetzt findet sich an jeder Ecke mindestens eine Baustelle, wenn nicht sogar zwei. Was passiert mit der Stadt? Wer plant sie, und wer darf mitreden? Wird Berlins Mitte attraktiver, freundlicher, schöner? Wächst etwas zusammen? Oder wird die Stadt nur zusammengeredet?

Ende November 1996 hat Hans Stimmann, Staatssekretär der Stadtentwicklungsverwaltung, die neue Planung für die Berliner Innenbezirke vorgestellt. Nach seinen und den Vorstellungen des federführenden Architekten Dieter Hoffmann-Axthelm soll die Mitte von Berlin, d.h. Teile von Charlottenburg, Kreuzberg, Mitte, Schöneberg und Tiergarten mit Hilfe des „Masterplans“ völlig neu gestaltet werden.

Die Devise lautet Verdichtung, Wohnungsbau, Schaffung einer gemeinsamen Innenstadt und der Rückbau der weitläufigen Straßenzüge, zum Beispiel die Karl-Marx-Allee im Bezirk Mitte oder auch An der Urania in Schöneberg.

Auf den ersten Blick könnte durchaus etwas Positives daraus entstehen. Dieser Gedanke verfliegt jedoch schnell, wenn man die Pläne intensiver betrachtet: Rund um den Fernsehturm und die Marienkirche sollen massiv Blockbauten entstehen, großzügig angelegte Wohngebiete wie etwa an der Fischerinsel stark verdichtet werden, und Freiflächen verschwinden fast gänzlich.

Bleibt die Frage: Wohin mit dem Verkehr? Verkehr außerhalb der Innenstadt? Gute Idee!!! Aber wird diese Idee weitergedacht? Leider nicht. Die Tendenz geht nicht in Richtung autofreier Innenstadt.

Der Masterplan betrachtet die Stadt nur städtebaulich. Er liquidiert zu viele Brachen, Grünflächen, Spielplätze.

Berlin würde durch diese Planung nicht menschenfreundlicher. Ganz im Gegenteil. Was ist das für eine Stadt, die keinen Raum mehr zum Leben und Entfalten bietet?

Das Zauberwort heißt nunmehr Verdichtung. Dabei geht das Spezielle von Berlin, die „Berliner Mischung“ verloren: In Berlin gibt es polyzentrale Strukturen; viele kleine Bereiche haben sich entwickelt, Kieze sind entstanden, lokale Einheiten wuchsen daraus.

Nicht zuletzt durch die Teilung Berlins haben sich die Bezirke völlig unterschiedlich in ihrem Charakter entwickelt. Aber das gerade gibt ja Berlin den Reiz. Ein Zusammenwachsen kann sich auch mit unterschiedlichem städtebaulichen Charakter vollziehen. Oder umgekehrt: Eine riesige gemeinsame Stadtmitte, wie sie durch den Masterplan angestrebt ist, bedingt noch lange kein Einheitsgefühl, zumal die Frage der Wohnraumschaffung noch umstritten ist. Die künstliche Mitte kann auch nicht über die noch vorhandenen Unterschiede hinwegtäuschen.

Die alte neue historische Mitte soll wieder entstehen. Angedacht ist, rund um den Alexanderplatz Blockbebauung wie zu Gründerzeiten, eventuell doch das umstrittene Stadtschloß Unter den Linden, und vor dem Roten Rathaus – wie es sich für eine Stadtmitte gehört – eine Markthalle entstehen zu lassen. Viele Millionen wird diese Mitte benötigen, noch viel mehr die von den Masterplänen unberührte Planung des Alexanderplatzes.

Es stellt sich unwillkürlich in der jetzigen finanziellen Situation die Frage, ob nicht die Verwendung der Millionen der Alex-Planung und gegebenenfalls die des Masterplans in „Einheitsprojekten“ und – allgemein – in Jugendprojekten besser aufgehoben sind...


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