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Im Osten viel Neues

Zukunftswerkstätten für neue Jugendgruppen

(es) Um das aus Sicht der Jugendumweltbewegung dünnbesiedelte Land der ehemaligen DDR zu beleben, startete die BUNDjugend ein Projekt, welches mit Hilfe von Zukunftswerkstätten neue Jugendgruppen entstehen lassen sollte. Ein gutes Jahr später zeigt sich, daß an den meisten Orten dieses Vorhaben erste Früchte trägt und die neuentstandenen Gruppen mit ganz unterschiedlichen Aktionen auf sich aufmerksam machen. Ein interessanter Aspekt ist die wissenschaftliche Betreuung. Hierbei gilt es herauszufinden, wie Jugendliche mit Umweltängsten umgehen und die These „Tu was, dann geht’s Dir besser“ zu überprüfen.

Die Gründung von Jugendgruppen durch Zukunftswerkstätten hat im Rahmen des Projektes sehr unterschiedliche Erfahrungen mit sich gebracht. Um aber ersteinmal unter dem Wort „Zukunftswerkstatt“ etwas verstehen zu können, soll hier ein kleiner Abriß über diese Art der Problemlösung gegeben werden. Entwickelt wurde diese Methode von dem Zukunftsforscher Robert Jungk (1913-1994). Den Teilnehmern sollte das Gefühl gegeben werden, mit Phantasie Einfluß auf die Gesellschaft nehmen zu können.

Bei einer herkömmlichen Zukunftswerkstatt durchlaufen die daran Beteiligten nacheinander drei Phasen, um Lösungsansätze für ein vorher definiertes Problem zu finden. In der ersten Phase, der Kritikphase darf jeder seinen Dampf ablassen, um sich über maßgebliche Beschwerden und Befürchtungen klarzuwerden. In der darauf folgenden Phantasiephase können dann Luftgespinste zur Lösung gesponnen werden. Reale Zwänge und Begrenzungen spielen hier keine Rolle. Von der Endlagerung des Atommülls auf einem anderen Stern bis hin zu dem Solarairbus geht alles. Zum Schluß versucht man in der Verwirklichungsphase wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Die utopischen Ideen aus der vorhergehenden Phase bieten hierbei oft wertvolle Anregungen hierfür. Mit diesen Ergebnissen kann die Gruppe erste praktische Schritte zur Verwirklichung des Zieles planen.

Daß solch eine Zukunftswerkstatt kein Universalrezept ist, mußten die beiden Moderatoren dann gleich bei der ersten in Schwerin feststellen: So sahen sich diese anfangs zwölf Jugendlichen eines Jugendclubs gegenüber, von denen nur zwei ein richtiges Interesse an der Umwelt hatten. Die anderen wollten sich lieber ein schönes Wochenende machen. Um das Beste aus der Situation zu machen, öffneten die Moderatoren das Thema, und es wurden Kritikpunkte, wie „zu wenig Lehrstellen“ oder „Scheißbullen“ gesammelt. Das Ergebnis war dann aber dennoch einigermaßen zufriedenstellend, weil am ersten Abend noch vier umweltinteressierte Jugendliche eintrafen.

Es gab aber auch positive Beispiele, wie die Zukunftswerkstatt in Erfurt. Dort trafen die Moderatoren zwar nur fünf Studenten, die aber wunderbar zusammenarbeiteten. Mit Punkten, wie „Entfremdung des eigenen Lebensraumes“ in der Kritikphase kamen die Teilnehmer schließlich zu dem Projekt „Fröhliches Erfurt“, bei dem in der dortigen Innenstadt zukünftig Straßenmusik gespielt werden sollte und man Blumen an Passanten verteilen wollte.

In Dresden dagegen veranstalteten die motivierten Jugendlichen ein Kinderumweltfest. Dabei gab es die verschiedenartigsten Aktionen, vom Pflanzen einer Linde über einen „Ökofutterstand“ bis hin zu einem Müllquiz, bei dem die Kinder mit viel Spaß Einweg-, Mehrweg- und anderen Müll entsprechend zuordnen mußten. Auch gab es eine Malstraße und eine Ökobastelstraße.

Unterstützt werden die entstandenen Gruppen zum größten Teil vom Projektbüro „Neue Länder“ in Potsdam. Gemeinsam mit den Gruppen gestalteten die Landesjugenden mit dem Projektbüro für 1996 ein Seminarprogramm für die neuen Länder, wo sich die Umweltinteressierten in den angebotenen Seminaren inhaltlich weiterbilden können. Für dieses Jahr ist ein sogenanntes Aktionsprogramm geplant, in dem neben den angebotenen Seminaren auch Projekte, wie JETi (siehe Seite 9), oder der jedes Jahr Anfang Juni stattfindende Kinderaktionstag Umwelt (Kat) vorgestellt werden.

Abschließend ist etwas über die wissenschaftliche Begleitung des Projektes zu sagen. Neben der Auswertung von regelmäßig in die Gruppen gegebenen Fragebögen durch die TU Chemnitz-Zwickau bietet die „Initiative Psychologie im Umweltschutz e.V.“ eine erfreuliche zusätzliche Begleitung. Mit ihrer Hilfe soll erfragt werden, durch welche Aktionsformen und Einflüsse sich Jugendliche für die Umweltarbeit begeistern lassen. Diese Untersuchungen erfolgen aber nicht nur am Schreibtisch, sondern werden auch bei den Aktivitäten vor Ort begleitet.

Das Projekt „Neue Länder“ kann wohl trotz einem teilweise im Vergleich sehr hohen Arbeits- und Mittelaufwandes als Erfolg gewertet werden. Dem Projekt nahestehende Aktionen, wie eine „Tschernobyl-Radtour“ und ein Treffen zum fünfjährigen BUNDjugend-Jubiläum in den Neuen Ländern lassen hoffen, daß die Gruppen noch nach dem Auslaufen des Projekts Ende 1997 weiterbestehen und einer starken Jugendumweltbewegung in diesen Orten führen.

Weiter Informationen: BUNDjugend Projektbüro Neue Länder, Am Luftschiffhafen 2, 14471 Potsdam, Telefon 0331/901274, BUNDjugend-NBL@JPBerlin.BerliNet.de


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