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Nuklearunfall in Japan

Westliche Atomtechnik ist sicher – oder?

(lp) In der Wiederaufbereitungsanlage von Atomabfällen im japanischen Tokai, 115km nordöstlich von Tokio, kam es am Dienstag, dem 11.3.97, zum bisher größten Nuklearunglück Japans – die Abwürfe der Atombomben ausgenommen. Spuren von freigesetztem, radioaktivem Cäsium sind u.a. sogar in der Stadt Tsukuba bei Tokio in der Atmosphäre gemessen worden. Für die Menschen habe jedoch keine Gefahr bestanden.

Dienstag vormittag entzündeten sich in der japanischen Wiederaufbereitungsanlage brennbare Gase, die beim Erhitzen von Bitumen entstehen. Nach zehn Stunden folgte eine Explosion, die das inzwischen gelöscht geglaubte Feuer wieder entfachte. Hochgiftiges Plutonium wurde freigesetzt. Mindestens 37 Menschen waren radioaktiver Strahlung ausgesetzt.

Der japanische Regierungschef Hashimoto entschuldigte sich bei den gegen die Atomkraft hochsensibilisierten Japanern für das Verhalten der Betreiberfirma Donen. Sie hatte das Ausmaß der freigesetzten Radioaktivität zunächst durch „einen einfachen Rechenfehler“ unterschätzt. So berichtete der private Fernsehsender TBS, daß die Firma u.a. fünf Stunden gebraucht habe, um zwei Arbeiter von einem Dach zu retten.

Wenn es zu Nuklearunfällen im ehemaligen Ostblock wie z.B. in Tschernobyl kommt, wird dies vor allem auf die dort angeblich im Gegensatz zum Westen nicht vorhandene technische Sicherheit zurückgeführt. Japan liegt zwar auch östlich von Deutschland bzw. Westeuropa, ist aber technisch auf dem gleichen Niveau.

Die Wiederaufbereitungsanlage in Tokai ist u.a. mit der im britischen Sellafield und im französischen La Hague vergleichbar. Daß auch diese radioaktive Strahlung freisetzen, beweist u.a. eine kürzlich verbreitete Meldung. Danach sind die Abwässer der Anlage in La Hague so radioaktiv, daß die Kommission für unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität (CRII-RAD) an der Kanalisation Werte gemessen hat, die bis zu 3000mal höher liegen als die natürliche Radioaktivität in dem Gebiet. Örtliche Umweltschützer und nun auch Greenpeace warnten die Bevölkerung vor Baden und Spazierengehen am Strand.

Auch im japanischen Tokai hat sich unter besonderem Engagement eines dort lebenden Mönchs eine Bürgerinitiative gegründet, um die Bevölkerung zu schützen. Sie installiert in Tokai Meßgeräte, da die Betreiber der Wiederaufbereitungsanlage sie bei Unfällen – dies war nicht der erste – nicht rechtzeitig informiert hatten. Ihr Ziel ist jedoch die endgültige Schließung der gefährlichen Anlage und ein Ausstieg aus der Atomenergie. Dafür demonstrierten am Samstag, dem 15. März 1997, auch 50 Menschen in Tokio. Hoffentlich erreichen sie ihr Ziel, bevor es zum nächsten Nuklearunglück kommt.


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