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Siemensboykott

Nur nicht die Finger dreckig machen

(la) 150 Jahre nach Gründung ist Siemens heute stärker denn je. Tochterfirmen agieren in allen Bereichen. Der multinationale Konzern feierte so denn auch weltweit. An die dunklen Seiten der Firmengeschichte erinnern nur die KritikerInnen: Kartellabsprachen, Waffengeschäfte, Bestechungen, nationalsozialistische Zwangsarbeitslager und vor allem fast drei Jahrzehnte Atomkraftwerksbau, den die Konzernführung noch heute – entgegen starken Protesten – fortsetzen will. Auch wegen der Proteste in Deutschland verlegt Siemens seinen Atom-Schwerpunkt jetzt nach Osteuropa.

Siemens hat Pläne, Anlagenteile der Hanauer MOX-Fabrik nach Rußland zu verlagern. Gemeinsam mit einem französischen Unternehmen sollen zwei Anlagen zur Umwandlung von Waffenplutonium in Brennelemente errichtet werden.

Bereits jetzt ist Siemens in die Erneuerung alter Atomanlagen und in den Bau einer MOX-Pilotanlage involviert.

Der Betrieb von MO-Brennelementen, wie sie in den neuen Fabriken dann produziert würden, birgt noch mehr Sicherheitsrisiken: Eine Studie der Ärzte gegen den Atomkrieg zeigte, daß der „Sicherheitsabstand im Kern“ und die „Abschaltsicherheit“ der Atommeiler „verringert“ werden.

Neben den sicherheitstechnischen Bedenken haben die Pläne eine starke politische Komponente: Wenn sich Rußland zur Abnahme der plutoniumhaltigen Brennelemente verpflichtet, ist das Land gezwungen, seine Atomkraftwerke auf lange Sicht weiter zu betreiben. Siemens sichert so den russischen Atomkraftwerksbetrieb langfristig ab. Alle Bemühungen um Abschaltungen der zum Teil sehr maroden Anlagen werden damit auf die Kippe gestellt.

In Deutschland ist Siemens die einzige Firma, die noch Atomanlagen baut. Aber nicht mehr lange, so hoffen die Initiatoren vom Siemensboykott. Sie versuchen, Siemens zum Ausstieg aus dem Atomgeschäft zu bewegen. Und zwar weltweit, denn die Auslagerungstendenzen werden immer stärker.

Wenn Siemens damit kalkuliert hat, in Osteuropa auf weniger Widerstand zu stoßen, so hat mensch sich wohl getäuscht: Alle bisher geplanten Projekte stoßen auf lokalen Widerstand, in Moskau fand am 25. März diesen Jahres eine Blockade des Siemens-Büros statt. Neben gutem Presseecho erreichte mensch, daß Siemens nicht unbedeutende Geschäfte verlor, die an diesem Tag abgeschlossen werden sollten.

Auf diesem Weg wurden schon häufiger Erfolge erzielt. SiemenskritikerInnen haben sich in Deutschland schon lange zum „Siemensboykott“ zusammengeschlossen. Ansatzpunkt sind die anderen Sektoren der Produktion von Siemens: Haushaltsgeräte und Ausrüstungen von Arztpraxen. Gerade mit Letzterem ist viel Geld zu verdienen und jeder Käufer – beziehungsweise Nichtkäufer – kann „schmerzhafte Wunden“ hervorrufen. Mit dem Druckmittel Umsatzverlust – die Liste der UnterstützerInnen, die nicht bei Siemens kaufen, ist lang – will mensch die Konzernspitze zum Umlenken bringen.

Auch den Imageverlust von Siemens nach der Ankündigung, 6.000 Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, will mensch nutzen. Boykotte ruinieren den Ruf einer Firma nachhaltig, wie zum Beispiel der Nestlèboykott gezeigt hat.

Alternativen zeigt der Koordinationskreis Siemensboykott auf: „Siemens soll lieber mit Solarzellen und Windturbinen Geschäfte machen. Sie sind krisensicher und versprechen eine Menge Arbeitsplätze in Deutschland und weltweit.“, so der Kampagnensprecher Henrik Paulitz. Mensch ist guter Hoffnung, denn „über kurz oder lang werden die Hausgerätermanager unter dem Druck der Öffentlichkeit ihren Kollegen in der KWU (der Atomabteilung von Siemens – d.A.) klarmachen müssen, daß das Spiel mit den heißen Kernen vorbei ist.“

Weitere Informationen und Unterschriftenlisten: Koordinationskreis Siemens-Boykott, Friedrichstraße 165, 10117 Berlin, Tel. 030/204 47 84


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