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Abschiebung ist umstritten

Plötzlich Frieden in Bosnien?

(lp) Es ist noch nicht endgültig entschieden, ob eine Abschiebung von bosnischen Flüchtlingen derzeit möglich ist. Der Aufenthalt der rund 300.000 Bosnier in Deutschland kostet die Kommunen etwa 5 Mrd. DM jährlich. Das rechtfertigt jedoch keine überstürzte Zwangsrückführung, die derzeit als zynisch und unverantwortlich bezeichnet wird. Es kann getrost gefragt werden, inwieweit die Bosnier dabei noch als Menschen gesehen werden.

Noch immer kommt es zu willkürlichen Verhaftungen und brutalen Aggressionen insbesondere gegen ethnische Minderheiten. Z.B. wird alten Menschen oder Roma pauschal unterstellt, sie hätten im Krieg mit der feindlichen Seite kollaboriert. Männer im wehrfähigen Alter, die nicht „gedient“ haben oder auch nicht Mitglied der Regierungspartei sind, werden diskriminiert und haben in bestimmten Gebieten keine Chance auf eine Wohnung oder Arbeit. Der Frieden ist noch nicht sehr stabil, weshalb jede Abschiebung gut überlegt und geplant sein muß.

Vor allem eine Rückkehr von Flüchtlingen aus dem Ausland in größerem Umfang, wie sie aus der geplanten Massenabschiebung resultieren würde, ist derzeit nicht möglich. Der bosnische Staat tut nichts für die Aufnahme solcher Rückkehrer. Hilfsgelder, die für die Reintegration der Flüchtlinge vorgesehen sind, werden von den Behörden teilweise mißbraucht. Auch die internationalen Hilfsorganisationen sind nicht in der Lage, eine Massenrückkehr aufzufangen.

Generell wäre eine engere Zusammenarbeit der deutschen Behörden mit Organisationen vor Ort notwendig. In Bosnien-Herzegowina funktionieren meist weder Telefon noch Post. So müssen MitarbeiterInnen der Organisationen direkt vor Ort erkunden, wie es mit der Aufnahme von Flüchtlingen aus Deutschland aussieht, ob eine Unterbringung möglich ist, und ob die Behörden dort der Rückkehr zustimmen. RückkehrerInnen müssen bereits in Deutschland zutreffend informiert und vorbereitet werden.

Hilfsorganisationen und Kirchen haben dieses Problem erkannt. Sie glauben, daß es auch eine Verantwortung für die bosnischen Kriegsflüchtlinge nach ihrem Aufenthalt in Deutschland gibt. Für manche Menschen sind Rückkehr und Wiederaufbau besonders schwierig, z.B. für ältere Menschen ohne Angehörige, alleinstehende Frauen mit Kindern, Traumatisierte oder Verwundete.

Da, wo die Politik des deutschen Innenministeriums, das für die Abschiebungen verantwortlich ist, versagt, wurden jetzt u.a. die Evangelische Kirche und der Verein „Südost Europa Kultur e.V.“ aktiv. Sie vermitteln in ihrem Programm „Patenschaften für Flüchtlinge aus und in Bosnien“ Kontakte zwischen den Flüchtlingen und Berlinern. Als Pate kann man helfen, indem man z.B. für eine gewisse Zeit einen Betrag wie etwa monatlich 100 DM spendet, was in Bosnien teilweise eine ganze Monatsrente ausmacht. Man hat aber auch die Möglichkeit, bei der Beschaffung von Haushaltsgeräten, Werkzeugen und anderen Dingen zu helfen.

Die Flüchtlinge sind dankbar, wenn sie bei Behördengängen begleitet und unterstützt werden. Traumatisierte Kinder und Erwachsene können aus ihrer Isolation herausgeholt werden, indem sie zu gemeinsamen Unternehmungen eingeladen werden. Es gibt viele Möglichkeiten, den Menschen aus Bosnien zu helfen. Wichtig ist nur der Wille, der zur Zeit bei den für die überstürzten Zwangsrückführungen verantwortlichen Politikern nicht vorhanden ist.

Deutschland hat ein hervorragendes Ansehen in Bosnien, da es viele Kriegsflüchtlinge aufnahm. Dieses kann jedoch verspielt werden, wenn sich die Politik hinsichtlich der Rückkehr gegen die Flüchtlinge wendet, anstatt einen offenen Dialog mit ihnen zu führen.

Wenn Ihr Euch für die Flüchtlinge einsetzen und ihnen helfen wollt, meldet Euch bei folgenden Adressen: Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg, Ausländerbeauftragte, Telefon 030/319 21 78. Asyl in der Kirche, Heilig Kreuz-Gemeinde, Telefon 030/692 95 81. Südost Europa Kultur e.V., Telefon 030/251 01 28.


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