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Anti-Atom-Sommercamp

Campf wider das Morslebener Atomklo

(sp) Wenn von Gorleben die Rede ist – fast jedeR weiß, worum es geht. Aber Morsleben? Dabei ist Morsleben das einzige real existierende Atommüll-Endlager in Deutschland. Viele nennen es „Atomklo“, denn nach westlichen Maßstäben wäre Morsleben nie genehmigungsfähig gewesen. Mit einer Reihe juristischer Tricks wurde aber einfach die DDR-Betriebsgenehmigung umgedeutet und soll sogar nochmals verlängert werden. Als Höhepunkt der „Stillegungsinitiative ’97“ findet vom 9. bis 17. August ein Protestcamp in der Nähe des Lagers statt.

Wer einmal auf der Landkarte nachgesehen hat, wo Gorleben liegt, wird schnell erkannt haben, warum gerade das Wendland als Ort für Atomanlagen ausgewählt wurde: dünn besiedelt und an drei Seiten von der DDR umschlossen. Auch die DDR nutzte die nahe Grenze und wählte Morsleben im heutigen Sachsen-Anhalt als Standort des ostdeutschen Atommüll-Endlagers.

Ein alter Salzstock, entstanden seit 1905, wurde 1986 als Endlager für leicht- und mittelradioaktive Atomabfälle genehmigt. Seitdem wurde mächtig Atommüll eingelagert – oftmals einfach abgekippt, ohne die Chance, den Dreck im Falle eines Falles wieder herauszubekommen. Denn das Lager ist unsicher: An mindestens 19 Stellen läuft Wasser in die Stollen, jedes Jahr nach offiziellen Zahlen schon 15.000 Liter. Ab 20.000 Litern gilt der Zufluß als nicht mehr beherrschbar – das Lager würde schlicht „absaufen“. Mindestens einen Wassereinbruch gab es bereits, und geologische Formationen wie sie beim Morslebener Salzbergwerk vorliegen sind bekannt für plötzlich zunehmende Wasserzuläufe.

Da die Dicke der „Salzdecke“ zum Deckgebirge teilweise nur 32 Meter beträgt („West-Standard“ sind mindestens 150), besteht die Gefahr, daß bei einem „Absaufen“ radioaktiv verseuchtes Wasser in die darüberliegenden Schichten und somit ins Grundwasser gelangt.

Offiziell zugelassen ist Morsleben nur für leicht- und mittelradioaktive Abfälle. Gelagert wird aber auch hochradioaktiver Atommüll. Deklariert als versuchsweise Zwischenlagerung, deren Genehmigung 1991 abgelaufen ist, kommt so noch mal die vierfache Menge an Radioaktivität hinzu. Lange Zeit behauptete das zuständige Bundesamt für Strahlenschutz, in Morsleben sei kein hochradioaktiver Müll eingelagert – entweder hat dort niemand einen Überblick, was sich wirklich in dem „Endlager“ befindet, das die Radioaktivität für Hunderttausende von Jahren streng von der Biosphäre abschirmen muß, oder die Öffentlichkeit wurde jahrelang bewußt angelogen.

Trotz alledem scheinen sich der niedersächsische Ministerpräsident und vermutliche SPD-Kanzlerkandidat Schröder und die Bundesregierung in ihren sogenannten Energiekonsensgesprächen darüber einig geworden zu sein, Morsleben auch über den 30. Juni 2000 zu betreiben – an diesem Tag läuft die DDR-Betriebsgenehmigung, die ohne Genehmigungsverfahren einfach fortgeschrieben wurde, aus.

AtomkraftgegnerInnen haben dagegen beschlossen, die Betriebsgenehmigung wegen der offensichtlichen Sicherheitsmängel um drei Jahre zu verkürzen. Am 30. Juni trafen sie sich am Endlager in Morsleben und feierten im voraus die Stillegung. Dieses Fest war der Auftakt eines „heißen Sommers“, den sie der Atomindustrie ankündigten. Weitere Aktivitäten sind geplant, Höhepunkt und Abschluß soll ein Anti-Atom-Camp vom 9. bis 17. August in Ummendorf bei Eilsleben sein, 7 Kilometer von Morsleben entfernt.

Geplant ist ein buntes Programm mit vielen Arbeitskreisen von gewaltfreiem Aktionstraining über „Atomkraft für EinsteigerInnen“ bis zu Klettern und Jonglieren und umfangreichem Kulturprogramm mit Lesungen, Podiumsdiskussionen und Benefizkonzert. Was den TeilnehmerInnen allerdings verwehrt bleiben wird, ist ein Besuch des Atommüll-Endlagers: Das wollten die Betreiber dann doch nicht erlauben.

Kosten: 60 bis 80 DM nach Selbsteinschätzung (für Verpflegung), Infos: BUNDjugend Sachsen-Anhalt, Hagenstraße 4, 39340 Haldensleben, Telefon und Fax 03904/65841, e-Mail BUNDjugend.Sachsen-Anhalt@BUND.net, http://home.pages.de/~bi-morsleben


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