Juckreiz-Logo Juckreiz – Die Jugendumweltzeitung aus Berlin

Berliner Gewässer

Wasser ist zum Baden da (?)

(la) Dank der letzten Eiszeiten haben es die BerlinerInnen und BrandenburgerInnen in Bezug auf das Angebot von Badeseen ziemlich gut. Allein die innerstädtischen Havelseen, wie Wannsee und Tegeler See, bieten Erholung vor der Haustür. Ansonsten verhelfen S- und Regionalbahn zum schnellen Badespaß. Doch wie ist es um die Gewässer bestellt? Einleitungen und Einträge aus Stadt und Landwirtschaft könnten den Spaß bald verderben.

Wie bei fast allen deutschen Gewässern ist auch in den Berlinern der Nährstoffgehalt sehr hoch. Das führt zu einem enormen Wachstum an Algen und damit auch zu einem enormen Abbauberg. Dies wiederum zehrt am Sauerstoffgehalt, weil es im Sommer nur wenig Zirkulation in den Gewässern gibt. Folge: Sauerstoffmangel, giftige Abbauprodukte, Fischsterben. Mit dem Bau einer Phosphateliminierungsanlage am Tegeler See hat sich die Lage inzwischen wieder gebessert. Sauerstoffeinleitungen beschleunigen den Abbau und verhindern akuten Sauerstoffmangel.

Doch das ist meist nur Kosmetik: die Ursachen – zu starke Einleitungen, zu starke Einträge über die Landwirtschaft – werden noch zu wenig vermindert.

Grün, ja grün sind alle meine Algen

Was die Badenden zuerst einmal abschreckt oder anlockt, ist die Farbe des Wassers und die Sichttiefe. Gerade Algen färben das Wasser intensiv – grün, braun, rot, sogar türkis. Außerdem verändern sie häufig Geruch und Geschmack des Wassers. Gefährlich werden sie in unseren Breiten meist erst, wenn sie abgestorben sind und bei ihrem Abbau Giftstoffe entstehen. Außerdem werden Algen häufig für AllergikerInnen zum Problem – Hautausschläge während der Algenblüte (besonders starke Wachstumszeiten) sind keine Seltenheit mehr.

Klein – aber gemein

Durch das Einleiten von Abwässern aus Siedlungs-, Gewerbe- und Industriegebieten und Abschwemmungen landwirtschaftlich genutzter Flächen werden ständig Krankheitserreger und chemische Schadstoffe in die Gewässer eingetragen. Für den Berliner Großraum haben vor allem die Rieselfelder eine unrühmliche Rolle. Für die betroffenen Gewässer ergeben sich daraus zahlreiche Probleme, aber auch für die Nutzung zur Trinkwasserversorgung und für Erholungszwecke. Gerade an den großen Berliner Seen wird per Uferfiltrat Trinkwasser gewonnen.

Mikrobielle Verunreinigungen können verschieden schädigen. Zum einen sind zahlreiche Bakterien Krankheitserreger, zum anderen können Stoffwechsel- und Abbauprodukte von Bakterien, Algen und Pilzen giftig sein. Die Algenblüte einer giftproduzierenden Alge in der italienischen Adria machte in den vergangenen Sommern von sich reden.

Einige Krankheitserreger können sich bereits im Wasser vermehren und ausbreiten und sich bei Kontakt mit Mensch oder Tier schlagartig vermehren. Dazu gehören die Cholera, die vor allem in Ländern des Südens zu einem großen Problem geworden ist, Typhus, Salmonellose und Bakterienruhr (starke Durchfallerkrankung), um nur wenige zu nennen. Der Nachweis der einzelnen Krankheitserreger ist nur äußerst schwierig, daher wird ein indirekter Nachweis über normalerweise harmlose Bakterien gemacht, die über fäkale Verunreinigungen ins Wasser gelangen (Escherichia coli oder fäkale Streptokokken). Auch der schlagartige Anstieg der Keimzahl im Wasser gibt Hinweise auf Krankheitserreger.

Überfordert

Gerade Gewässer, in denen gebadet wird, dienen auch als Zielorte geklärten Wassers und sind durch regen Badeverkehr häufig benutzt. Das geht meistens auf Kosten der natürlichen Selbstreinigungskraft. Die Gewässer sind schlicht überfordert. Die großen Seen werden von der Wasserbehörde kontrolliert. Steigen die Keimwerte und sieht mensch dem Wasser die Verunreinigung an, wird ein Badeverbot ausgesprochen. Zahlreiche Seen – besonders im Umland – stehen jedoch nicht unter ständiger Kontrolle.

Manche mögen’s heiß

Berlins Industriestandorte und Kraftwerke am Wasser tragen einen Großteil zur Verunreinigung bei. Ein noch größeres Problem ist jedoch die Aufheizung von Wasser durch die Nutzung als Kühlwasser. Dadurch verbessern sich die Lebensbedingungen für Keime, und die Löslichkeit von Sauerstoff sinkt rapide. Da bleibt dem Leben die Luft weg.

Wie steht es denn nun?

Insgesamt ist die Wasserlage zumindest für Badelustige besser als gedacht, besonders die Seen im Umland sind noch von erstaunlicher Qualität – die es jedoch zu erhalten gilt. Die „Gesamtwasserlage“ ist aber bedenklich – die Überdüngung muß radikal eingeschränkt werden, ebenso die Einleitung von zahlreichen schwer abbaubaren Stoffen, die sich in den Nahrungsketten ansammeln. Baden mit Verstand ist also angesagt – so wenig wie möglich eingreifen bei so viel Spaß wie möglich. Und außerdem Wasser sparen und wenig verschmutzen. Damit es weiterhin heißen kann: „Pack die Badehose ein...“


Juckreiz Zurück zum Inhalt von Juckreiz 18


Juckreiz Inhalte Juckreiz Service Juckreiz Wir Juckreiz Abo

Impressum