Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(nj/be) Wenn mensch am U-Bahnhof Leopoldplatz aussteigt und die Straße, Karstadt hinter sich lassend, entlangläuft, kann es passieren, daß einem eine kleine Tafel auffällt, auf der mit zierlichen Buchstaben steht: Anti-Kriegs-Museum.
Das Anti-Kriegs-Museum: Gegründet wurde es 1923 von Ernst Friedrich, der sein ganzes Leben dem Pazifismus widmete. Während die überwältigende Mehrheit der Deutschen begeistert dem 1. Weltkrieg entgegensah, weigerte sich Ernst Friedrich, mitzumachen. Er wurde zunächst in eine Beobachtungsstation für Geisteskranke überwiesen und kam von dort ins Gefängnis.
Das Museum begann als eine ärmliche Ausstellung, die Toilettenpapier der Marke Siegreich, die größte damalige Granate und Photos der durch Verletzungen entstellten Menschen zeigte. Friedrich nannte sie stolz Anti-Kriegs-Museum. KünstlerInnen wie Zille, Nagel, Baluschek und Kollwitz illustrierten seine antimilitaristischen Schriften.
1929, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise wurde Friedrich öffentliche Beleidigung und Verbreitung unzüchtiger Schriften vorgeworfen; sein Museum öffentliches Ärgernis genannt. Bis 1933 wurde er 13 Mal verurteilt, kam ins Gefängnis und erlitt, was schlimmer ist, den finanziellen Ruin und mußte sein Museum verkaufen konnte dies allerdings an Freunde tun.
Als Schikanen durch die Nazis begannen, brachten sie Teile des Museums nach Prag, in die vermeintliche Sicherheit. 1933 zerstörte die SA die Ausstellung und nutzte das Gebäude fortan als SA-Heim. Am Tag des Reichstagsbrandes wurde Friedrich in Schutzhaft genommen und erst nach sieben Monaten wieder entlassen. Vor einem erneuten Haftbefehl emigrierte er, zuerst nach Prag, dann nach Belgien. In Brüssel eröffnete er zum zweiten Mal sein Museum. 1940 überfielen deutsche Truppen das Land, Friedrichs Lebensgefährtin wurde im KZ ermordet, sein Sohn als Geisel genommen; Friedrich selber kämpfte desillusioniert in Frankreich in der Resistance er, der Antimilitarist, Kriegsgegner, Kriegsdienstverweigerer!
1967 starb Ernst Friedrich nach langen Depressionen. Erst spät wurde ihm Anerkennung zuteil. Die Senatskanzlei wies den Wunsch, in der Gedächtniskirche ein neues Museum zu eröffnen, ab im Kalten Krieg konnte mensch ein Friedensmuseum nicht gebrauchen. Mittlerweile unterstützt der Senat das Museum, und das Bezirksamt Wedding stellt die Räume zur Verfügung. Vor kurzem hat sich eine Schule in Treptow nach Friedrich benannt.
Das Anti-Kriegs-Museum stellt Gegenstände, Photos, Plakate und Modelle zum Krieg und seinen Opfern aus.
Obwohl es schon so oft geschlossen wurde, das Anti-Kriegs-Museum steht und läßt sich nicht unterkriegen. Die Schrecken des Krieges zu betrachten soll verhindern, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.
Es läuft jeweils eine Ausstellung, z.B. Krieg gegen die Natur, Rassismus, chemische Waffen. Am 6. 8. wird eine Hiroshima-Ausstellung eröffnet.
Die Gruppe, die sich um das Museum kümmert, Veranstaltungen organisiert und internationale Kontakte knüpft, besteht aus ca. 20 Leuten jeden Alters Schüler, Studenten, Rentner und trifft sich ca. einmal im Monat.
Müllerstr. 158, 13353 Berlin, U-Bhf. Leopoldplatz, täglich 16 20 Uhr. Das Anti-Kriegs-Museum soll umgezogen sein, wir haben diese Info nicht nachgeprüft: Brüsseler Str. 21, Telefon 461 89 19.
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