Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(tp/es) Es ist Sommer, Ferienzeit und gutes Wetter. Die Fahrräder stehen im Keller oder angeschlossen vor der Haustür. Aus dieser Ausgangssituation läßt sich doch auf jeden Fall eine schöne und erlebnisreiche Fahrradtour zaubern. Berlin bietet spätestens seit der Wende hierfür viele tolle Routen direkt vor der Haustür. So wollen wir Euch in dieser Ausgabe eine Fahrradtour durch den Spreewald vorstellen.
Der fleißige Radfahrer kann natürlich direkt von Zuhause aus losfahren. Wem aber der starke Verkehr in der Stadt nichts ist, der kann auch gut mit der S-Bahn bis an den Stadtrand fahren und von dort aus auf ruhigen Nebenstraßen seine Tour starten. Bei der Tour, die wir hier vorstellen, sind wir sogar noch ein bißchen weiter mit der Regionalbahn gefahren, um alles in drei Tagen zu schaffen.
Mit Fahrrädern und Gepäck in den Spreewald zu kommen, ist gar nicht so schwierig. Ab Schöneweide fahren stündlich Regionalbahnen Richtung Cottbus nach Lübben und ebenfalls dorthin fährt stündlich im Wechsel Interregio und Regionalexpreß ab Lichtenberg über Königs Wusterhausen. Vom Bahnhof aus geht die Tour erst einmal quer durch das Städtchen in Richtung Hafen. Hier gibt es auch die Möglichkeit, eventuell vergessene Sachen noch nachzukaufen. Ein Fahrradgeschäft befindet sich etwas außerhalb, etwa zehn Minuten mit dem Fahrrad.
Nun fährt man über den Deichweg, der links von der Hauptspree liegt, Richtung Gasthaus Bukoitza. Einen guten Kilometer davor muß dann rechts abgebogen werden, um nach Lübbenau zu kommen. Der Weg ist gut ausgebaut, jedoch kommt man um ein paar sandige Stellen nicht herum. Neben der Möglichkeit, einen kurzen Abstecher zum Gasthaus zu machen, kann man sich auch weiter ab vom Trubel an einer Schleuse erholen, die auch auf der Route liegt.
Nach zirka 14 Kilometern wird dann der nördliche Teil von Lübbenau erreicht. Hier beginnt auch der Oberspreewald mit seinen unendlich vielen Spreearmen, Kanälen und Schleusen. Ganz in der Nähe vom Hafen befindet sich auch ein Zeltplatz, auf dem man relativ preisgünstig übernachten kann. Wir wollen aber noch weiter bis nach Burg, das im östlichen Teil des Spreewaldes liegt.
Um dorthin zu kommen fährt man den Europaradwanderweg, der gut ausgeschildert und wie die meisten Radwege im Oberspreewald sehr zu empfehlen ist: Sie sind gut ausgebaut und nicht auf von Autos befahrenen Straßen. Kurz nach Lübbenau erreicht der Radfahrer zuerst Lehde. Dieses Örtchen ist zum Touristendorf avanciert, womit schon angedeutet ist, daß sich dort wahnsinnig viele Menschen tummeln. Trotzdem lohnt es sich, dorthin zu fahren, da sich hier ein Spreewalddorf in seiner ursprünglichen Form mit einem kleinen Museum befindet, in dem man eine Menge über das Gebiet und die Menschen dort erfährt. Weiter geht die Radtour nach Leipe, in dem es schon viel ruhiger zugeht. Zeit, um Drahtesel und Beinen eine kurze Ruhepause zu gönnen. Dann kommt das letzte Stück bis nach Burg, wo es neben vielen Pensionen auch mehrere Zeltplätze gibt.
Burg ist ein ruhiger Ort und schon etwas abseits vom Touristenrummel. Die Streuansiedlung mit 400 Einwohnern und etwa 300 Brücken ist mit 52 km² die größte Gemeinde Ostdeutschlands.
Wenn man sich mit der Etappe ein wenig beeilt hat, sollte man sich eine schöne Kahn- oder Paddelfahrt nicht entgehen lassen. Bei den erlebnisreicheren Paddeltouren kann dann das Kanalsystem erkundet werden. Zwei Regeln sollten dabei allerdings beachtet werden: Nur auf gekennzeichneten Wegen paddeln wir befinden uns in einem Naturschutzgebiet und nicht kentern. Es könnte naß werden...
Am nächsten Tag soll es nun bis nach Beeskow gehen. Um dort hinzukommen, verlassen wir Burg Richtung Norden, wo wir nach zirka zwei Kilometern am Bismarckturm vorbeikommen. Auf diesen lohnt es sich auch, heraufzusteigen, wovon der Blick über den gesammten Spreewald und bis in die Lausitz geht. Es geht weiter über Byhleguhre Richtung Straupitz und wir verabschieden uns vom Spreewald.
Dort angekommen muß man leider erstmal ein Stück vielbefahrene B 320 Richtung Lübben fahren, bis ein Abzweig nach Caminchen kommt. Von dort an geht es lange Zeit durch den Wald über Groß Leine bis nach Goyatz an den Schwielochsee.
Dort muß man sich möglichst gleich Richtung Friedland bzw. Lieberose halten, wenn der See an seiner Ostseite umfahren werden soll. Über Jessern dagegen kommt man nicht weiter. Die Strecke geht nun über Speichrow, Pieskow, Friedland, Leißnitz und Kummerow bis nach Beeskow. Dabei gibt es unterwegs immer wieder die Möglichkeit in einem der Seen zu baden und an ruhigen Stellen ausgiebig Rast zu machen. In der Kreisstadt Beeskow mit ihren rund 9000 Einwohnern, wo es bereits im Jahre 1150 eine slawische Burgsiedlung gab, sind vor allem ist vor allem die mittelalterliche Stadtmauer und das älteste Haus von Brandenburg in der Kirchgasse Nr. 2 es wert, sie zu besichtigen.
Frisch und munter geht es dann an der westlichen Seite der Spree weiter über Radinkendorf und Raßmannsdorf Richtung Drahendorf. Von hier aus soll ein Radwanderweg direkt an der Spree entlang bis nach Fürstenwalde gehen, der allerdings nicht leicht zu finden ist. Sonst kann man auch über Langewahl die Straße nehmen, die aber auch gut befahren ist.
Wer in Fürstenwalde schon genug hat, kann hier auch in die Regionalbahn steigen, die stündlich nach Erkner fährt. Ein ab Hangelsberg beginnender Weg (vorher Straße) führt aber auch wunderschön durch die kleinen Dörfer Mönchwinkel, Spreeau und Freienbrink. Kurz nach Freienbrink darf man sich dann an der Autobahnauffahrt nicht beirren lassen. Die Brücke über die Autobahn muß man noch befahren und dann gleich nach Jägerbaude einbiegen. Von dort führt dann ein sandiger Weg bis nach Erkner hinein, der letzten Station unserer Radtour.
Einige wichtige Hinweise zum Schluß sollten aber trotzdem nicht fehlen: Mit der Regionalbahn kann man am Wochenende mit dem Wochenendticket am günstigsten reisen. Aber aufgepaßt! Pro Fahrrad benötigt man eine extra Fahrradkarte für 6 DM.
Auf die Tourenbeschreibung alleine sollte man sich auch nicht verlassen. Vom RV-Verlag gibt es jeweils eine Karte vom Spreewald und der Märkischen Schweiz im Maßstab 1:50.000, die sehr zu empfehlen sind. Vom Stadt & Land Verlag gibt es vier Karten Berliner Umland, wobei der südost-Teil für einige Ausschnitte der Tour geeignet ist. Die Karten sind im Maßstab 1:60.000. Der Fahrradführer Spree, erschienen im Moby-Dick-Verlag gibt viele interessante Hinweise zur Tour.
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