Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(lp) Viele Jugendliche haben Angst vor der Zukunft. Nach ihrer Meinung, ihren Ideen fragt keiner. Keiner?! Doch, einer, und zwar ist es wer hätte das bei den Sparmaßnahmen für möglich gehalten der Senat. Gemeinsam mit Sponsoren aus der Wirtschaft veranstaltet er nun schon zum zweiten Mal einen Wettbewerb, Jugend entwickelt Berlin, bei dem Jugendliche ihre Ideen einsenden und u.a. diverse Praktika gewinnen können. Inwieweit die eingesandten Vorschläge allerdings verwirklicht werden, bleibt fraglich.
Jugendliche sollen Ideen einreichen, wie sie, wenn sie könnten, die Entwicklung Berlins gestalten würden. Dabei soll der Anschein entstehen, Jugendliche seien an der Entwicklung Berlins beteiligt. Man will den Verdacht ausräumen, sie würden ausgeschlossen, obwohl ja für ihre Generation gebaut werde. Deshalb der Wettbewerb, zum Teil sollen die Projekte auch verwirklicht werden.
Im Themenbereich Umwelttechnische Innovationen siegte beim ersten Mal die 24jährige Maren Girgenson mit einem Stromzähler, der den DM-Betrag anzeigt. Das hört sich nach einer komplizierten Entwicklung an. Doch in der Ausstellung von Jugend entwickelt Berlin fand ich keine hochtechnischen Apparaturen, sondern ein paar simple Zeichnungen mit handschriftlichen Erklärungen daneben.
Marens Idee ist an sich nicht schlecht es stimmt wohl leider, daß die meisten Menschen nur Strom sparen würden, sähen sie darin auch finanzielle Vorteile, aber der Vorschlag ist so, wie er gestaltet ist, zu unkonkret, um umgesetzt zu werden. Er ist zu genau so einem Bluff gemacht worden wie die ganze Veranstaltung.
Auf der Siegerehrung, als die Teilnehmer in ihren mit dem Schriftzug der Siemens-AG versehenen T-Shirts herumliefen, wurde das auch Maren klar. Sie hatte sich nicht umsonst mit Energiepolitik beschäftigt. Jetzt gewann sie ein Praktikum bei den Berliner Wasser Betrieben.
Nach den gegenseitigen Danksagungen der Veranstalter und Politiker beim Pressegespräch sprang sie auf und wies ihren Preis zurück. Sie habe nicht realisiert, daß die Siemens-AG der Hauptsponsor sei. Die Siemens-AG war und ist nämlich am Bau diverser Atomkraftwerke beteiligt. Die Politiker interessierte das wenig, sie zogen weiter zum Schnittchenessen.
Einige Einsendungen von Jugend entwickelt Berlin wurden in der Ufa-Fabrik ausgestellt. Sie steuerte als ökologisches Vorzeigeprojekt der Schaustelle Berlin den Metropolencharakter bei. Die ausgestellten Ideen selbst waren waghalsig bis simpel und sind wohl nur in Ausnahmefällen realisiert worden.
Die Motivation der Teilnehmer war verschieden. Die Idee, an jeder Straßenecke kleine Hundeklos zu errichten, hatten vier Schüler, von ihrem Lehrer angeregt, sich doch etwas für den Wettbewerb zu überlegen. Studenten beschäftigen sich aus Interesse mit der Stadtentwicklung und sehen in dem Wettbewerb ein Mittel, ihre Ideen mitzuteilen.
Wer dies auch tun will, kann teilnehmen, wenn der Wettbewerb zum zweiten Mal startet.
Infos und Anmeldung bei: Partner für Berlin, Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH, Charlottenstr. 65, 10117 Berlin.
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