Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
(lp) In Südostasien ist es zu der bisher größten Smog-Katastrophe aller Zeiten gekommen. Die Schadstoffwerte der Luft, die auf einem Index für Luftverschmutzung angegeben werden, sind offiziell ab einem Wert von 100 Punkten gesundheitsschädlich. Bei der Katastrophe stiegen die Werte bis auf über 800 Punkte an. Wer diese Luft atmen muß, ist einer Schadstoffbelastung ausgesetzt, als rauche er 100 Zigaretten am Tag.
Schuld an der Smog-Katastrophe sind Waldbrände, die beim Roden von Busch- und Waldland entstanden. Südostasiatische Bauern, Großgrundbesitzer und Unternehmer legen immer wieder Feuer, um mehr Fläche landwirtschaftlich nutzen zu können. Die zurückbleibende Asche dient als Dünger. Außerdem roden Holzunternehmen unglaublich große Flächen Unterholz und Dschungel, um an die wertvollen Stämme heranzugelangen. Das wird toleriert, weil daraus letztendlich der Wirtschaftsboom der betroffenen Länder resultiert. In den vergangenen 30 Jahren fiel ihm ein Drittel der asiatischen Wälder zum Opfer.
Viele Machthaber sind an diesem Geschäft mit der Natur direkt beteiligt und unternehmen so nichts dagegen. Auf der Umweltkonferenz in Rio 1992 verkündete der indonesische Umweltminister Suharto, alle Staaten hätten das Recht, mit ihren natürlichen Ressourcen zu machen, was sie wollten. Nun, angesichts der Umweltkatastrophe, gibt er seinen Irrtum offen zu und entschuldigt sich bei seinen Nachbarn. 29 Unternehmen wurde wegen illegaler Brandrodung die Lizenz entzogen. Zu spät. Denn dieses Jahr spielte der Monsunregen, der die Brände für gewöhnlich löscht, nicht mit vermutliche eine Folge des Treibhauseffekts.
Von der aus den giftigen Rauchschwaden entstandenen Smog-Katastrophe waren sechs Staaten betroffen: In Indonesien, Malaysia, Singapur, Brunei, Thailand und den Philippinen konnten die Menschen nicht mehr atmen. Besonders schlimm war es in den Großstädten. Die 400.000 Einwohner-Stadt Kuching, die zu Malaysia gehört, stellte die Smog-Spitzenwerte auf: Über der Stadt lag eine Rauchglocke, die jeden Luftaustausch verhinderte. Die in der Stadt produzierten Industrie- und Autoabgase konnten so nicht abziehen, während von außen immer mehr Giftschwaden in die Stadt hineindrangen.
Die Situation war katastrophal. Die Menschen liefen mit Atemmasken herum, die sie allerdings lediglich vor dem Ruß schützten, die Luft enthielt aber noch viel mehr giftige, auch krebserregende Schadstoffe. Zehntausende litten an Asthma, Hustenanfällen, entzündeten und tränenden Augen. Besonders betroffen waren Kinder, da ihr Organismus um ein Vielfaches empfindlicher auf Umweltschadstoffe reagiert.
Die malaysische Regierung erwog, die zwei Millionen Einwohner des Bundesstaates Sarawak zu evakuieren. Doch sie wußte nicht wohin: Saubere Atemluft gab es nirgends.
Die Wohlhabenden zogen sich teilweise einfach in klimatisierte Gebäude zurück. Die arme Bevölkerung jedoch hat zumeist sogar nur Fenster ohne Scheiben und war dem Smog so schutzlos ausgeliefert. Es gab kein Entkommen, statt dessen wurden die Menschen krank.
Ein Smog insbesondere dieses Ausmaßes begünstigt und verstärkt Asthma und andere Atemwegserkrankungen und längerfristig natürlich auch Lungenkrebs massiv. Dies gilt nicht nur für Südostasien: Die Wälder fallen weg, damit Lebensräume und CO2-Senken. Mit der willkürlichen Vergewaltigung der Natur wird letztendlich allen Menschen geschadet.
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